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  • Jessica Rosenthal: Juso-Chefin will SPD weiter nach links drängen

Neue Chefin Jessica Rosenthal will Macht der Jusos weiter ausbauen

  • Lange musste sie auf das Ergebnis warten, jetzt ist Jessica Rosenthal neue Vorsitzende der Jusos.
  • Die Nachfolgerin von Kevin Kühnert startet selbstbewusst.
  • Sie will die SPD weiter auf einen linken Kurs drängen und erhebt Anspruch auf Ämter und Mandate. Auch für sich selbst.
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Berlin. Die SPD-Nachwuchsorganisation Jusos hat eine neue Vorsitzende. Mit 77,8 Prozent wählten die Delegierten die 28-jährige Lehrerin Jessica Rosenthal zur Nachfolgerin von Kevin Kühnert. Für Juso-Verhältnisse ist das ein gutes Ergebnis. Kühnert, der das Amt des Juso-Chefs auf eigenen Wunsch vorzeitig aufgab, bekam bei seiner ersten Wahl vor drei Jahren 2 Prozentpunkte weniger. Das sei eine „krasse Ehre“, sagte die neue Vorsitzende nach ihrer Wahl.

Wohl noch nie hat eine Politikerin so lange auf ein Wahlergebnis gewartet wie die Frau aus Bonn. Ihre Bewerbungsrede gehalten hatte Rosenthal bereits beim Bundeskongress am 28. November, der wegen der Corona-Pandemie rein digital stattgefunden hatte und für die Briefwahl formell bis zu diesem Freitag unterbrochen wurde.

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Kevin Kühnert – emotionaler Abschied von den Jusos
2:03 min
„Es tut mir leid, dass ich ein letztes Mal das Zeitbudget massiv gerissen habe“, sagte Kevin Kühnert am Samstag in Berlin.  © Reuters
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Rosenthal hatte also genügend Zeit, darüber nachzudenken, wo sie den SPD-Nachwuchsverband hinsteuern will. Wobei es dabei weniger um die politische Richtung geht, die ist bei den Jusos ohnehin klar – nach links, wohin sonst? Vielmehr geht es um das Zusammenspiel mit der Mutterpartei.

Die Jusos sind unter Kühnert ein deutlicher Machtfaktor in der SPD geworden, und Rosenthal kündigte am Freitag an, dass sie diesen Kurs fortsetzen will. Die Jusos seien der „entscheidende Nachwuchsverband in diesem Land, sagte sie. Man habe „den klaren Anspruch in Richtung Partei“, dass der linkere und zukunftsgerichtete Kurs jetzt weitergehe“.

„Jusos in die Parlamente“, lautet die Losung

Die Jusos wollen der SPD nicht nur inhaltlich ihren Stempel aufzudrücken, sie reklamieren auch Ämter, Posten und Mandate für sich. „Wir wollen Verantwortung übernehmen und gestalten, weil wir glauben, dass jetzt die Zeit ist, die großen Weichen zu stellen“, sagte die neue Juso-Chefin der Nachrichtenagentur dpa.

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„Jusos in die Parlamente“, das war schon die Losung unter Kühnert gewesen. Und inzwischen bewerben sich allein bei der Bundestagswahl 80 Vertreter des SPD-Nachwuchses um ein Mandat. „Hier ist eine Jugendbewegung auf dem Weg ins Parlament“, sagte Rosenthal, die eine von ihnen ist.

Inhaltlich forderte sie am Freitag, die Interessen der jungen Generation in der Corona-Krise stärker in den Blick zu nehmen. Es dürfe nicht sein, dass Schüler wegen mangender digitaler Unterrichtsangebote den Anschluss verlören, so Rosenthal. Es brauche eine digitale Investitionsoffensive in die Schulen. Darüber hinaus verlangte sie regelmäßige Schnelltests sowie FFP2-Masken für alle Schülerinnen und Schüler. „Es kann doch nicht sein, dass wir innerhalb weniger Tage Milliarden für die Rettung der Lufthansa bereitstellen, aber zu wenig Geld für zusätzliche Schulbusse haben“, kritisierte die Juso-Chefin.

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Auch bei der Schwerpunktsetzung in der Pandemiebekämpfung läuft aus ihrer Sicht einiges schief. „Man hat sich schnell dazu durchgerungen, Schulen und Kitas zu schließen, aber an die Unternehmen ergeht nur die freundliche Bitte um mehr Homeoffice.“ Das sei falsch.

Als Reaktion auf die Stürmung des Capitols in Washington durch Sympathisanten des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump rief Rosenthal zu einem verstärkten Kampf gegen rechts auf. „Es ist Zeit, mutig zu sein, es ist Zeit, Farbe zu bekennen“, appellierte sie. „Keinen Fußbreit dem Faschismus, keinen Fußbreit der AfD.“

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