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Neue Zusammenstöße in Jerusalem: Mehr als 300 Menschen verletzt

  • Der Tempelberg in Jerusalem ist Juden und Muslimen heilig.
  • Der Streit darum wird allerdings mit recht profanen Mitteln ausgetragen.
  • Bundesaußenminister Heiko Maas warnte vor einer Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern.
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Jerusalem. Nach Zusammenstößen mit der israelischen Polizei sind mehr als 305 Palästinenser verletzt worden. 228 seien in Krankenhäuser gebracht worden, sieben von ihnen in ernstem Zustand, teilte der palästinensische Rote Halbmond am Montag mit. Die Polizei habe Tränengas und Blendgranaten eingesetzt, von denen mehr als ein Dutzend das Gelände der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg getroffen hätten.

Die Polizei erklärte, Demonstranten hätten Steine und andere Objekte auf die Beamten geschleudert. 21 Polizisten seien verletzt worden, drei von ihnen seien ins Krankenhaus gekommen. Israelischen Sanitätern zufolge wurden auch sieben israelische Zivilisten verletzt. Unter anderem wurden laut Polizei Steine vom Komplex um die Al-Aksa-Moschee auf eine angrenzende Straße geworfen worden. Auch Tausende jüdische Gläubige, die an der Klagemauer am Fuß des Tempelberges beteten, seien mit Steinen beworfen worden. Die Polizei sagte, sie werde nicht zulassen, dass Extremisten die öffentliche Sicherheit gefährdeten.

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Gewalt in Jerusalem hält an
1:26 min
Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es am Montagmorgen zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen.  © Reuters
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Am Montag wird in Israel der Jerusalemtag gefeiert, der an die Wiedervereinigung Jerusalems nach dem Sechstagekrieg 1967 erinnert. Damals hatte Israel Ostjerusalem mit dem Tempelberg erobert, der als wichtigstes Heiligtum der Juden gilt. Von den Muslimen wird die Anhöhe mit Al-Aksa-Moschee und Felsendom als Edles Heiligtum verehrt.

Viele Muslime empfinden den Jerusalemtag als Provokation, zumal die Palästinenser Ostjerusalem als Hauptstadt für ihren angestrebten zukünftigen Staat beanspruchen. In diesem Jahr kommt hinzu, dass er kurz vor dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan liegt.

Keine Freiheit für Gewalt und Angriffe auf Unschuldige

Die Polizei verbot Juden vorsorglich, am Montag den Tempelberg zu betreten. Sie gestattete zwar zunächst eine Demonstration rechtsgerichteter Israelis durch ein arabisches Viertel in der Jerusalemer Altstadt, änderte am Nachmittag aber die Route. Sie soll das arabische Viertel nun meiden und zur Klagemauer führen.

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Ein AP-Fotograf beobachtete, wie palästinensische Protestteilnehmer am frühen Morgen die Zugänge zum Tempelberg mit Brettern und Metallschrott verbarrikadierten. Als die Polizei anrückte, wurde sie mit Steinen beworfen. Die Beamten drangen auf das Gelände vor, wo sich bis zu rund 400 Menschen versammelt hatten - junge Protestierende ebenso wie betagte Beter. Mehr als ein Dutzend Tränengasbehälter und Blendgranaten landeten in dem Gotteshaus.

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Außerhalb der Altstadt bewarfen Palästinenser ein israelisches Auto mit Steinen. Der Fahrer verlor offenbar die Kontrolle und fuhr einen Passanten an. Laut Polizei gab es zwei Verletzte.

Die israelische Regierung warf palästinensischen Extremisten vor, die Gewalt an den heiligen Stätten von langer Hand geplant zu haben. Der Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu twitterte dazu Fotos von aufgestapelten Steinen und Holzstücken. Israel garantiere die freie Religionsausübung, nicht aber Freiheit für Gewalt und Angriffe auf Unschuldige, schrieb Ofir Gendelman.

Maas spricht von explosiver Lage

Der Oberste Gerichtshof verschob eine für Montag geplante Entscheidung, die im Viertel Scheich Dscharrah zur Ausweisung Dutzender Palästinenser aus ihren Häusern hätte führen können, unter Verweis auf die „Umstände“. Ajman Odeh, ein führender arabisch-israelischer Politiker, machte eine diskriminierende Politik Israels gegenüber den Palästinensern für die Gewalt verantwortlich. „Wo immer man Besatzung findet, wird man Widerstand finden“, sagte er in Scheich Dscharrah.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es Zusammenstöße gegeben, bei denen Hunderte Palästinenser und etwa zwei Dutzend israelische Polizisten verletzt wurden. Am Montagmorgen wurden mehrere Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert und Brandballons in Richtung Israel gestartet. Israel sperrte daraufhin den Grenzübergang Eres weitgehend. Wegen der angespannten Lage beraumte der UN-Sicherheitsrat für Montag eine Sitzung hinter verschlossenen Türen an.

Bundesaußenminister Heiko Maas warnte vor einer Zuspitzung des Konflikts. „Wir können nur alle Seiten auffordern, in dieser wirklich explosiven Lage zu deeskalieren“, sagte der SPD-Politiker am Montag nach Beratungen mit EU-Kollegen in Brüssel. Zu begrüßen sei die Entscheidung, dass der Tempelberg im Zugang beschränkt werden solle, um weitere Provokationen zu verhindern.

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Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hatte sich zuvor für eine deutlich stärkere Reaktion der EU ausgesprochen. „Die Angst besteht, dass die Israelis im Begriff sind, (...) Ostjerusalem zu besetzen und die Palästinenser auch aus Ost-Jerusalem zu vertreiben“, sagte er. Das Thema „Israel/Palästina“ müsse wieder ganz oben auf die Tagesordnung der EU gesetzt werden. Die Europäer hätten „auch eine Verpflichtung“, sagte er.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer weiteren Eskalation der Lage. „Er verurteilt aufs Schärfste den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, zu denen sich Berichten zufolge die Hamas bekannt hat“, sagte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York. Der Chef der Vereinten Nationen forderte von Israelis und Palästinensern „maximale Zurückhaltung“. Die UN betonten erneut ihre „tiefe Besorgnis“ über die „anhaltende Gewalt im besetzten Ost-Jerusalem“ sowie die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheich Dscharrah.

RND/AP/dpa

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