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  • Jerusalem: Mehr als 200 Verletzte bei Auseinandersetzungen am Ende des Fastenmonats Ramadan

Auseinandersetzungen in Jerusalem fordern mehr als 200 Verletzte

  • Seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan ist die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems angespannt.
  • Auf dem Tempelberg gibt es schwere Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.
  • Die USA und die Vereinten Nationen mahnen zur Mäßigung.
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Jerusalem. Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften sind in Jerusalem mehr als 200 Menschen verletzt worden. Der Palästinensische Rote Halbmond berichtete am Samstag von mindestens 205 Verletzten.

Davon seien 88 in Krankenhäuser gebracht worden. Die meisten hätten Verletzungen im Gesicht, darunter den Augen, erlitten, die von Gummi-umhüllten Kugeln und Splittern von Blendgranaten hervorgerufen worden seien. Israel berichtete, dass sechs Polizisten verwundet worden seien.

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Israel: Mehr als 220 Verletzte bei Zusammenstößen in Jerusalem
1:07 min
Die Auseinandersetzungen ereigneten sich vor dem Hintergrund zuletzt wieder wachsender Spannungen in den von Israel besetzten Gebieten.  © Reuters
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Zu Zusammenstößen kam es rund um die Altstadt und das Viertel Scheich Dscharrah. Auseinandersetzungen gab es vor allem auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum). Tausende Muslime versammelten sich dort zu Gebeten am letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan.

Nach Angaben der Polizei begannen die Auseinandersetzungen, als aus Reihen der Gläubigen Steine und Feuerwerkskörper flogen. Polizisten seien dann auf das Gelände vorgerückt. Die Konfrontationen dauerten bis tief in die Nacht.

Mahmud Abbas macht Israel für die Eskalation verantwortlich

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte Israel für die Eskalation verantwortlich. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas kündigte am Samstag an, Israel werde für „den Preis zahlen“. Von der israelischen Regierung gab es zunächst keine Reaktion.

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Das US-Außenministerium und der UN-Sondergesandte Tor Wennesland zeigten sich zutiefst besorgt über die anhaltende Gewalt in Jerusalem und im Westjordanland. Beide riefen zu Mäßigung auf.

Seit Beginn des Ramadan und der Verschiebung der palästinensischen Parlamentswahl kam es wiederholt zu Spannungen und Gewalt im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems. Israelische Sicherheitskräfte verhinderten am Freitag einen Anschlag auf einen Stützpunkt im Norden des Westjordanlands. Zwei Angreifer wurden getötet.

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Palästinenser zürnen über Sperrmaßnahmen im Ramadan

Als Auslöser für die Unruhen in Jerusalem gilt Zorn der Palästinenser über Sperrmaßnahmen der israelischen Polizei im Bereich der Altstadt während des Ramadan. Zudem verschärfte ein Konflikt um mögliche Räumungen von palästinensischen Familien in Scheich Dscharrah die Spannungen. Am Montag könnte im Fall von vier Familien eine Entscheidung fallen.

Das israelische Außenministerium hat Palästinensern vorgeworfen, den Räumungsstreit zur Anstiftung zur Gewalt ausgenutzt zu haben. Die militant-islamistische Hamas im Gazastreifen hat die Eskalation angetrieben. Mahmud Abbas lobte die „mutige Haltung“ der Demonstranten. Israel trage die volle Verantwortung für die Gewalt, sagte Abbas im palästinensischen Fernsehen.

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EU verurteilt Gewalt in Ostjerusalem

Die EU verurteilt die Gewaltausbrüche im Ostteil Jerusalems. Gewalt und Anstiftung zu Gewalt seien inakzeptabel, erklärte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Samstag in Brüssel. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Europäische Union fordere die Behörden auf, unverzüglich zu handeln, um die derzeitigen Spannungen zu entschärfen. Politische, religiöse und kommunale Führer müssten alles tun, um die instabile Lage zu beruhigen.

Konkret kritisierte der Sprecher auch die Vertreibung palästinensischer Familien aus dem Viertel Scheich Dscharrah und anderen Teilen Ost-Jerusalems. „Solche Aktionen sind völkerrechtswidrig und dienen nur dazu, Spannungen (...) zu schüren“, sagte er. Die Lage soll am Montag auch Thema bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel sein.

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als „ewige und unteilbare Hauptstadt“ für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

RND/dpa

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