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  • Jens Teutrine neuer Chef der Jungen Liberalen: Philosophiestudent traut sich Kritik an FDP-Chef Lindner zu

Dieser Philosophiestudent ist jetzt Chef der Jungen Liberalen

  • Da die bisherige Vorsitzende Ria Schröder nicht noch mal angetreten ist, haben die Jungen Liberalen bei ihrem Bundeskongress in Bielefeld einen neuen Vorsitzenden gewählt: den Philosophiestudenten Jens Teutrine.
  • Der 26-Jährige übernimmt damit einen Job, mit dem auch Guido Westerwelle seine Karriere begonnen hatte.
  • Der neue Chef der Jugendorganisation der FDP macht klar: Er traut sich auch Kritik an Parteichef Christian Lindner zu.
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Er entspreche, so sagt es Jens Teutrine, “ganz sicher nicht den falschen Vorurteilen, die manch einer von Mitgliedern der Jungen Liberalen hat”.

Der 26-Jährige, der in Bielefeld Philosophie studiert, ist am Samstag beim Bundeskongress der Jugendorganisation der FDP zum neuen Vorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt worden – ohne Gegenkandidaten und mit 91 Prozent der Stimmen. Damit hat er jetzt den Job, mit dem schon Guido Westerwelle einst seine Karriere bei den Liberalen begonnen hatte. Teutrine ist der Nachfolger der Hamburgerin Ria Schröder, die nicht erneut angetreten war.

Eine Aufstiegsgeschichte

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Was meint er mit den “falschen Vorurteilen”? Teutrine, der bisher Vorsitzender der Julis in Nordrhein-Westfalen war, kommt nicht aus reichem Elternhaus – und wenn man sein Studienfach nimmt, geht es ihm nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er sieht seinen eigenen Lebensweg als eine Aufstiegsgeschichte, die er sich auch für andere wünscht.

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“Ich bin auf einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache eingeschult worden. Damals hatte ich eine Sprachbehinderung”, berichtet Teutrine im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Seine Mutter habe ihn und seine Schwester allein großgezogen. “Sie ist für den Lebensunterhalt putzen gegangen.” Für die Mutter sei immer klar gewesen, wie wichtig gute Bildung sei – damit die Kinder es einmal besser hätten.

“Solche Geschichten findet man bei uns Jungen Liberalen zuhauf”, sagt der neue Juli-Vorsitzende. “Leider hängen Chancen noch viel zu häufig vom sozialen Hintergrund ab. Das widerspricht unserer Idee einer liberalen Gesellschaft.”

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Der Philosophiestudent übernimmt den Vorsitz in der Jugendorganisation zu einer Zeit, die nicht leicht ist für die FDP. Die Partei unter Führung von Christian Lindner steckt in Umfragen bei 5 bis 7 Prozent fest. Viele Wähler nehmen ihr bis heute übel, dass die FDP die Jamaika-Verhandlungen nach der Bundestagswahl 2017 abgebrochen hat. Die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum kurzzeitigen Ministerpräsidenten von Thüringen hat die Liberalen in eine noch tiefere Krise gestürzt.

Teutrines Vorgängerin Ria Schröder (28), die sich jetzt auf ihr juristisches Referendariat und das zweite Staatsexamen konzentrieren will, hat die Julis durch einen eher sozialliberalen Kurs profiliert. Teutrine gilt als jemand, der auch stark für Wirtschaftsliberalismus steht. Einen Kurswechsel sieht er aber nicht. “Ich lasse mir kein Label ankleben. Ich bin kein linker oder rechter Liberaler.” Den Julis sei es wichtig, sowohl Akzente für eine liberale Gesellschaftspolitik als auch für eine marktwirtschaftliche Reformpolitik zu setzen.

Als neuer Juli-Chef traut Teutrine sind aber auch den Konflikt mit dem Parteichef zu. “Als Junge Liberale haben wir die Aufgabe, dem Parteichef einen besseren Weg zu zeigen, wenn er mal falsche Akzente setzt”, sagt er. “Dass Christian Lindner gesagt hat, Klimaschutz sei eine Sache für Profis, war missverständlich und hat uns – trotz guter klimapolitischer Konzepte – viel Glaubwürdigkeit in der jungen Generation gekostet.” Teutrine betont: “Lindner hätte lieber gleich den inhaltlichen Diskurs mit Fridays for Future gesucht – auf Augenhöhe.”

Gerade erst hat FDP-Chef Christian Lindner durchgesetzt, dass Generalsekretärin Linda Teuteberg durch Volker Wissing ersetzt wird. Sieht Teutrine ein Problem darin, dass mit ihm als Nachfolger von Ria Schröder das Außenbild der FDP noch stärker männlich geprägt ist? Er antwortet auf die Frage mit dem, was bei den Julis ausgeprägter Mehrheitsstandpunkt ist: “Ich finde es falsch, Menschen auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Das wird weder Linda Teuteberg oder Ria Schröder noch mir gerecht.” Deswegen lehnten die Julis Frauenquoten ab.

Braucht Kevin Kühnert einen Abschluss?

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Ein wichtiges Projekt hat Teutrine in diesem Jahr auf jeden Fall neben seinem neuen Amt. Er will sein Philosophiestudium mit dem Bachelor abschließen. Das ist ihm persönlich wichtig. Die Debatte darüber, ob einer wie Juso-Chef Kevin Kühnert ohne Abschluss Bundestagsabgeordneter werden könne, findet Teutrine aber “absurd”. Teutrine sagt: “Jeder, der sieht, wie Kühnert in Diskussionen andere argumentativ aufs Kreuz legt, weiß: Der ist natürlich schlau und erfahren genug für den Job des Politikers.” Am Ende entscheide der Wähler.

Bei seiner Bewerbungsrede auf dem Bundeskongress kündigt Teutrine an, er wolle selbst für den Bundestag kandidieren. Und er ruft möglichst viele Mitglieder der Julis auf, es ihm gleichzutun.

Ria Schröder hat nicht noch einmal für den Job der Bundesvorsitzenden der Liberalen kandidiert. © Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Hat die bisherige Juli-Chefin Ria Schröder noch einen Tipp für ihren Nachfolger Teutrine? “Zur Jobbeschreibung einer Chefin oder eines Chefs der Jungen Liberalen gehört auch, andere in der Partei mal kräftig zu nerven, wenn es wichtig ist”, sagt sie dem RND. “Der Parteivorsitzende muss sich ja nicht über jede SMS freuen.”

Eine Botschaft für Lindner und die ganze Partei formuliert Schröder auch noch in ihren Abschiedsworten auf dem Bundeskongress in Bielefeld. “Opposition ist Mist”, sagt sie – und wirbt ausdrücklich dafür, auch für eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen offen zu sein.

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