• Startseite
  • Politik
  • Jens Spahn zu Corona-Lage: „Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank“

Gesundheitsminister Spahn: „Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank“

  • Die Corona-Zahlen im Land steigen weiter – die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile bei 62,6, am Vortag waren es noch 61,7.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler haben heute in einer Pressekonferenz über die aktuellen Entwicklungen informiert.
  • Der RKI-Chef warnte vor einer Trendumkehr bei den Corona-Infektionszahlen.
Anja Gribhofer
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Während in Deutschland über weitere Öffnungen debattiert wird, steigen die Corona-Infektionszahlen wieder. Am Freitag vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 9997 Neuinfektionen binnen eines Tages – eine Steigerung von 10 Prozent zur Vorwoche. „Die Variante des Coronavirus breitet sich rasch aus und ist gefährlicher – und zwar in allen Altersgruppen,“ so RKI-Chef Lothar Wieler auf der Pressekonferenz, auf der er mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über die aktuellen Entwicklungen in der Pandemie informierte.

Spahn erklärte erste Erfolge seit Beginn der Impfkampagne: 40 Prozent der verabreichten Impfdosen wurden an über 80-Jährige verabreicht, 4,5 Prozent der Bevölkerung seien mit einer Erstimpfung versorgt worden. „Die Strategie erst die zu impfen, die am verwundbarsten sind, geht auf“, so Spahn. Weitere elf Millionen Impfdosen werden bis Ende kommender Wochen an die Länder geliefert. Der Bundesgesundheitsminister warnte, dass die Länder an die Grenzen ihrer Impfkapazitätsgrenzen kommen könnten: „Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank.“

Impfen ebne den Weg aus der Pandemie, aber es werde kein Spaziergang, so der Gesundheitsminister weiter. „Wir werden lernen müssen, mit Corona zu leben“, so Spahn. Nach den Worten des Ministers sollen so bald wie möglich auch Arztpraxen in die Impfungen einbezogen werden. Dazu liefen Gespräche mit Großhändlern, Ärzten und Apotheken, etwa über Logistik und die Vergütung, sagte Spahn.

Selbsttests können „mehr Trittsicherheit“ geben

Anzeige

Zu den neuen Corona-Selbsttests, die bald überall im Handel erhältlich sein sollen, sagte Spahn, diese könnten dem Einzelnen „mehr Trittsicherheit“ geben. Er erwarte, dass sie Teil des Alltags und zur Routine werden – etwa vor Besuchen in Restaurants oder bei Konzerten. Die PCR-Tests, also Labortests, blieben aber „der Goldstandard“. Mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch über mögliche Öffnungsschritte sagte Spahn, „Vorsicht, Impfen, Testen“ seien wichtig auf diesem Weg.

Video
Spahn: Impfkampagne zeigt Erfolge – trotzdem „noch zu viel Impfstoff im Kühlschrank“
1:57 min
In einigen Bundesländern sei bereits die Mehrheit der über 80-Jährigen geimpft, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  © Reuters
Anzeige

RKI-Chef Wieler sieht ebenfalls positive Entwicklungen. „Die Zahl der Todesfälle geht zurück, das zeigt, dass wir es gemeinsam in der Hand haben, wie sich die Pandemie entwickelt.“ Er warnte gleichzeitig vor einer dritten Welle, wenn das Virus nicht eingedämmt werde: „Die Variante des Coronavirus breitet sich rasch aus und ist gefährlicher – und zwar in allen Altersgruppen.“ Er sehe Signale einer Trendumkehr bei den Infektionszahlen und mahnte einmal mehr dazu, sich an die Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln zu halten. Wieler unterstrich zudem, dass auch der umstrittene Astrazeneca-Impfstoff vor einer Corona-Infektion schützen könne – trotz Nebenwirkungen. Es sei besser, einige Tage Fieber und Kopfschmerzen zu haben, als schwer an Corona zu erkranken. Er würde sich wenn möglich sofort mit dem Astrazeneca-Wirkstoff impfen lassen, betonte der RKI-Chef.

9997 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 9997 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind fast 10 Prozent mehr als noch vor einer Woche. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 394 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9113 Neuinfektionen und 508 neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 62,6 – und damit höher als am Vortag (61,7).

Am kommenden Mittwoch sprechen die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder über die Frage der Lockerungen in der Corona-Politik. Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich dazu bereits für flexible, lokale Lösungen ausgesprochen, gleichzeitig hält er aber an der Marke von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen als bundesweiten Richtwert fest.

Hauptstadt-Radar Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Das Robert-Koch-Institut bereits bereits einen Stufenplan erarbeitet, der vorsichtige Öffnungen mit Schutzkonzepten und Auflagen im Kultursektor und im Einzelhandel vorschlägt, wenn der Inzidenzwert zwischen 50 und 35 liegt. Lokale sollen dann aber aus Sicht des RKI weiterhin geschlossen bleiben.

RND/dpa/ag

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen