Jens Spahn und andere Politiker quetschen sich in Aufzug

  • Ein Foto von Jens Spahn und anderen hochrangigen Politikern löst breite Kritik aus.
  • Auf der Aufnahme stehen sie dicht an dicht mit Klinikmitarbeitern in einem Aufzug.
  • Spahn und die Staatskanzlei Hessen haben sich mittlerweile dafür entschuldigt – doch einigen reicht das nicht.
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Gesundheitsminister Jens Spahn ist zufrieden. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier in Wiesbaden stellt er den Deutschen ein gutes Zeugnis aus. Die Polizei meldete über die Osterfeiertage kaum Verstöße. Die Bürger hielten sich an die Regeln und wahrten den empfohlenen Mindestabstand von 1,50 Metern. Der Gesundheitsminister lieferte in Sachen Abstand und Social Distancing vor seiner Stellungnahme jedoch selbst ein Beispiel, das nun viel Kritik auslöst.

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Der Journalist Bodo Weissenborn twitterte ein Foto, das einen sehr gut gefüllten Aufzug in der Uniklinik Gießen zeigt. Abstand halten? Ratsam, aber hier nur schwer möglich. Die hochkarätige Besetzung: Jens Spahn, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Kanzleramtschef Helge Braun, Axel Wintermeyer, der Chef der hessischen Staatskanzlei, und Ärzte der Klinik. Alle Beteiligten tragen eine Schutzmaske, aber einen vollwertigen Schutz bietet diese nicht, wie sich Experten einig sind.

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Auf Twitter sorgt die Szene für ordentlich Zündstoff. “Das muss diese parlamentarische Immunität sein, von der immer die Rede ist”, schreibt ein Nutzer. Andere fordern Geldbußen für alle Beteiligten. Ein anderer schreibt: “Ich kann gar nicht so viel Luft holen, wie ich tief seufzen möchte.”

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußert sich ebenfalls kritisch: “Das Foto zeigt sehr genau, wie es nicht gemacht werden sollte. Dazu in einer Uniklinik. Uff. Hoffentlich war niemand infiziert.”

Ein anderer Nutzer treibt es auf die Spitze und wendet sich direkt an das Polizeipräsidium Mittelhessen: “Ich möchte eine Straftat melden." Auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts bestätigte Polizeisprecher Jörg Reinemer, dass dem Hinweis des Nutzers nachgegangen wird. Allerdings werde überprüft, ob “Ausnahmen vom Abstandsgebot” geltend gemacht werden können. "Vielleicht ging es in dem Moment auch nur so“, sagte Reinemer.

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Spahn reagiert: “Klar, das geht besser”

Noch während seiner Pressekonferenz mit Bouffier nimmt Spahn zu dem Twitter-Foto Stellung. „Dass es wichtig ist, Abstand zu halten, auch wenn man Mundschutz trägt, und dass das nicht immer so einfach ist, haben wir ja gerade gesehen“, meint der Gesundheitsminister.

Auf Twitter versucht er erst gar nicht, die Szene zu verharmlosen. “Ganz klar, das geht besser. Auch mit Mundschutz Abstand halten. Und das nächste Mal einfach die Treppe nehmen”, kommentierte er den Post von Weissenborn.

Auch die Staatskanzlei Hessen hat mittlerweile eine Stellungnahme abgegeben: „Da muss man nicht groß drum herum reden: Das hätte nicht passieren dürfen. Auch wenn alle Mundschutz tragen … in diesem Aufzug stehen zu viele Menschen.“

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Spahn hatte am Dienstagvormittag das Uniklinikum in Gießen besucht und sich über die Situation im Gesundheitswesen angesichts der Corona-Krise informiert. Der Bundesgesundheitsminister sprach unter anderem mit einer Medizinstudentin, die sich am Eingang der Klinik um Coronavirus-Verdachtsfälle kümmert, sowie mit einem Arzt und einer Krankenschwester vor der Intensivstation. An dem Uniklinikum werden nach Angaben eines Sprechers derzeit 18 Covid-19-Patienten behandelt.

RND

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