Durchgängig 2G-Regeln? Spahn bringt lange Einschränkungen für Ungeimpfte ins Spiel

  • Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist skeptisch, was eine allgemeine verpflichtende Impfung angeht.
  • Doch er stellt lange Einschränkungen für Ungeimpfte zur Diskussion.
  • Mit Blick auf die Verlegung von Intensivpatienten durch die Luftwaffe hofft Spahn auf einen „Weckruf“, sich impfen zu lassen.
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Berlin. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der Corona-Pandemie lange Einschränkungen für Ungeimpfte ins Spiel gebracht. Der CDU-Politiker sagte, er sei grundsätzlich skeptisch, was eine allgemeine verpflichtende Impfung angehe. Eine Alternative, die zu diskutieren sei, sei durchgängig 2G für alle Lebensbereiche, also Zugang nur noch für Geimpfte und Genesene.

Es könnte zu einer Ansage kommen: „Stellt euch darauf ein, 2G, geimpft oder genesen, und zwar auffrischgeimpft dann ab einem Punkt x, gilt mindestens mal das ganze Jahr 2022. Wenn du irgendwie mehr tun willst, als dein Rathaus oder deinen Supermarkt besuchen, dann musst du geimpft sein.“ Dies wäre eine ziemlich klare Ansage.

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Das sei eine Option, die besprochen werden müsse. „Wir sehen ja alle, was los ist in diesem Land, weil elf Millionen Erwachsene sich noch nicht haben überzeugen lassen. Und darunter leiden jetzt alle“, sagte Spahn. Deutschland sei wahrscheinlich in der „schwersten“ und „dramatischsten“ Zeit dieser Pandemie. Man müsse nur den Blick richten nach Sachsen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg und in viele Kliniken. Die Welle werde weiter gen Westen gehen. Die Frage sei, wie hoch die Welle werde. „Das haben wir in der Hand.“

Spahn hofft auf „Weckruf“

Man müsse sich einmal vorstellen, was es bedeute, dass die Luftwaffe Patienten von einer Klinik zur anderen fliege – das sorge hoffentlich bei vielen noch einmal für einen „Weckruf“, sich impfen zu lassen, sagte Spahn am Samstag in Berlin bei einem virtuellen Bürgerdialog. Die Luftwaffe der Bundeswehr hatte sich am Freitag erstmals an der Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands beteiligt.

Bei den Erstimpfungen gibt es laut Spahn aber eine neue Dynamik. In der vergangenen Woche habe es 450.000 Erstimpfungen gegeben, wobei dies bei Weitem noch nicht ausreiche, wie er deutlich machte.

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte zu einer eine allgemeinen Impfpflicht, wenn man es nicht schaffe, einen großen Teil der Bevölkerung zu impfen, sei dies „auf jeden Fall eine Option“, über die man dann nachdenken sollte. Deutschland sei in einer Notsituation. Die Impfung sei der Weg heraus. „Man sollte in einer Krisensituation einfach nichts prinzipiell ausschließen.“

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Die Verbreitung einer neuen Supervariante in Südafrika bereitet zusätzliche Sorgen. Gesundheitsminister Spahn erklärt das Land zum Virusvariantengebiet.  © dpa-Video
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Wieler wirbt für Kontaktverringerung

RKI-Chef Wieler, sagte, um die vierte Welle zu brechen, sei es wesentlich, Kontakte zu verringern. Großveranstaltungen dürften nicht stattfinden. Die Impflücke müsse schnell geschlossen werden. Der Anteil der Ungeimpften sei einfach zu hoch. Wieler betonte außerdem die Bedeutung der Booster-Impfung. „Wir wissen genau, was getan werden muss, lassen Sie es uns einfach tun.“

Gerade bei der zellulären Immunität sei er sehr optimistisch, dass sie auch bei Omikron greife – und das sei die, die den Körper schütze, wenn das Virus in die Lunge eindringe und dort zu schwerem Lungenversagen führen könnte. „Darum sind wir optimistisch, dass wir mit so einer neuen Variante nicht bei null anfangen.“

Mit Blick auf die Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe bei der neuen Corona-Variante Omikron betonte Wieler bei dem virtuellen Bürgerdialog: „Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben.“ Sie hätten auf jeden Fall schon einen gewissen Impfschutz, das sei entscheidend zu wissen.

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Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Angaben des hessischen Sozialministers Klose „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ in Deutschland angekommen.  © dpa
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Zwar gebe es bei Omikron viele Veränderungen an Stellen, an denen gerade die besten Antikörper binden können, sagte Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité Berlin. „Aber unser Körper bildet eine Unmenge an verschiedenen Antikörpern.“ Hinzu kämen spezielle Zellen der Immunabwehr, die in der Regel ganz andere Stellen erkennen als die Antikörper. „Also wir haben immer ein Netz und einen doppelten Boden.“

Das Level an Immunität könne durch die Booster-Impfungen generell noch einmal sehr stark angehoben werden – was auch gegen Varianten helfe, führte der Infektionsimmunologe weiter aus. „Die Booster bleiben wichtig, gerade auch bei den Varianten.“ Für eine genaue Einschätzung speziell zu Omikron fehlten bislang noch Daten – noch sei daher auch unklar, ob eine Anpassung der Impfstoffe nötig werde.

RND/dpa

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