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Jeder nur (k)einen Test

Die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheits­minister Karl Lauterbach (SPD) wollen nur noch „priorisiert“ PCR-Tests durchführen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

heute ist es genau zwei Jahre her, als in Wuhan der weltweit erste Lockdown verhängt wurde. Während Europa mit der Omikron-Welle kämpft, erinnert in der chinesischen Millionenstadt nur noch wenig an die Pandemie. Corona ist in weiten Teilen des Landes – wenn auch staatlich angeordnet – ein Heldenepos vergangener Tage. Öffentliche Kritik am Pandemiemanagement der Volksrepublik trauen sich sehr wenige Menschen zu äußern. Viele Chinesinnen und Chinesen begrüßen das kollektive Vergessen, obwohl es genug gesellschaftliche Traumata gibt, berichtet unser China-Korrespondent Fabian Kretschmer.

Mit Blick auf die Situation in Deutschland kann man das ein Stück weit nachvollziehen. All die zögerlichen Entscheidungen, bürokratischen Ärgernisse und (für mich) überraschenden Unzulänglichkeiten eines hochmodernen Staates einfach vergessen, das wäre schön.

Träumen fällt aktuell schwer, zu real sind unsere Probleme. Die Sicht auf das Infektionsgeschehen in Deutschland ist noch immer, zwei Jahre nach Beginn der Pandemie, trüb. Waren es zur Jahreswende große Datenlücken, verhindert nun ein eklatanter Mangel an PCR-Tests und Testkapazitäten eine glasklare Sicht auf die Corona-Lage. Dass die Ressourcen völlig erschöpft sind, zeigen die Ergebnisse der gestrigen Gesundheitsminister­konferenz.

  • Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Deutschland sollen nicht mehr alle per Schnelltest positiv Getesteten einen PCR-Test bekommen. Vulnerable Gruppen und Klinikpersonal sollen priorisiert werden.
  • Die Ministerinnen und Minister beschlossen außerdem eine Konzentration der Kontaktnachverfolgung auf Bereiche mit besonders gefährdeten Gruppen.

Ein Blick ins kleine Österreich verdeutlicht, wie sehr die deutsche Teststrategie hinterherhinkt. Allein Wien testet mehr Menschen täglich als die gut 40-mal größere Bundesrepublik Deutschland. Und das noch dazu kostenlos. Besonders niedrigschwellig ist die Kampagne „Alles gurgelt“ in Wien und Oberösterreich: Hier können PCR-Tests zu Hause durchgeführt und im Supermarkt zur Sequenzierung abgegeben werden. Die österreichische Hauptstadt teilte auf Twitter mit, dass sie in der Lage sei, täglich 800.000 PCR-Tests auszuwerten. Für die zweite Januarwoche gab das RKI eine tägliche Testkapazität von 391.000 an.

Und wenn wir es jetzt einfach wie Österreich machen? Testen, testen, testen? Dafür, da sind sich Fachleute einig, ist es zu spät. Das Personal ist einfach nicht da.

Österreich entschied sich für ein dichtes Netz an kostenlosen PCR-Tests, Deutschland setzte auf Kontaktnachverfolgungen von überforderten Gesundheitsämtern. Und wenn es nach den Gesundheitsministerinnen und ‑ministern der Länder geht, soll das, was bisher kaum funktioniert hat, nur noch eingeschränkt möglich sein.

Der Sieben-Tage-Inzidenz wird somit die Aussagekraft entzogen. Wer nicht testet, kann keine Infektionen feststellen. Modellierer warnen vor einer bald erreichten Höchstinzidenz. Alles, was danach kommt, ist ein reiner Blindflug.

Zitat des Tages: Ukraine-Krise spitzt sich zu

Wir drücken unsere tiefe Enttäuschung anlässlich der Position der Regierung Deutschlands über die Nichtgewährung von Verteidigungswaffen an die Ukraine aus.

Mitteilung des ukrainischen Außenministeriums

Während die USA bereits tonnenweise Munition „für die Frontverteidigung“ in die Ukraine fliegen lassen, bleibt Deutschland bei seinem Nein zu Waffenlieferungen. Die Misstöne in der Ukraine mehren sich. Das ukrainische Außenministerium hat die deutsche Botschafterin, Anka Feldhusen, nun sogar wegen umstrittener Äußerungen eines deutschen Militärs einberufen.

Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach.

Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach.

Der deutsche Marinechef, Kay-Achim Schönbach, ist mittlerweile auf eigenen Wunsch zurückgetreten. Schönbach sagte zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine: „Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nicht zurückkommen.“ Zudem äußerte der Vizeadmiral Verständnis für Putin: „Was er wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und – mein Gott – jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also würde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert – und den er vermutlich auch verdient.“

Die „Bild“-Zeitung berichtet derweil, dass das Auswärtige Amt „an einem Evakuierungsplan für die Angehörigen der Deutschen Botschaftsmitarbeiter in der Ukraine“ arbeite. Auch US-Medien meldeten, dass die Vereinigten Staaten ab Montag Botschaftspersonal aus Kiew abziehen wollen. Sowohl das Auswärtige Amt als auch das US-Verteidigungsministerium dementierten die Berichterstattung.

Viele Expertinnen und Experten sind sich einig, dass ein Einmarsch Russlands in die Ukraine kurz bevorstehen könnte, wie auch RND-Chefautor Matthias Koch jüngst eindrücklich skizzierte.

Leseempfehlungen

Wenn Merz die Tränen kommen: Im dritten Anlauf wird Friedrich Merz zum CDU-Chef gewählt – der ist zu Tränen gerührt. In der Parteiführung sind einige seiner Widersacher nicht mehr vertreten. Kurz nach seiner Wahl beginnt die nächste Personaldebatte – um den Fraktionsvorsitz, berichtet Berlin-Korrespondentin Daniela Vates.

Ruinen moderner Großveranstaltungen: Die Fußball-WM und die Olympischen Sommerspiele sollten ein modernes Brasilien zeigen. Doch die Großevents sind vor allem ein Lehrstück für Korruption und Misswirtschaft – sie haben Bauruinen und gesellschaftliche Wunden hinterlassen, berichtet Südamerika-Korrespondent Tobias Käufer.

Aus unserem Netzwerk

Gut 40 Kilometer östlich von Leipzig liegt das kleine Mark Schönstädt. 135 Menschen wohnen hier. Bislang. Denn nun wurden der Siedlung von der Gemeinde 57 Flüchtlinge zugewiesen. Mein Kollege Josa Mania-Schlegel von der „Leipziger Volkszeitung“ hat sich in dem Ort umgehört und ist auf ratlose Einwohner getroffen. Nicht aus Ablehnung den Neuankömmlingen gegenüber – sondern weil der Siedlung die nötigen Strukturen fehlen.

Termine des Tages

Nordzypern wählt neues Parlament: Menschen in der international nicht anerkannten Republik Nordzypern sind am Sonntag dazu aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Zu der Abstimmung um die 50 Sitze treten rund 400 Kandidaten aus acht Parteien sowie drei unabhängige Kandidaten an. In Umfragen liegt die Nationale Einheitspartei (UBP) von Präsident Ersin Tatar vorn.

Das Hahnenkamm-Rennen: In Kitzbühel sind die Abfahrer an diesem Sonntag schon wieder auf der legendären Streif gefordert. Einmal mehr ist der Norweger Aleksander Aamodt Kilde der große Favorit. Das deutsche Alpinquintett will es dann besser machen als beim ersten Rennen am Freitag und es in die Top Ten schaffen. Für die Skispringer steht im Schwarzwald der zweite Wettkampf des Wochenendes auf dem Programm.

Bundesliga: Der FC Bayern München will zum Abschluss des 20. Spieltags in der Fußball-Bundesliga den alten Abstand zu Borussia Dortmund wiederherstellen. Der deutsche Meister und Tabellenführer tritt im zweiten Sonntagsspiel (17.30 Uhr) bei Hertha BSC an.

Wer heute wichtig wird

Gestern, jetzt und in Zukunft: Auch heute wird medizinisches Personal wieder Leben retten, verbessern und verlängern. An einem Sonntag, an dem die Mehrheit der Deutschen freihat.

Gestern, jetzt und in Zukunft: Auch heute wird medizinisches Personal wieder Leben retten, verbessern und verlängern. An einem Sonntag, an dem die Mehrheit der Deutschen freihat.

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Ihr Alexander Krenn

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