Jede vierte Frau bekommt nur Mindestbetrag bei Elterngeld

  • 25 Prozent aller Mütter erhalten nur den Mindestbetrag des Basiselterngeldes von 300 Euro oder 150 Euro beim Elterngeld plus.
  • Die Linken-Bundestagsabgeordnete Katrin Werner fordert eine Anhebung um 50 Euro.
  • Deutliche Unterschiede gibt es bei den Leistungsbeziehern zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Ost und West.
Juliane Schultz
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Berlin. Jede vierte Mutter, die Elterngeld bezieht, erhält lediglich den Mindestbetrag. Dieser liegt bei 300 Euro für das Basiselterngeld und beim Elterngeld plus bei 150 Euro im Monat. Betroffen davon sind etwa 352.000 Frauen in Deutschland. Unter den Vätern ist es jeder zwölfte, der lediglich den Mindestbetrag erhält. Das geht aus der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Ein deutlicher Unterschied zeichnet sich laut Ministerium bei den Leistungsbezieherinnen zwischen Ost und West ab: In den alten Ländern ist der Anteil an Frauen, die lediglich den Mindestbetrag des Basiselterngeldes bezogen haben, deutlich größer. In Bremen ist er mit 35 Prozent am höchsten, es folgen das Saarland (31 Prozent), Hessen (28 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (28 Prozent). Am geringsten ist der Anteil in Thüringen (16 Prozent) sowie Sachsen und Brandenburg (je 17 Prozent).

Der Mindestbetrag beim Elterngeld, den Eltern ohne oder mit geringem Einkommen erhalten, ist seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 nicht erhöht worden. Katrin Werner, familienpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, kritisiert das: “Allein um die Inflation auszugleichen, müsste der Mindestbetrag beim Elterngeld um 50 Euro und beim Elterngeld plus um 25 Euro angehoben werden.” Um insbesondere Mütter und Familien mit geringem Einkommen zu unterstützen, müsse der Mindestbetrag beim Elterngeld auf 400 Euro und beim Elterngeld plus auf 200 Euro angehoben werden.

“Elterngeld diskriminiert Mütter und Familien mit geringem Einkommen”

Gleichzeitig fordert Werner: “Es muss endlich eine jährliche Anpassung des Mindestbetrags an die Inflationsentwicklung ins Gesetz aufgenommen werden.” Durch die Inflation sei der Mindestbetrag mit jedem Jahr weniger wert, sagt Werner. “Gegenwärtig diskriminiert das Elterngeld Mütter und Familien mit geringem Einkommen.”

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Insgesamt ist der Anteil von Geringverdienern unter den Elterngeldbeziehern hoch, schreibt das Familienministerium: Fast drei von vier Frauen, die 2019 Elterngeld bezogen haben, erhielten weniger als 1000 Euro im Monat. Auch hier liegen die westdeutschen Bundesländer vorn. Unter den Männern lagen lediglich 31 Prozent unter dieser Grenze.

“Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen kann man an Zahlen zum Elterngeld ablesen”

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“Die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche und gleichwertige Arbeit kann man auch an den Zahlen zum Elterngeld ablesen”, sagt Werner. Es sei dringend notwendig, Berufe, in denen vor allem Frauen tätig sind, zum Beispiel in der Pflege, der Erziehung oder im Einzelhandel, gesellschaftlich aufzuwerten. “Ein Mindestlohn von 12 Euro die Stunde und ein Gesetz, das Lohngleichheit für gleiche und gleichwertige Arbeit durchsetzt, wären ein Anfang.”

Aus dem Schreiben geht zudem hervor, dass Frauen durchschnittlich 14,3 Monate Elterngeld beziehen, Männer nur 3,7. Von einer Regelung für die Zeit der Corona-Pandemie, durch die Eltern in systemrelevanten Berufen ihre Elterngeldmonate verschieben können, machen indes nur wenige Eltern Gebrauch. Bundesweit haben nur 288 Elternteile einen Antrag auf Verschiebung gestellt. 86 Prozent davon sind Väter.

Werner mahnt deshalb: “Wir müssen verhindern, dass sich die alte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern verfestigt.” Es sei an der Zeit, das Elterngeld auf mehr Partnerschaftlichkeit auszurichten, um eine gerechtere Aufteilung von Haus-, Sorge- und Erziehungsarbeit zwischen den Geschlechtern zu erreichen. “Das Elterngeld sollte zwölf Monate für jedes Elternteil gezahlt werden, und diese dürfen nicht übertragbar sein”, fordert die Linke. Für Alleinerziehende müsse es zudem einen Anspruch auf 24 Monate Elterngeld geben.

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