Furcht vor erneuter Gewalt: Wieder Unruhen in Jerusalemer Brennpunktviertel

  • Die Spannungen im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah gelten als einer der Auslöser für den elftägigen Gazakrieg im Mai.
  • In der Nacht zu Dienstag kam es erneut zu Konflikten zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern.
  • Von wem die Gewalt ausging, war zunächst unklar.
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Jerusalem. Im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah ist es zu neuen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern gekommen. Beide Seiten hätten sich in der Nacht zum Dienstag mit Steinen, Stühlen und Feuerwerkskörpern beworfen, teilten die Behörden mit.

Der Notfalldienst des Roten Halbmonds berichtete, Einsatzkräfte hätten 20 Palästinenser behandelt, darunter 16, die Pfefferspray und Tränengas abbekommen hätten. Andere seien von Gummigeschossen verletzt worden. Ein älterer Mann erlitt eine Kopfverletzung. Laut Polizei wurde eine weitere Frau verletzt, als von einem Stein am Rücken getroffen wurde.

Zwangsräumungen von Palästinensern

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Siedler hätten auch Steine auf einen der Krankenwagen geschleudert, teilte der Rote Halbmond weiter mit. Zudem hätten israelische Truppen einen zweiten Rettungswagen mit einer stinkenden Substanz besprüht. Die israelische Polizei und Grenzbeamte nahmen nach eigenen Angaben vier Verdächtige fest. Von wem die Gewalt ausging, war zunächst unklar.

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Israel greift erstmals seit Waffenruhe wieder Gazastreifen an
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Erstmals seit der Waffenruhe mit der Hamas im Mai hat Israel wieder Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen. Vorausgegangen waren gegenseitige Provokationen.  © Reuters

In Scheich Dscharrah streben jüdische Siedlergruppen Zwangsräumungen von etlichen palästinensischen Familien an. Die Spannungen gelten als einer der Auslöser für den elftägigen Gazakrieg im vergangenen Monat. Am 21. Mai trat zwar eine Waffenruhe in Kraft, doch die Versuche von Zwangsräumungen gehen weiter.

Die anhaltenden Unruhen gelten als Nagelprobe für die erst eine Woche alte neue israelische Regierung unter Ministerpräsident Naftali Bennett. Seinem breiten Bündnis gehören drei Parteien an, die sich für Siedler einsetzen. Zugleich ist die neue Regierung bemüht, aus Sorge vor internen Spannungen den Konflikt mit den Palästinensern in den Hintergrund treten zu lassen und Eintracht zu demonstrieren.

RND/AP

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