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Mindestens zehn Tote

Nahostkonflikt eskaliert: Israel und Palästina befeuern sich gegenseitig

Rauch und Feuer sind in Israel zu sehen.

Tel Aviv. Die Gewalt in Nahost ist erneut eskaliert. Nach der gezielten Tötung eines militanten Palästinenserführers und mehreren israelischen Luftangriffen im Gazastreifen hagelt es Raketen auf Israel. In mehreren Städten im Süden waren am Samstag Warnsirenen zu hören. Berichten aus Gaza zufolge soll es erste Vermittlungsversuche von Ägypten, den Vereinten Nationen und Katar geben.

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Rund 190 Raketen seien seit Freitag von militanten Palästinensern auf Israel abgefeuert worden, teilte das israelische Militär am Samstag mit. Sie gingen demnach auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. Rund 36 Raketen seien noch innerhalb des Gazastreifens zu Boden gegangen. Mehrere Städte, darunter auch die Küstenstadt Tel Aviv, öffneten aus Sorge vor weiteren Attacken öffentliche Luftschutzräume.

Gewalt im Gazastreifen hält zweiten Tag an

Im Gazastreifen hat die schwerste Gewalteskalation zwischen Israel und Palästinensern seit mehr als einem Jahr den zweiten Tag in Folge angehalten.

Israels Streitkräfte töteten Dschihad-Militärchef im Gazastreifen

Israels Streitkräfte hatten am Freitag eine großangelegte Militäraktion gegen die extremistische Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad (PIJ) begonnen. Bei Luftangriffen im Gazastreifen wurde Militärchef Taisir al-Dschabari gezielt getötet. Der hochrangige Kommandeur war dem Militär zufolge verantwortlich für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten.

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Bei dem Einsatz starben nach palästinensischen Angaben seit Freitag mindestens 15 Menschen, darunter neben Al-Dschabari ein fünfjähriges Kind und weitere PIJ-Mitglieder. 125 Menschen seien verletzt worden. Auch die israelischen Angriffe gingen am Samstag weiter.

Kraftwerk in Gaza wegen Treibstoffmangel vorübergehend abgeschaltet

Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen ist nach palästinensischen Angaben wegen Treibstoffmangels vorübergehend abgeschaltet worden. „Aufgrund der gegenwärtigen Umstände und dem fehlenden Treibstoff wurde das Kraftwerk abgeschaltet“, teilte die Stromgesellschaft am Samstag in Gaza mit. Die Stromversorgung in dem Palästinensergebiet werde deshalb von bisher zwölf auf vier Stunden reduziert. Aus Angst vor Angriffen nach der Festnahme eines militanten Palästinenserführers hatte Israel die Einfuhr von Treibstoff in das Gebiet am Montag gestoppt.

Ein Beamter der Stromgesellschaft teilte mit, die Abschaltung des Kraftwerks führe zu einer „katastrophalen Situation“ im Gazastreifen. Das Gebiet habe schon zuvor unter zu geringen Strommengen gelitten. Demnach seien täglich rund 550 Megawatt Strom notwendig, um die Bedürfnisse der rund zwei Millionen Einwohner abzudecken. Zuletzt seien jedoch nur 180 Megawatt verfügbar gewesen.

Israel feuert auch am Samstag weiter auf Ziele im Gaza-Streifen.

Israel feuert auch am Samstag weiter auf Ziele im Gaza-Streifen.

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Das israelische Militär teilte mit, neben Militärposten seien zwei Waffenproduktionsstätten sowie sechs Raketenabschussanlagen angegriffen worden. Zudem sei es im Westjordanland in der Nacht zu 20 Festnahmen gekommen, davon standen den Angaben nach 19 in Verbindung mit dem Islamischen Dschihad.

Die Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Er ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden und nach der Hamas die zweitstärkste militärische Kraft in dem Küstenstreifen.

Israels Streitkräfte stellen sich auf längeren Einsatz ein

„Die Kämpfer des Islamischen Dschihad sind bereit, den Krieg fortzusetzen“, teilte die militante Organisation Medienberichten zufolge am Samstag mit. Allein 60 Raketen seien seit Samstagmorgen auf Israel abgefeuert worden. Sie zielten demnach auch auf den internationalen Flughafen Ben-Gurion im Zentrum Israels.

Israels Armee stellt sich derweil auf einen längeren Einsatz ein. „Das Militär ist auf eine einwöchige operative Tätigkeit vorbereitet, entsprechend der Anweisung der politischen Ebene und des Generalstabschefs“, teilte das Militär mit. Ministerpräsident Jair Lapid sagte am Freitag: „Israel ist nicht an einer breiten Operation im Gazastreifen interessiert, hat aber auch keine Angst vor ihr“. Am Samstagabend wurde eine Sitzung des Sicherheitskabinett einberufen.

Die israelischen Bombardements hinterlassen im Gaza-Streifen große Schäden.

Die israelischen Bombardements hinterlassen im Gaza-Streifen große Schäden.

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2019 hatte Israel auch den Vorgänger von Al-Dschabari, Dschihad-Militärchef Baha Abu al-Ata, gezielt getötet. Damals folgten massive Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf israelische Orte und Gegenangriffe der israelischen Luftwaffe in dem Küstenstreifen. Nach einigen Tagen konnte mit Hilfe von Unterhändlern Ägyptens und der Vereinten Nationen eine Waffenruhe vereinbart werden.

Israel: Es gab konkrete Angriffspläne

Der Eskalation voran gegangen war die Festnahme eines Anführers des Islamischen Dschihads im Westjordanland, Bassem Saadi, am Montag. Israel sperrte über mehrere Tage hinweg Gebiete am Rande des Küstenstreifens ab und erhöhte die Alarmbereitschaft. Berichten zufolge soll es konkrete Pläne eines Angriffs auf israelische Zivilisten gegeben haben.

Israels Streitkräfte hatten sich bereits im vergangenen Jahr einen elftägigen Konflikt mit militanten Palästinensern im Gazastreifen geliefert. Nach palästinensischen Angaben starben damals 255 Menschen, in Israel kamen nach israelischen Behördenangaben 13 Menschen ums Leben. Mehr als 4000 Raketen wurde nach israelischen Angaben auf Israel aus dem Gazastreifen abgefeuert. Ägypten vermittelte schließlich eine Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas.

Während des Sechstagekrieges 1967 hatte Israel unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die Macht an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Gebiets, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Staaten begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen.

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RND/dpa

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