Journalisten fühlen sich vom israelischen Militär manipuliert
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Trümmer im Gazastreifen nach einem israelischen Luftangriff. Das israelische Militär hatte Nachrichten über eine Bodenoffensive verbreitet. Viele Journalisten fühlen sich manipuliert.
© Quelle: imago images/ZUMA Wire
Jerusalem. Am frühen Freitagmorgen, kurz nach Mitternacht, gab das israelische Militär eine ominöse Erklärung an die Medien heraus: „Luft- und Bodentruppen greifen derzeit im Gazastreifen an“. Die knappe Stellungnahme löste wilde Spekulationen aus, dass Israel eine Bodenoffensive im Gazastreifen gestartet habe – ein gefürchtetes Szenario, das eine blutige Eskalation der Einsätze gegen die Kämpfer der militant islamistische Hamas bedeutet hätte. Einigen Reportern wurde sogar ganz unverblümt gesagt, dass die Invasion begonnen habe.
Israelische Bodenoffensiven waren bei früheren Kämpfen jedoch für beide Seiten sehr verlustreich gewesen. Und Stunden später erklärte das Militär dann auch, es müsse da etwas „klarstellen“: Im Gazastreifen befänden sich gar keine Truppen. Allerdings da hatten schon zahlreiche Medien fälschlicherweise berichtet, Israel habe im Gazastreifen eine Bodenoffensive begonnen.
Die Armee versuchte, das Ganze als Missverständnis herunterzuspielen. Doch gut aufgestellte Militärkommentatoren sagten, die Medien seien dazu benutzt worden, um Hamas-Kämpfer in eine tödliche Falle zu locken. Israel führte am Freitag nämlich mit Artillerie und Luftwaffe einen gewaltigen Militärschlag gegen ein weit verzweigtes Tunnelsystem der Hamas, das deren Kämpfern bei Bodenkämpfen Schutz bieten sollte.
„Es war eine Manipulation“
„Sie haben nicht gelogen“, sagte der altgediente Militärkorrespondent des israelischen Fernsehsenders Channel 13, Or Heller. „Es war eine Manipulation. Es war gerissen und erfolgreich.“
Abgelaufen ist die Sache wohl so: Nach tagelangen Luftangriffen gab Israel am Donnerstagabend bekannt, dass es Tausende von Reservisten einberufen und Truppen entlang der Grenze im Vorfeld einer möglichen Bodeninvasion aufstellen werde. In einem weiteren Zeichen der Eskalation eröffneten israelische Panzer, die entlang der Grenze stationiert waren, das Feuer auf Ziele im Gazastreifen.
Das bereitete die Bühne für die Täuschung in der späten Nacht. Laut Heller begann Israel damit, seine Streitkräfte entlang der Grenze zu sammeln, was aussah wie die letzten Vorbereitungen für eine Invasion. Dann kam die Ankündigung an die Medien, die gleichzeitig auf Hebräisch und Arabisch auf Twitter veröffentlicht wurde. Es folgten Eilmeldungen in großen Medien, dass die Invasion im Gange sei.
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© Quelle: Reuters
Das alles veranlasste die Hamas-Kämpfer, sich in Verteidigungspositionen in ihrem Tunnelnetzwerk namens Metro zurückzuziehen, wie Heller und andere israelische Medien berichteten. Israel jedoch schickte keine Bodentruppen in den Gazastreifen, sondern setzte 160 Kampfflugzeuge ein und bombardierte die Tunnel 40 Minuten lang, wie das Militär erklärte. Dabei wurden 80 Tonnen Sprengstoff eingesetzt. Die sonst üblichen Vorwarnungen an Zivilisten seien diesmal „nicht machbar“ gewesen, sagte Militärsprecher Jonathan Conricus.
Heller geht davon aus, dass bei der Aktion zahlreiche Hamas-Kämpfer getötet worden sind, obwohl er das nicht genau sagen könne. „Was wir heute Abend gesehen haben, war eine sehr ausgeklügelte Operation, die auch einen Medienaspekt hatte“, sagte Heller. Die Hamas hat sich nicht zu dem Vorfall geäußert und bestätigt werden konnten die israelischen Berichte nicht.
Kritik von Journalisten: Militär hat gelogen
Heller sagte, altgediente israelische Korrespondenten mit engen Verbindungen zum Militär hätten gewusst, dass Israel zu diesem Zeitpunkt auf gar keinen Fall Truppen über die feindlichen Linien schicken würde. Er und andere Militärkorrespondenten twitterten sogar Erklärungen, in der sie der nervösen Öffentlichkeit versicherten, dass es keine Bodenoperation gebe. Die Nachrichtenagentur AP kam nach einer Analyse der Erklärung des Militärs, eigener Telefonate mit Militärbeamten und der Berichterstattung vor Ort in Gaza zu dem Schluss, dass es keinen Bodenangriff gebe und berichtete deshalb nicht über einen solchen.
Andere Journalisten kritisierten, das Militär habe sie in die Irre geführt oder sogar gelogen, als sie um eine Klarstellung gebeten hätten. Das habe ausländische Medien zu einer Art Komplizen gemacht. Felicia Schwartz, Korrespondentin des „Wall Street Journals“, sagte, Conricus habe ihr ausdrücklich bestätigt, dass eine Bodenoffensive im Gang sei, was sie dann auch so gemeldet habe. Conricus „sagte mir direkt: ‚Es gibt Bodentruppen in Gaza.‘ Das war die Grundlage für eine erste Geschichte, die das berichtete. Er zog diese Aussage zwei Stunden später zurück und ich änderte die Geschichte, um das widerzuspiegeln“, twitterte Schwartz.
Conricus sprach am Freitag gegenüber Reportern von einer „internen Fehlkommunikation“ beim Militär. „Diese Dinge können manchmal vorkommen inmitten einer komplexen Operation mit vielen beweglichen Teilen und mit einem unklaren Bild von dem, was passiert, sagte er. „Sobald ich verstanden hatte, dass ich die falschen Informationen hatte, habe ich die relevanten Leute mit einer Klarstellung auf den aktuellen Stand gebracht.“
Der Jerusalem-Korrespondent des öffentlich-rechtlichen US-Radiosenders NPR, Daniel Estin, hat da allerdings noch Fragen. Auch er bekam vom Militär gesagt, im Gazastreifen laufe eine Invasion. „Wenn sie uns benutzt haben, ist das inakzeptabel“, sagt Estin. „Und wenn nicht, was ist dann passiert? Und warum haben die israelischen Medien weithin berichtet, dass wir übertölpelt worden sind?“
Weltweit arbeitet das Militär mit Tricks
Nun arbeiten Militärs auf der ganzen Welt seit Langem mit Tricks und Täuschungen. Vor zwei Jahren etwa gaukelte das israelische Militär Berichten zufolge vor, bei einem Raketenangriff der schiitischen Hisbollah-Miliz seien Soldaten verletzt worden. Es ließ sie sogar mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus fliegen. Nach damaligen Berichten inszenierte die Armee das Ganze, um der Hisbollah weiszumachen, sie habe Israel Verluste zugefügt, damit die Miliz im Gefühl des Erfolges einem Waffenstillstand zustimmt.
Die irreführende Erklärung vom Freitag belastet das oft schwierige Verhältnis zwischen dem israelischen Militär und ausländischen Medien weiter. Der frühere Militärsprecher Peter Lerner sagt, die israelische Öffentlichkeit habe ganz allgemein seit Langem das Gefühl, die internationalen Medien konzentrierten sich zu sehr auf die palästinensische Seite der Geschichte und spielten Leid und Bedenken auf israelischer Seite eher herunter. Die Armee sehe das ähnlich.
Lerner sagt, er halte es für unwahrscheinlich, dass das Militär absichtlich gelogen hat, trotzdem habe sie Schaden angerichtet. In der Öffentlichkeitsarbeit sei Glaubwürdigkeit eine Währung „Ich denke, so wie das dargestellt wird, ist es eine Krise dieser Glaubwürdigkeit“, sagt Lerner.
RND/AP
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