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Israel: Die Waffenruhe kann nur der Anfang sein

Eine israelische Artillerieeinheit feuert auf Ziele im Gazastreifen.

Eine israelische Artillerieeinheit feuert auf Ziele im Gazastreifen.

Berlin. Endlich sollen die Waffen schweigen. Ab heute soll es keine Raketen mehr aus dem Gazastreifen auf israelische Städte geben, keine Gegenangriffe der israelischen Luftwaffe mehr, keine Toten, keine Verletzten, keine heulenden Sirenen, keine Angst. Das ist das Mindeste, und das ist die Voraussetzung für alles Weitere.

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Nach anderthalb quälenden Wochen haben sich die Konfliktparteien im Nahen Osten gestern endlich darauf geeinigt. Es war höchste Zeit.

Vielleicht hat der Druck der USA, des wichtigsten Verbündeten Israels, etwas bewegt. Vielleicht hat es sich ausgezahlt, dass der neue US-Präsident Joe Biden in der Nahostpolitik zwar nicht viel änderte, aber Hilfszahlungen an die Palästinenser wieder aufnahm.

Nach Waffenruhe mit Israel: Tausende Menschen feiern in Gaza

Nach dem brutalen Schlagabtausch zwischen militanten Palästinensern und Israel schweigen die Waffen.

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Vielleicht waren die Verluste der Hamas zu groß – das israelische Militär nimmt für sich in Anspruch, wesentliche Infrastruktur der Organisation zerstört zu haben.

Militärische Atempause ist wichtiger Schritt

Vielleicht definieren beide Seiten ihr Ziel als erreicht: Die Hamas hat mit raketenbewehrtem Zynismus im inner­palästi­nensi­schen Machtkampf die Schwäche der Fatah um den Chef der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, demonstriert.

Die israelische Regierung unter dem noch um eine neue Koalition ringenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hat das deutliche Signal gegeben, sich nichts gefallen zu lassen.

Der Grund für diese Waffenruhe ist fast egal. Wichtig ist, dass sie endlich da ist: Gewalt kann nötig sein zur Selbstverteidigung, aber meistens und vor allem auf Dauer ist sie ein schlechter Ratgeber.

Eine militärische Atempause allerdings ist erst der Anfang.

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Es wäre falsch, darauf zu setzen, dass sich nun schon alles wieder irgendwie einpendeln wird in der üblichen fragilen Anspannung. Zahlreiche Anläufe zur Aussöhnung hat es bereits gegeben, der Zwei-Staaten-Plan hat mittlerweile Jahrzehnte auf dem Buckel und scheint gerade unrealistischer denn je zu sein.

Die hochproblematische israelische Siedlungspolitik trägt dazu bei, der Terror der Hamas ist ohne Rechtfertigung. Radikale Siedler schreien „Tod den Arabern“, arabische Jugendliche greifen Juden an.

Die Komplexität des Konflikts, das Knäuel von Misstrauen und zum Teil innig gepflegter Feindschaften, scheint international Ratlosigkeit und Lethargie hinterlassen zu haben.

Was Hoffnung macht

Dennoch: Es muss jetzt einen neuen Anlauf geben. Es müssen all jene eine Stimme bekommen, die auf friedliche Koexistenz setzen. Auch die gibt es, wie so oft sind es die Leiseren.

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Es gibt Entwicklungen, die die Hoffnung nähren: Israel und arabische Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko oder der Sudan haben sich angenähert. An einem Siegeszug des islamistischen Terrors haben auch diese Staaten kein Interesse.

US-Präsident Biden hat die Aussöhnung zum Markenzeichen erkoren.

Die Bereitschaft zum Zuhören ist die Voraussetzung dafür. Wer die Nöte und Hoffnungen der jeweils anderen Seite ausblendet, wird nicht weiterkommen.

Von einer Fußballstadion-Mentalität spricht Meron Mendel, israelischer Pädagoge und Leiter der Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt. Von einer Konfliktwahrnehmung im Schwarz-Weiß-Modus also, die keine Zwischentöne und keine Abwägung erlaubt, in der das Team Palästina gegen das Team Israel steht. Nur eines kann in dieser Logik gewinnen, das andere muss geschlagen vom Platz gehen.

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Dabei muss beiden Seiten Rechnung getragen werden: Israel mit seinen Existenzängsten und der Furcht, an den Rand gedrängt zu werden. Der palästinensischen Bevölkerung im eng besiedelten Gaza mit ihrer wirtschaftlichen Not und Perspektivlosigkeit.

Nur wer beides zusammen denkt, kann eine Lösung finden.

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