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Regierung diskutiert über Abwehrsystem

Iron Dome: Eine Maschine verteidigt Menschen

Hightech-Abwehr am Himmel über Israel: das System Iron Dome in Aktion.

Sirenen heulten, Menschen flohen in Bunker: In Ashkelon im Süden Israels gab es Luftalarm.

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Ein Raketenangriff der Hamas war im Gang, und zwar ein sehr großer – vielleicht sogar der massivste aller Zeiten.

Rund 200 Raketen binnen einer Stunde, so stellte sich später heraus, wurden auf die Stadt abgefeuert. Offenbar ging es den radikalislamischen Kämpfern darum, das autonome Raketenabwehrsystem der Israelis mit immer neuen „volleys“, wie die Militärs sagen, zu überfordern. Doch der Iron Dome hielt stand.

Das System führt selbst Regie

Massenhaft wurden die heranfliegenden Hamas-Raketen ihrerseits zerstört. Das eigentümliche Piff-Paff am Nachthimmel wirkte wie ein Feuerwerk. Phasenweise aber, wenn das Abwehrsystem an seine Kapazitätsgrenzen geführt werden sollte, steigerte sich der Lärm zu einem bedrohlichen Dauergeknatter.

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Das System jedenfalls führte autonom Regie – und Israels Offiziere vertrauten im Moment der Not auf dessen Taktfrequenzen und Megabytes.

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Es war eine Lehrvorführung in autonomer Kriegsführung. Hätte bei einem so massiven Angriff jede Gegenmaßnahme von einem Menschen getroffen werden müssen – etwa mit dem klassischen Feuerbefehl eines Luftwaffensoldaten in einer Einsatzzentrale vor einem Radarschirm –, wäre die von der Hamas gewollte Überforderung mit Sicherheit sehr schnell eingetreten.

Der Iron Dome aber denkt schneller als der Mensch – und hat sehr viel mehr Augen und Ohren.

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Das System wird seit dem Jahr 2011 vom israelischen Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems gebaut. Die Firma feierte, während es über Ashkelon und Tel Aviv blitzte und knallte, auf ihrer Webseite gerade „zehn Jahre Iron Dome“.

  • Eine Einheit besteht aus drei Komponenten: Radarsystem, Kontrollzentrum und Startbatterien für die Abfangraketen.
  • Alle Module sind mobil , so dass sie jederzeit bewegt und nicht so leicht angegriffen werden könne. Ein Teil der Anlage bleibt laufend auf Selbstverteidigung programmiert.
Gebaut wird das System "Iron Dome" seit dem Jahr 2011. Bei der Software gab es seither mehrere Updates.

Gebaut wird das System "Iron Dome" seit dem Jahr 2011. Bei der Software gab es seither mehrere Updates.

  • Um Raketen abzufangen, wird deren Flugbahn in Sekundenbruchteilen berechnet. Führt die Bahn erkennbar auf einen unbewohnten Acker, bleibt das System inaktiv.
  • Nach unbestätigten Medienberichten kann eine Einheit 150 Quadratkilometer abdecken und sechs Flugobjekte gleichzeitig erfassen. Die Software bekam im Laufe der vergangenen Jahre allerdings mehrere Updates, Details unterliegen der Geheimhaltung.
  • Ein einziger Schuss mit dem Hightechsystem soll angeblich 50.000 Dollar kosten, auch dafür gibt es keine Bestätigung. „Auf jeden Fall wurden da in den letzten Tagen viele Millionen Dollar verballert“, sagt ein Insider.
Israel: Tel Aviv unter Raketenbeschuss

Die schwersten Gefechte zwischen Israel und den Palästinensern seit 2019 hatten am Montag begonnen.

„In Deutschland stünden wir dumm da“

Das System Iron Dome ist nicht perfekt. Dass es nicht wirklich alles restlos vom Himmel holen kann, was Gefahren bringt, betont stets auch das israelische Militär.

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In Ashkelon schafften es einige Hamas-Raketen auf israelisches Gebiet, schlugen in zivile Wohnhäuser ein und töteten zwei Frauen. In Tel Aviv starb eine Frau, als ein Bus von einer Hamas-Rakete getroffen wurde. Nahe der Grenze wurde ein israelischer Soldat durch eine Rakete aus dem Gazastreifen getötet. Doch die immer noch sehr geringe Zahl von Todesopfern nach einem Beschuss mit mittlerweile rund 1500 Raketen bedeutet nach Einschätzung von Militärexperten eine mehr als beeindruckende Bilanz der Luftverteidigung.

„Wenn wir in Deutschland vergleichbare Raketenattacken erleben würden, stünden wir dumm da“, sagt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München. Bei der Raketenabwehr der Bundeswehr, gestützt auf das im Kern mehr als 30 Jahre alte „Patriot“-System, gebe es erheblichen Modernisierungsbedarf, sagte Masala dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Deutschland braucht eine seriöse Debatte über seine künftige Luftverteidigung.“

„Deutschland braucht eine seriöse Debatte über seine künftige Luftverteidigung": Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.

„Deutschland braucht eine seriöse Debatte über seine künftige Luftverteidigung": Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Hochschule der Bundeswehr in München.

Masala wirbt mit Blick auf Israels Iron Dome für ein generelles Umdenken bei der Bewertung autonomer militärischer Systeme. Oft sei in politischen Debatten deren eigenständiges Walten als Eskalationsrisiko empfunden worden. Tatsächlich aber gelte dies nicht für Defensivsysteme. Mit beeindruckender Präzision habe Iron Dome trotz heftiger Hamas-Angriffe die Zahl der Opfer auf israelischer Seite sehr gering gehalten – damit sei unterm Strich die Chance gewachsen, weitere Eskalationen zu dämpfen.

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Masala gehört neben Ulrike Franke, Thomas Wiegold und Frank Sauer zu einem Kreis von Verteidigungsexperten, die im Podcast „Sicherheitshalber“ regelmäßig über Militärthemen diskutieren. Nach seiner Ansicht muss in eine Modernisierung der Luftverteidigung in Deutschland dringend auch die Drohnenabwehr einbezogen werden.

Einigkeit besteht unter Experten aber darüber, dass die Iron-Dome-Technologie kein Allheilmittel ist. Zum Schutz großer Flächen bedarf es anderer, geografisch stärker verteilter Systeme. Deren Schutzwirkung dürfte aber nicht erst in Deutschland beginnen, sondern müsste auch Polen umfassen. Zudem wären noch technologische Nachrüstungen erforderlich: Nach Stand der Dinge bieten auch die besten derzeit marktfähigen israelischen Systeme keinen hinreichenden Schutz gegen russische Hyperschallraketen.

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Der Nato-General a.D. Hans-Lothar Domröse zeigt sich im Gespräch mit dem RND skeptisch, ob der Iron Dome in Deutschland effektiv wäre. Setze Russland Hyperschallwaffen ein, könne kein Schutzschirm der Welt etwas dagegen ausrichten, sagt Domröse. „Es gibt derzeit kein Abwehrsystem, das Raketen mit einer solchen Geschwindigkeit entdecken und dann auch noch abfangen kann.“

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