Irischer Ex-Premier Ahern glaubt an Wiedervereinigung Irlands

  • Irland kann langfristig wiedervereint werden, glaubt der ehemalige irische Regierungschef Bertie Ahern.
  • In einem Interview schlug er dazu ein Referendum zum 30. Jahrestag des Karfreitagsabkommen vor.
  • Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber taktisch unklug, Forderungen nach einer Volksabstimmung zu stellen, so Ahern weiter.
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Dublin. Der ehemalige irische Regierungschef Bertie Ahern glaubt an eine langfristige Wiedervereinigung beider Teile der irischen Insel. Ein Referendum darüber könne er sich beispielsweise zum 30. Jahrestag des Karfreitagsabkommens 2028 vorstellen.

Das sagte Ahern in einem Interview der italienischen Zeitung „La Repubblica“, das am Samstag veröffentlich wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber taktisch unklug, Forderungen nach einer Volksabstimmung zu stellen.

Mit dem Karfreitagsabkommen war 1998 ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg im britischen Nordirland zu Ende gegangen. Bei dem blutigen Konflikt standen sich mehrheitlich katholische Befürworter einer Vereinigung Irlands und überwiegend protestantische Anhänger der Union der Provinz mit Großbritannien gegenüber. Ahern, der damals Regierungschef der unabhängigen Republik Irland im Süden der Insel war, hatte das Abkommen mit ausgehandelt.

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Ein Dorf zwischen zwei Welten: Pettigoe liegt zur einen Hälfte in der Republik Irland und zur anderen in Nordirland.  © AFP

Noch immer ist die Gesellschaft in Nordirland tief gespalten. Vereinzelt kommt es noch immer zu Gewalttaten. Wohnbezirke, Kindergärten und Schulen sind meist nach konfessionellen Lagern getrennt. Durch Nordirlands Hauptstadt Belfast verlaufen kilometerlange, meterhohe Zäune. Die sogenannten „Friedensmauern“ sollen gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Gruppen verhindern.

EU-Austritt heizte die Stimmung auf

Der EU-Austritt Großbritanniens hatte die Spannungen wieder angeheizt, weil dadurch eine EU-Außengrenze zwischen dem EU-Mitglied Republik Irland und dem britischen Nordirland entstand. Warenkontrollen an der Grenze sollten unter allen Umständen verhindert werden, weil sie sonst zum Ziel für Angriffe noch immer aktiver Splittergruppen der IRA (Irisch-Republikanische Armee) werden könnten, die mit Terroranschlägen für das Ziel eines vereinigten Irlands gekämpft hatte.

Doch der Entschluss Londons, sowohl die Europäische Zollunion als auch den Binnenmarkt zu verlassen, machte die Suche nach einer Lösung schwierig. Schließlich einigten sich beide Seiten darauf, dass die Warenkontrollen an den Seehäfen stattfinden sollten, die Nordirland mit dem Rest des Vereinigten Königreichs verbinden. Doch das sogenannte Nordirland-Protokoll stößt in Nordirland auf Ablehnung bei der größten protestantisch-unionistischen Partei DUP. Supermärkte und andere Unternehmen klagten zudem über Schwierigkeiten. Die Regierung in London reagierte Anfang März mit einer einseitigen Verlängerung von Übergangsfristen für die Kontrolle von Lebensmitteln und stärkte damit Zweifel, ob sie sich an die Abmachung gebunden fühlt.

RND/dpa

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