Atomprogramm: Iran beschleunigt Uran-Anreicherung

  • Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass die USA aus dem mühsam ausgehandelten Wiener Atomabkommen ausgestiegen sind.
  • Die Vereinbarung, die vor allem Irans Urananreicherung eindämmen sollte, steht nur noch auf wackeligen Fundamenten.
  • Der Iran verstößt nun ganz klar gegen den Atomdeal - erneut.
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Isfahan. Der Iran arbeitet nach Angaben des Atomchefs Ali Akbar Salehi an schnelleren Zentrifugen, die den Prozess der Urananreicherung wesentlich beschleunigen sollen. Die seit September genutzten neuen Geräte seien zehnmal schneller als die alten IR-1-Zentrifugen, deren Betrieb längst eingestellt worden sei, sagte Salehi, der auch Vizepräsident ist, am Montag im Staatssender IRIB.

Damit verstößt Teheran gegen die Richtlinien des Wiener Atomabkommens von 2015. Danach darf die Islamische Republik nur die ältere Generation der Zentrifugen (IR-1) nutzen, Uran lediglich auf 3,67 Prozent anreichern und nicht mehr als 300 Kilogramm an Uranbestand haben. Die auf 3,67 Prozent begrenzte Urananreicherung war einer der Kernpunkte des Wiener Vertrags, um den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern.

Nicht der erste Vertragsbruch

Um den Druck zu erhöhen, setzt sich der Iran erneut über einzelne Vertragsbestimmungen hinweg. Zunächst stoppte er den Export von überschüssigem Uran und sogenanntem schweren Wasser aus seinem Atomprogramm. Anschließend erhöhte er den Grad der Uran-Anreicherung über das erlaubte Maß hinaus. Zuletzt nahm er im September vertragsgemäß stillgelegte schnellere Zentrifugen wieder in Betrieb. Seinen jüngsten Verstoß gab das Land am 40. Jahrestag des Sturms von Studenten auf die US-Botschaft in Teheran bekannt.

Die im Vertrag zugelassenen 5060 Zentrifugen sind ein Zehntel so schnell wie die IR-6. Durch den Einsatz schnellerer Zentrifugen verkürzt der Iran die Zeit, die er nach Ansicht von Experten brauchen würde, um atomwaffenfähiges Material herzustellen. Der Iran hat stets versichert, er strebe nicht nach Atomwaffen, sondern wolle das Uran für friedliche Zwecke nutzen.

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Iran und die Urananreicherung
0:54 min
In Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen hat der Iran Uran auf über 4,5 Prozent angereichert.  © AFP
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Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Entscheidung des Irans, die Urananreicherung zu beschleunigen, kritisiert. "Wir halten das nicht für akzeptabel", erklärte er am Montag auf einer Pressekonferenz in Budapest. "Letztlich setzt der Iran damit die Zukunft des Nuklearabkommens in Gänze aufs Spiel." Das gelte auch für jeden weiteren Schritt, mit dem Teheran die Bestimmungen des Wiener Atomabkommens von 2015 außer Kraft setze.

Die USA waren im Mai 2018 einseitig aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 ausgestiegen. Seither verletzte der Iran in drei Schritten Bestimmungen des Abkommens. Ende der Woche soll Phase vier beginnen. Teheran fordert die Aufhebung der US-Sanktionen. Die US-Regierung will die Führung in Teheran mit harten Sanktionen zwingen, das Abkommen neu auszuhandeln und härteren Auflagen zuzustimmen. Die verbliebenen Vertragspartner - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - befürchten, dass der Iran ganz aus dem Abkommen aussteigen und unbegrenzt Uran anreichern könnte. Zwar erklärten sie, sie wollten am Abkommen festhalten, doch Teheran verlangt, sie sollten die Wirkungen der US-Sanktionen ausgleichen.

RND/dpa/AP

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