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Iran: Geheimes Interview mit Außenminister Sarif löst Regierungskrise aus

  • Die iranische Politik ist schon länger zutiefst gespalten – in die Hardliner im Parlament und die vergleichsweise moderate Regierung.
  • Ein angeblich gestohlenes Tonband spielt nun den radikalen Kräften in die Hände.
  • Darauf ist Außenminister Sarif zu hören, wie er Kritik am politischen System äußert – ein Vorfall, der das Land in eine Regierungskrise stürzt.
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Teheran. Eine angeblich gestohlene Audioaufnahme eines geheimen Interviews mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, in dem er das politische System des Irans kritisiert, hat im Land für eine Regierungskrise gesorgt.

„Jeden Tag werden haarsträubende Geschichten aufgetischt, um Land und Volk zu spalten“, sagte Präsident Hassan Ruhani am Mittwoch. Diesmal sei es ein gestohlenes Audioband, das zu den geheimen Regierungsdokumenten gehöre. Der Geheimdienst müsse daher umgehend die Verantwortlichen identifizieren „und mit ihnen konsequent und ohne Erbarmen“ umgehen, sagte Ruhani laut dem Webportal des Präsidialamts.

Das Band soll von „internen Kreisen“ gestohlen und zwei persischsprachigen Nachrichtensendern in London weitergeleitet worden sein. Dies ist laut Ruhani Hochverrat, weil beide Sender von „Feinden“ des Irans finanziert würden und im Land verboten seien. Die beiden Sender hatten Ausschnitte aus dem Interview veröffentlicht und als Kritik Sarifs am islamischen Regime ausgelegt. Das „gestohlene Band“ überschattet derzeit in den iranischen Medien alle anderen politischen Themen.

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In dem von einem Ruhani-Berater im Präsidialamt geführten Interview hatte Sarif die Einmischung der Revolutionsgarden (IRGC) in die diplomatischen Angelegenheiten des Außenministeriums kritisiert.

Dabei war angeblich auch die Rede von Ghassem Soleimani, dem ehemaligen Kommandeur der Al-Kuds-Brigade der IRGC. Soleimani war im Januar 2020 durch einen US-Luftangriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad getötet worden. Seitdem hat er als Märtyrer einen Legendenstatus im Iran.

Hassan Ruhani, Präsident des Iran. © Quelle: /Iranian Presidency/dpa

Interview kommt Hardlinern gelegen

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Für die Hardliner im Land, die grundsätzlich gegen den moderaten Kurs Ruhanis und dessen Versuche zur Annäherung an den Westen sind, ist das Interview ein gefundenes Fressen – insbesondere vor der Präsidentenwahl Mitte Juni. Sie haben Sarif wegen Kritik an einem Nationalhelden scharf verurteilt und fordern Konsequenzen.

Sarif, derzeit auf einer Auslandsreise in Oman, hat die herben Reaktionen gegen seine Person zurückgewiesen. Die kritischen Äußerungen selbst aber konnten weder er noch sein Sprecher bestreiten.

„Das war eine rein theoretische Diskussion, die geheim bleiben und nun nicht im Rahmen interner Machtkämpfe ausgenutzt werden sollte“, wurde Sarif in den Medien zitiert. Dennoch könnte es ihm laut Beobachtern in Teheran den Job kosten – und den Reformern um Ruhani die Chancen bei der Präsidentenwahl.

Ruhani distanzierte sich zwar von dem Interview, aber auch er sieht in dem Tonbanddiebstahl eine Kampagne der Hardliner. „Warum passieren gewisse Dinge gerade jetzt, wo wir bei den Atomverhandlungen in Wien kurz vor einem Erfolg stehen“, sagte der Präsident.

Laut Ruhani wollen die Hardliner die Atomverhandlungen sabotieren und somit ihre Chancen zur Präsidentenwahl wahren. Der Iran sei gerade dabei, im Atomstreit mit den USA eine Kompromisslösung zu erzielen, die auch zu einer Aufhebung der US-Sanktionen und somit zum Ende der Wirtschaftskrise führen könnte. „Ich verstehe nicht, warum ein Wahlkampf für manche wichtiger ist als nationale Interessen und das Wohl des Volkes“, sagte der Präsident.

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