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Interview zu Auslandseinsätzen: Höhn stellt sich vor Hennig-Wellsow

  • Die neue Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow offenbarte in einem Interview große Wissenslücken zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr.
  • Ihr Parteifreund Matthias Höhn verteidigt sie nun.
  • Hennig-Wellsow sagt, sie sei in dem Interview „einfach platt“ gewesen.
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Berlin. Der sicherheitspolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag, Matthias Höhn, hat die neue Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow wegen ihrer zuletzt offenbarten Wissenslücken über Auslandseinsätze der Bundeswehr verteidigt.

„Wer im politischen Berlin hatte noch nie einen schlechten Tag?“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich bin sicher, Susanne Hennig-Wellsow ärgert sich selbst am meisten darüber.“ Die Häme, die ihr jetzt entgegenschlage, sei „ziemlich unerträglich“.

Höhn fügte hinzu, das dahinter stehende Problem für die Linke sei, „dass der Begriff Kampfeinsatz nicht taugt. Da müssen wir Linke besser differenzieren.“ Im strengen Sinne gebe es derzeit nämlich gar „keinen klassischen Kampfeinsatz“.

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Schutz durch Bodo Ramelow

Er betonte, natürlich wolle die Linke die Einsätze in Afghanistan oder im Irak beenden. Dennoch sei „immer im Einzelfall zu prüfen, auf welcher völkerrechtlichen Grundlage ein Einsatz erfolgt, ob alle zivilen Möglichkeiten genutzt wurden, wie die politische Strategie ist und ob ein Einsatz die Situation vor Ort möglicherweise sogar verschlechtert“. Erst dann könne man sich entscheiden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nahm die Parteifreundin ebenfalls in Schutz. Hinter den Kulissen hieß es, das bundespolitische Parkett in Erfurt sei eben etwas anderes als die Provinzbühne in Erfurt.

Der Linken-Abgeordnete Alexander S. Neu schrieb hingegen bei Twitter, der Begriff „Kampfeinsatz“ sei gar nicht definiert, und riet ihr, „sich nicht so weit aus dem Fenster zu lehnen“ – verbunden mit dem Zusatz: „Leider tut Susanne genau das.“ Neu gehört zu jenen in der Fraktion, die Hennig-Wellsow kritisch gegenüber stehen, weil sie ein grün-rot-rotes Bündnis anstrebt.

Die 43-Jährige, die erst vor einer Woche ins Amt kam, hatte in einem Interview keine Antwort auf die Frage geben können, in welchen Auslands- beziehungsweise Kampfeinsätzen sich die Bundeswehr gerade befinde – und zugleich für den Rückzug aus Kampfeinsätzen geworben. Dabei sind die Auslandseinsätze seit Jahren eines der Hauptthemen der Partei, die sich als „Friedenspartei“ begreift.

Selbstbild „Friedenspartei“

Die bisherige Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen hatte vor dem Parteitag zudem erklärt, friedenserhaltende Blauhelmeinsätze unter dem Dach der Vereinten Nationen seien aus ihrer Sicht vertretbar.

Hennig-Wellsow selbst schrieb bei Twitter als Reaktion auf die Kritik an ihr, sie habe sich früher beim Eisschnelllauf „manche Beule geholt. Nun habe ich meinen ersten blauen Fleck in Berlin.“ Im Übrigen sei sie während des Interviews „einfach platt“ gewesen – und es gelte weiterhin, jeder Bundeswehreinsatz im Ausland sei einer zu viel.

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