• Startseite
  • Politik
  • Indigene bei US-Wahl 2020: Menschenrechtler beklagen hohe Hürden

Menschenrechtler beklagen hohe Hürden für Indigene bei US-Wahl

  • An den US-Wahlen im November werden viele der knapp fünf Millionen stimmberechtigen Ureinwohner nicht teilnehmen.
  • Meist, weil sie sich vorab nicht für die Wahl registrieren können.
  • Dabei liegt ein Gesetz, das die Stimmabgabe für “Native Americans” erleichtern soll, dem US-Kongress seit Dezember 2019 vor.
Anzeige
Anzeige

Göttingen. Menschenrechtler sehen hohe Hürden für wahlberechtigte Indigene bei der Präsidentschaftswahl in den USA am 3. November. Ohne zügige Reformen könnten viele der knapp fünf Millionen stimmberechtigten “Native Americans” und “Alaska Natives” nicht an der Wahl teilnehmen, sagte Yvonne Bangert von der Gesellschaft für bedrohte Völker am Mittwoch in Göttingen.

“Es scheitert schon an etwas so Banalem wie einer fehlenden Postadresse”, fügte sie hinzu. “Ohne die gibt es keinen amtlichen Ausweis und keine Registrierung zur Wahl.” Die Reservate seien oft sehr schlecht ausgebaut, befestigte Straßen mit Adressen gebe es vielfach nicht: “Die Post wird, wenn überhaupt, anhand von Wegbeschreibungen ausgeliefert.”

Wahlgesetz für Indigene von US-Kongress noch nicht verabschiedet

Wer in den USA wählen wolle, müsse sich bereits im Vorfeld in ein Wahlregister eintragen lassen und dafür seine Identität nachweisen, erläuterte Bangert. Eigene Ausweisdokumente der Stammesverwaltungen würden dafür aber nicht akzeptiert. Bereits im Dezember 2019 sei der “Native American Voting Rights Act” im US-Kongress eingereicht worden - ein Gesetz, das dieses Problem beheben solle. “Es müsste jetzt sehr zügig verabschiedet werden, damit sich alle Interessierten bis zur Wahl im November noch registrieren und Wahlunterlagen erhalten können”, betonte Bangert.

Anzeige

US-Wahl: 50 Millionen Menschen nicht registriert

Der Gesellschaft für bedrohte Völker zufolge bleiben jedoch auch bei erfolgreicher Registrierung Probleme. "Fast 27 Prozent der Natives leben in Armut", erklärte Bangert. "Sie werden ihre Zeit lieber mit Arbeit verbringen, als die stundenlange Reise zum nächsten Wahllokal auf sich zu nehmen." Die Abstimmung per Brief sei in den USA ohnehin kompliziert, bei schlechter Postanbindung fast unmöglich. Dazu kämen sprachliche Hürden, mangelnde Informationen und ein grundsätzliches Misstrauen vieler Indigener in staatliche Institutionen.

Anzeige

Schätzungen zufolge seien von den 250 Millionen Wahlberechtigten in den USA etwa 50 Millionen nicht registriert, hieß es. Die meisten von ihnen seien Indigene, arme und junge Menschen, sowie Stimmberechtigte afroamerikanischer, lateinamerikanischer und asiatisch-pazifischer Abstammung.

RND/epd

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen