Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

In Norddeutschland hat es das Virus schwer

Die Corona-Chroniken.

Man muss solidarisch sein mit dem Süden. Wenn dieser Satz fällt, nicken immer alle ganz andächtig; es geht dann oft um Armut in der Welt und die Gerechtigkeit auf dem Globus.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Augenblick aber, das ist neu, passt der Satz auch innerhalb Deutschlands. Eigentlich war man hier jahrzehntelang daran gewöhnt, im Norden stets die Probleme und im Süden stets die Lösungen zu vermuten.

Ein neues Bild der Republik

In der Corona-Krise aber sieht nun Norddeutschland cooler aus denn je.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein neues Bild der Republik ist entstanden, in diversen Schattierungen von Blau auf schwarzem Grund, rund um die Uhr aufrufbar: das nach Bundesländern gegliederte Covid-19-Dashboard des Robert-Koch-Instituts.

Von einem Verdienst der Norddeutschen, gar irgendeinem Heldentum, soll hier nicht die Rede sein. Natürlich existiert der Unterschied zwischen dem stark betroffenen Süden und dem weniger stark betroffenen Norden schon seit vielen Wochen. Und natürlich hatten die Norddeutschen es schon deswegen etwas leichter, weil Italien, Österreich und Frankreich weiter weg sind.

Allerdings, und das ist dann vielleicht doch bemerkenswert, haben die Norddeutschen auch nichts getan, was dem Virus hätte helfen können.

Vor allem: Eine Virenschleuder wie etwa im österreichischem Ski-Ort Ischgl war in Norddeutschland nie in Betrieb. Dort, in Österreich, wo die Regierung immer so zackig tut, hatte ein einziger Barkeeper wochenlang einem fröhlichen Saufpublikum aus ganz Europa seine Krankheitserreger eingeblasen.

Zwar sitzt man auch im Norden hier und da abends zusammen. Aber es bleibt meist alles im Rahmen. “Redundante Gruppen”, sagen Virologen, richten wenig Schaden an: Es sind Leute, die sich immer wieder treffen.

Kein Karneval, kein Starkbieranstich

Anders als im Süden und namentlich auch im Rheinland ist es im Norden eher selten, dass sich Unbekannte einander massenhaft knutschend in die Arme nehmen. Man kann diese dröge Lebensart begrüßen oder bedauern, ihren bremsenden Effekt auf das Virus aber kann man schlecht abstreiten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Es gab im Norden keinen Karneval und keine “Kappensitzungen” wie in Gangelt in Nordrhein-Westfalen – wo das närrische Treiben 14 Tage später zur Abriegelung des kompletten Landkreises Heinsberg führte. Es gab im Norden auch keinen Starkbieranstich wie im bayerischen Mitterteich – wo noch am 7. März mehr als 1000 Leute schunkelnd zusammensaßen und die Maßkrüge unter dröhnendem Gelächter als “Massenschluckimpfung gegen Corona” erhoben wurden.

Drehscheiben, Hot Spots, Virenverstärker: Dies alles sucht man im Norden bis heute vergebens

Stattdessen macht der Norden inzwischen mit der ersten deutschen Großstadt Schlagzeilen, die sich bereits wieder abmeldet aus der Pandemieproblematik: Seine Stadt sei inzwischen wieder “coronafrei”, meldete Rostocks Bürgermeister Claus Ruhe Madsen letzte Woche.

Man kann das ein bisschen voreilig finden. Interessant ist es trotzdem. Manche glauben, Rostocks Erfolg liege allein daran, dass die 200.000-Einwohner-Stadt geografisch so abgelegen sei. In Wahrheit aber zeigten die Behörden hier eine besonders schnelle Reaktion: Schon auf den allerersten Fall einer Infektion reagierten sie prompt mit der Schließung sämtlicher Schulen der Stadt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In keinem Bundesland ist inzwischen der Kampf gegen das Virus so chancenreich wie in Mecklenburg-Vorpommern. Denn hier kommen nur 41 Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner. Das ist ein anderer Schnack, wie man im Norden sagt, als die 313 Fälle pro 100.000, mit denen Bayern sich plagt.

“Moin” - aus zwei Meter Abstand

Der Grad der Betroffenheit ist unterschiedlich, mathematisch wie emotional.

Man muss sich nicht wundern, warum etwa Markus Söder etwas angespannter ist als sein Amtskollege in Kiel, Daniel Günther. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Todesopfer noch immer zweistellig, in Bayern wurden bereits fast 1600 Corona-Tote registriert.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Dass der norddeutsche Way of Life derzeit ganz gut in die Zeit passt, erspürte die Landesregierung von Niedersachsen schon vor ein paar Wochen. “Wir in Niedersachsen haben social distancing praktisch erfunden”, hieß es in einem Tweet der Landesregierung. “Ein kurzes Moin und zwei Meter Abstand sind bei uns eine herzliche Begrüßung.”

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die ostfriesischen Inseln übrigens wurden in einer hier und da belächelten Entscheidung der niedersächsischen Behörden sehr früh abgeriegelt. Inzwischen ragen auch sie bundesweit leuchtturmhaft heraus: als coronafreie Zonen in einem zunehmend verseuchten Deutschland.





Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige


Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Spiele entdecken