In Madagaskar droht ein Massensterben

  • Die Jahrhundertdürre im Süden Madagaskars bringt immer mehr Menschen den Tod.
  • Hungernde, zu schwach für eine Flucht, essen schon seit Wochen Blätter, Lehm und Insekten.
  • Jetzt schlägt die Welthungerhilfe Alarm: 14.000 Menschen seien akut vom Tod bedroht, die Zahl drohe sich binnen weniger Wochen noch zu verdoppeln.
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Nach der stärksten Dürre seit vier Jahrzehnten droht in Madagaskar ein Massensterben.

Von den 1,2 Millionen betroffenen Menschen im Süden des Landes seien inzwischen 14.000 akut in Lebensgefahr, sagte Kenneth Bowen, der in Madagaskar stationierte Landesleiter der Welthungerhilfe, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Hungernde seien dazu übergegangen, Insekten, Lehm und lose Blätter zu essen: „So groß war hier die Not noch nie.“ Ohne massive Hilfsmaßnahmen werde sich die Zahl der akut Bedrohten binnen weniger Wochen noch einmal verdoppeln, warnte Bowen. Am meisten gefährdet seien stets die Kinder.

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Extremwetter trifft auf eine Insel ohne Wald

Madagaskar, eineinhalb mal so groß wie Deutschland, ist die viertgrößte Insel der Welt und hat 27 Millionen Einwohner.

Der Süden Madagaskars hatte schon oft mit Dürren zu kämpfen. Inzwischen wirken zwei für die Landwirtschaft schädliche Faktoren stärker denn je zusammen: Der weltweite Klimawandel mit seinen Extremwetterlagen trifft auf eine Region, die sich durch das weitgehende Abholzen ihrer Regenwälder auch von sich aus verwundbarer gemacht hat denn je.

Opfer des Klimawandels und von Raubbau im eigenen Land: unterernährtes Kind in Madagaskar. © Quelle: Kenneth Bowen, Welthungerhilfe
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Über viele Jahre hinweg wurden auf Madagaskar gezielt Bäume in Brand gesetzt, um Platz für Reisfelder zu schaffen. „Die Asche wurde auch noch zum Düngen genutzt“, berichtet Bowen. Ein Teil sei auch als Holzkohle verkauft worden.

Als jetzt in dieser Saison der Regen weitgehend ausblieb, wurden weite Teile des nunmehr baumlosen Südens der Insel zu einer großen staubigen Zone, in der nichts mehr wächst. Sandstürme vergrößerten noch das Desaster.

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Das größte Opfer erbringen die Armen

Viele Hungernde sind inzwischen zu schwach für eine Flucht in den Norden. Manche schaffen auch nicht mehr den oft stundenlangen Fußmarsch zu den Essenausgabestellen, die inzwischen eingerichtet wurden, unter anderem vom Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen. Helfer stoßen auf Kinder, die abgemagert sind auf Haut und Knochen.

In einem Gespräch mit dem US-Sender CNN sagte WFP-Chef David Beasley, in Madagaskar spielten sich in diesen Tagen Szenen ab, die auch hartgesottene Menschen zu Tränen rührten. Der Hunger, von dem man schon dachte, man habe ihn weltweit halbwegs zurückgedrängt, melde sich mit Macht zurück. Zudem zeige sich jetzt die krasse soziale Ungerechtigkeit in der Ära des Klimawandels: Das größte Opfer erbrächten jetzt Menschen, die ihrerseits wenig zum Klimawandel beigetragen hätten.

„In Madagaskar spielen sich in diesen Tagen Szenen ab, die auch hartgesottene Menschen zu Tränen rühren“: David Beasley, Chef des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen. © Quelle: AP

„So leidenschaftlich habe ich Sie noch nie reden hören“, sagte CNN-Moderatorin Becky Anderson, ebenfalls gerührt, zu Beasley.

Der 64-Jährige gehört zu den US-Republikanern und war Gouverneur von South Carolina, bevor ihn UN-Generalsekretär António Guterres 2017 zum Chef des Welternährungsprogramms berief. Die Organisation bekam im Oktober 2020 den Friedensnobelpreis.

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