In Arizona liegt eine Revolution in der Luft

  • Der US-Bundesstaat Arizona ist traditionell republikanisch geprägt.
  • Noch nie hat ein Republikaner eine Präsidentschafts­wahl ohne die Stimmen aus Arizona gewonnen. Dieses Mal könnte aber alles anders werden.
  • Arizona könnte am Ende das Zünglein an der Waage im US-Wahlkampf sein und Donald Trumps Zeit im Weißen Haus beenden. Wir waren in Arizona unterwegs und haben uns umgehört.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Countdown läuft. Wenn Sie diesen Newsletter heute öffnen, sind es keine zwei Wochen mehr, bis der neue Präsident in den USA (aller Voraussicht nach) feststeht. Oder zumindest so gut wie. Glaubt man den Umfragen, ist der Demokrat Joe Biden auf dem besten Weg, den Republikaner Donald Trump als Präsidenten abzulösen. Nur spiegeln Umfragen nicht immer die ganze Wahrheit wider.

Entscheidend wird sein, ob in Staaten ein Umschwung stattfindet, wo zuletzt die Republikaner vorn lagen. Oder gar seit vielen Jahren vorn liegen. Ein solcher Staat ist Arizona. Traditionell gilt der Bundesstaat im Westen der USA mit niedrigen Steuern, wenig staatlicher Regulierung und einer knallharten Einwanderungspolitik als republikanische Festung. Vor acht Jahren landete der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hier 10 Punkte vor Barack Obama. Auch Trump schlug Hillary Clinton 2016 mit klarem Vorsprung. Noch nie hat ein Republikaner eine Präsidentschaftswahl ohne die Stimmen aus Arizona gewonnen.

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Aus gutem Grund ist RND-US-Korrespondent Karl Doemens deshalb zwei Tage im teilweise brütend heißen Bundesstaat (aktuell etwa 35 Grad Celsius) unterwegs gewesen. Denn: Die aktuellen Umfragen verheißen eine Revolution. Arizona wird plötzlich blau (Demokraten) statt rot (Republikaner).

Doch wie ist die Stimmung an der Basis? Karl Doemens hat sich umgehört. Hat mit Wählern beider Parteien gesprochen, ist vor einem Wahllokal in der Stadt Tucson auf eine Fahrraddemo gestoßen, die für Joe Biden in die Pedale tritt, und hat sich größere und kleinere Wahlauftritte angesehen.

Die Gegend um Tucson ist traditionell republikanisch – an vielen Kreuzungen stehen Trump-Schilder, aber auch erstaunlich viele „Biden/Harris“- oder „Republicans for Biden“-Schilder. Hier ist absoluter Battleground. Man wird bombardiert mit Werbespots im TV. Während Doemens in Tucson vor Ort war, flog Donald Trump junior ein. Eine Woche zuvor hatte Biden die Stadt besucht. Gestern kam Donald Trump.

Für seine Arizona-Reportage hat Karl Doemens Menschen getroffen, die zum ersten Mal für die Demokraten stimmen werden. Und solche, die nicht so recht an den Wandel in ihrem Bundesstaat glauben wollen.

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Ein entscheidender Faktor – hier in Arizona, aber auch national – könnten die Latinos werden. Traditionell ist die Wahlbeteiligung der Hispanics zwar eher gering, doch dürfte die Aussicht auf eine zweite Amtszeit Trumps das ändern. Davon überzeugt ist auch Julian Castro. Der einstige Wohnungs­bauminister des damaligen Präsidenten Barack Obama spricht im Interview mit dem RND über die neue Motivation der Hispanics, über ihre wichtigsten Themen und warum Arizona am Ende das Zünglein an der Waage zugunsten von Joe Biden sein könnte.

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Corona außer Kontrolle?

Deutschland, so scheint es, ist umgeben von Ländern, in denen die Corona-Lage außer Kontrolle geraten ist. Niederlande, Tschechien oder Frankreich – überall fallen fast täglich neue Rekorde. Die Maßnahmen werden immer strikter.

Auch in der Bundesrepublik steigen die Zahlen schnell an. Und verglichen mit den Nachbarländern, ist die Lage in Deutschland aber noch stabil. Lockdowns oder teilweise Ausgangs­sperren sind in Teilen von Europa längst wieder eingeführt. So auch in der Lombardei in Italien. Von Donnerstag an darf dort zwischen 23 Uhr abends und 5 Uhr morgens kein Fuß mehr vor die eigene Haustüre gesetzt werden, außer in „Notsituationen“. Außerdem bleiben an den Wochenenden alle Supermärkte geschlossen, wie unser Korrespondent Dominik Straub berichtet.

Zwar sind die Infektions­zahlen in Italien im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern bis heute eher niedrig – doch die Zunahme der Fälle erinnert wieder an den März, als die Zahl der Covid-Patienten so rasant anstieg, dass das Gesundheits­wesen nach wenigen Wochen überfordert war.

Auch in der Schweiz grassiert das Coronavirus. Mit dem Unterschied, dass das kleine Land von der Pandemie lange nur gestreift wurde. Eine Maskenpflicht in dem Alpenstaat war bis zum Sommer gar kein Thema. Erst spät kam die Politik damit um die Ecke. Auch in den Bars und Clubs durfte früh wieder sorglos und ohne Beschränkungen gefeiert werden. Das rächt sich jetzt, wie unser Korrespondent Jan Dirk Hebermann schreibt.

Zitat des Tages

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Leseempfehlungen

  • Für viele ist Kim Kardashian ein Trashpromi. Doch die US-Amerikanerin, die an diesem Mittwoch 40 Jahre alt wird, ist eine Meisterin der Selbstdarstellung. Sie ist berühmt fürs Berühmtsein und trägt die Bezeichnung Influencerin zu Recht, findet RND-Redakteurin Heike Manssen. Sie wirft in ihrem Geburtstagstext einen Blick darauf, wie Kardashian Menschen und Marken beeinflusst – und so sogar Einzug in die Wissenschaft gehalten hat.
  • In ganz Europa steigen die Corona-Infektions­zahlen dramatisch an. Zur Eindämmung reagieren einige Länder mit verschärften Corona-Maßnahmen, mancherorts kommt es sogar wieder zu Lockdowns. Für einen Überblick der Regionen sorgt Brigitte Vetter vom Reisereporter.
  • Seit Monaten können die meisten Musiker wegen der Corona-Pandemie ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Peter Maffay gab kürzlich sein einziges Konzert seit Ausbruch des Virus in der nur zu einem Viertel gefüllten Berliner Waldbühne. Im Gespräch mit RND-Unterhaltungs­chefin Lena Obschinsky kritisiert der Sänger die von der Politik festgelegten Obergrenzen, erzählt von seinen persönlichen Vorkehrungen als Risikopatient und verrät auch, warum selbst die Pandemie es nicht geschafft hat, aus ihm einen Smartphoneprofi zu machen.

Die Termine des Tages

  • Dürren und Hochwasser, Risiken für die Gesundheit, die Wirtschaft und die Landwirtschaft: Wie weit Deutschland mit der Anpassung an solche Folgen des Klimawandels ist, erklärt Bundesumwelt­ministerin Svenja Schulze an diesem Mittwoch (11 Uhr). Die SPD-Politikerin stellt einen Bericht zur sogenannten Anpassungs­strategie vor, der auch aufzeigt, wo es noch hapert. Zuvor wird er auch im Bundeskabinett verabschiedet. Es ist der zweite Fortschrittsbericht zu dieser Strategie, die es schon seit 2008 gibt.
  • Der Bundespräsident, die Kanzlerin und ihre Minister brechen ab Mittwoch vom neuen Hauptstadt­flughafen BER zu Dienstreisen auf. Die Luftwaffe der Bundeswehr nimmt den provisorischen Regierungsterminal in Betrieb, an dem dann auch die Gäste der Bundesregierung aus dem Ausland empfangen werden. Zwei Jahrzehnte lang waren sie in Tegel gelandet. Von dort werden ab sofort nur noch die Hubschrauber der Bundeswehr-Flugbereitschaft fliegen.
  • Frankreich will mit einer nationalen Gedenk­veranstaltung an den brutal ermordeten Lehrer Samuel Paty erinnern. Die Feier soll am Mittwoch­abend (19.30 Uhr) im Innenhof der traditionsreichen Pariser Universität Sorbonne stattfinden. Die Sorbonne sei ein Tempel des Wissens, Heimat französischer Genies und habe daher eine ganz besondere symbolische Bedeutung, hieß es aus dem Präsidenten­palast. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird zu der Veranstaltung erwartet.

Wer heute wichtig wird

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Angesichts der immer weiter steigenden Corona-Zahlen in Bayern will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch (13 Uhr) eine Regierungs­erklärung im Landtag abgeben. Im Zentrum steht die weitere Strategie im Kampf gegen das Virus. Söder will dem Vernehmen nach vor allem auch an die Verantwortung und die Vernunft jedes Einzelnen appellieren, mitzuziehen, extrem vorsichtig zu sein und geltende Anti-Corona-Maßnahmen strikt einzuhalten. © Quelle: Peter Kneffel/dpa

Der Podcast des Tages

Jede Stunde neu: News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

aus dem RND-Newsroom: Ihr Markus Merz

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