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Impfzentren: Ärzteverbände uneins über verlängerte Laufzeiten

  • Am 30. September endet die zur Hälfte vom Bund unterstützte Finanzierung der Impfzentren in den Bundesländern.
  • Wegen potenziell im Herbst startender Auffrischungsimpfungen fordern einige Ministerpräsidenten eine Verlängerung der Laufzeiten.
  • Die deutschen Ärzteverbände haben dazu unterschiedliche Ansichten.
Jens Strube
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Berlin. Schließen die Impfzentren doch nicht im Herbst? Nicht, wenn es nach den Ministerpräsidenten geht. Noch bis zum 30. September beteiligt sich der Bund zur Hälfte an den Kosten der Impfzentren der Länder. Es dürfe aber „nicht in Stein gemeißelt“ sein, dass die Impfzentren dann „vom Netz gehen“, machte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag nach der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) klar. „Es ist wichtig, dass wir weitermachen können“, unterstrich er im Hinblick auf den potenziellen Start der Auffrischungsimpfungen im Herbst.

Bayerns Landeschef Markus Söder (CSU) betonte: „Wir brauchen immer wieder Rückfall- und Notfall-Optionen und immer wieder auch Infrastrukturen, die uns in Ergänzung zu unserer Ärzteschaft auch helfen können.“ Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hält eine Schließung der Impfzentren Ende September „nicht für klug“.

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Auffrischungsimpfungen Bedingung für Verlängerung der Impfzentren

Von den Ärzteverbänden wurde der Vorstoß der regierenden Länderspitzen gemischt aufgenommen. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), kann die Argumente der Ministerpräsidentenrunde nachvollziehen: „Es ist vernünftig, eine gewisse Grundstruktur mit Corona-Impfzentren über den 30. September hinaus aufrechtzuerhalten“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Auch wegen der bald anstehenden Auffrischungsimpfungen brauchen wir diese Grundstruktur, damit die Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bei Bedarf entlastet werden können.“

Diese müssten allerdings Bedingung sein, so Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), auf RND-Anfrage: „Der weitere Betrieb der Impfzentren ist nur dann notwendig, wenn ab Herbst im großen Stil mit Auffrischungsimpfungen begonnen wird.“ Wenn nicht, könnten das die Hausärzte mit der Unterstützung der Betriebsärzte auch alleine schaffen, denn: „Beim Blick auf die aktuelle Zahl der Impfungen werden wir in drei Monaten bereits einen sehr hohen Impfgrad in Deutschland erreicht haben.“ Voraussetzung seien aber verlässliche Impfstofflieferungen.

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Hausärzte und Hausärztinnen fordern zuverlässige Impfstoffbereitstellung

Das sieht auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, so. „Sollten sich die Lieferprognosen bewahrheiten, werden wir voraussichtlich bis September diejenigen, die eine Impfung wünschen, zum allergrößten Teil durchgeimpft haben“, teilte er dem RND mit. Die Bereitstellung der notwendigen Impfdosen sei dabei aber „der Knackpunkt“. Diese müsse stehen.

Trotz der aktuellen „Unzuverlässigkeit bei den Lieferungen“ seien die Impfungen in den Arztpraxen aber inzwischen weitestgehend Routine. „Daher ist es mehr als fraglich, Strukturen aufrechtzuerhalten, von denen man immer wieder hört, dass die Kosten pro Impfung etwa zehnmal so teuer sind wie in den Praxen.“ Und weiter: „Anstatt die Impfzentren künstlich am Leben zu erhalten, sollte die Politik ihre Energie lieber in eine sinnvolle Planung der Impfstoffbereitstellung für die Auffrischungsimpfungen stecken.“

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„Rausgeschmissenes Geld“: Kinderärzte für Aus der Impfzentren

Bis einschließlich 10. Juni haben laut Robert Koch-Institut (RKI) gut 39,5 Millionen Menschen in Deutschland (47,5 Prozent) eine Impfdosis erhalten. Mehr als 20,6 Millionen (24,8 Prozent) gelten als vollständig geimpft. Der Großteil der Impfungen wird inzwischen in den teilnehmenden Arztpraxen durchgeführt. Am Donnerstag waren es knapp 70 Prozent der rund 1,1 Millionen verabreichten Dosen.

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Jakob Maske, Kinder- und Jugendarzt, impft ebenfalls in seiner Praxis. © Quelle: Fabian Sommer/dpa

Darauf weist auch Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbands für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), hin. „Wir sehen die Aussagen sehr kritisch“, sagte er dem RND. Die Kosten der Zentren seien inzwischen „nicht mehr verhältnismäßig“ und „rausgeschmissenes Geld“. Auch weil Haus- und Fachärzte deutlich mehr verimpfen und einen potenziellen Mehraufwand durch Auffrischungsimpfungen decken könnten, fordert Maske: „Es wäre aus unserer Sicht deshalb besser, die Impfzentren zu schließen und die niedrige Vergütung der impfenden Ärzte aufzustocken.“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wollte die Diskussion derweil noch nicht kommentieren. „Jetzt geht es erst einmal darum, so viele Menschen wie möglich und so schnell wie möglich zu impfen“, so ein Sprecher.

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