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Start der Impfwoche: Ärzte fordern langfristige Konzepte und mehr Kreativität

  • Die Impfaktionswoche von Bund, Ländern und Kommunen ist am Montag gestartet.
  • In ganz Deutschland können sich Impfwillige ohne Termin impfen lassen.
  • Ärzteverbände begrüßen die Aktion, verlangen aber auch langfristige Konzepte.
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Ärzteverbände begrüßen die Impfaktionswoche des Bundes, fordern aber langfristig mehr Kreativität in der Impfkampagne. „Die Aktionswoche zum Impfen ist gut und auch dringend erforderlich“, sagte der Vorsitzende des Weltärzteverbundes, Frank Ulrich Montgomery, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Transparenz über Impfungen und Nebenwirkungen, Information über Chancen und Risiken sollen Menschen erreichen, die unsicher oder uninformiert sind.“

Montgomery: Debatte über „Konsequenzen“ ist nötig

Den Menschen an den verschiedensten Orten zu begegnen werde aber wohl nicht ausreichen. „Auch die Anreize müssen stimmen“, so der Mediziner. „Stattdessen brauchen wir eine demonstrative Rückgabe eingeschränkter Grundrechte an Geimpfte – Stichwort: 2G. Und Ungeimpfte werden damit leben müssen, dass sie die Folgen ihrer Impfverweigerung auch tragen müssen. Dazu gehören Test- und Quarantänekosten.“ Montgomery spricht sich für eine Debatte über die „gesellschaftlichen Auswirkungen individuellen Verhaltens“ und über „Konsequenzen“ aus.

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Während der Aktionswoche von Bund, Ländern und Kommunen können sich Impfwillige Deutschlandweit ohne Termin impfen lassen. Unter dem Motto „Hier wird geimpft“ gibt es Impfaktionen unter anderem auf Markplätzen und in Einkaufszentren. „Nie war es einfacher, eine Impfung zu bekommen. Nie ging es schneller“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Start der Aktion in einem Video-Podcast. „Ich bitte Sie daher: Schützen Sie sich selbst und andere. Lassen Sie sich impfen.“

Bundesärztekammer verlangt mehr Kreativität

Zustimmung für die Aktion kommt auch von der Bundesärztekammer. Präsident Klaus Reinhardt teilte dem RND mit, die Impfwoche sei eine wichtige Initiative. „Wir können zwar davon ausgehen, dass im Herbst und Winter weniger Infizierte im Krankenhaus behandelt werden müssen als bei den vorherigen Wellen. Trotzdem läuft jeder Ungeimpfte Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren und schwer zu erkranken“, sagte der Mediziner. „Dass derzeit 90 Prozent der Corona-Patienten auf den Intensivstationen nicht geimpft sind, sollte allen Impfunwilligen und Unentschlossenen zu denken geben.“

Reinhardt verlangt allerdings mehr Kreativität seitens der Politikerinnen und Politiker: „Ich bin überzeugt, dass wir mit kreativen Konzepten die Impfquote deutlich steigern können. Das kann aber nur gelingen, wenn die Politik jetzt schnell handelt.“

Ihm zufolge müssen Kommunikationsmaßnahmen und niedrigschwellige Impfangebote gerade für die 20- bis 50-Jährigen flankiert werden. „Um den Fake News der Impfgegner etwas entgegenzusetzen, muss die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf einzelne Zielgruppen zugeschnittene Informationsangebote entwickeln“, schlägt der Bundesärztekammer-Chef vor. „Denkbar wären zum Beispiel Kooperationen mit Influencern in den sozialen Medien. Geschulte Teams sollten mit Impfmobilen in die Kieze gehen und (...) direkt Impfangebote machen.“ Sobald die Impfzentren geschlossen würden, sollten „als Ersatz mehr Pop-Up-Impfstellen (...) aufgebaut werden“, so Reinhardt.

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Auch Susanne Johna, die Vorsitzende des Marburger Bundes, fordert einen „neuen Schub in der Impfkampagne“. Wichtig sei vor allem eine zielgruppenspezifische Ansprache. „Man muss die Sorgen, die es gibt, ernst nehmen und ihnen mit klaren Fakten begegnen. Es sind vor allem in sozialen Medien viele Fehlinformationen und Mythen im Umlauf“, beobachtet die Medizinerin. „Darauf muss die Kampagne eine Antwort haben. Je konkreter und anschaulicher die Aufklärung stattfindet, umso mehr Menschen werden sich auch überzeugen lassen.“ Laut Johna wird eine Aktionswoche allein nicht reichen, die vielen Unentschlossenen zu überzeugen.

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