• Startseite
  • Politik
  • Impfstart in Deutschland: Ab 27. Dezember sollen mobile Teams in Pflegeheimen impfen

Impfstart in Deutschland mit mobilen Teams in Pflegeheimen

  • Die Kanzlerin beglückwünscht das Unternehmen Biontech zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19.
  • Voraussichtlich ab dem 27. Dezember können die Impfungen in Deutschland beginnen.
  • Die Kommunen stellen sich darauf ein, dass zuerst mobile Teams in die Pflegeheime gehen und dort impfen.
Alina Stillahn
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Am Ende will Kanzlerin Merkel von Biontech-Unternehmensgründer Ugur Sahin wissen, wann er denn die Entscheidung getroffen habe, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Die Antwort seiner Frau, Geschäftspartnerin und wissenschaftlichen Mitstreiterin Özlem Türeci beeindruckt sie. Sahin hat am 24. Januar morgens am Frühstückstisch nach Lektüre der Berichte aus Wuhan analysiert, dass eine Pandemie kommen werde und dass sein Unternehmen von der Forschung zu Krebsmedikamenten mit aller Kraft auf die Entwicklung eines Impfstoffes umschwenken solle.

Die Kanzlerin beglückwünscht den Wissenschaftler und sagt sie sei „mächtig stolz“, dass es in Deutschland solche Forscher gebe. Sie unterstreicht die Bedeutung dessen, was das noch junge Unternehmen geleistet hat: „Wenn wir sehen, wie viele Menschen im Augenblick an Corona sterben, dann weiß man, wie viel Leben das retten kann“, sagt sie in einer Videoschalte mit Biontech.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Nun steht der genbasierte Impfstoff kurz vor der Zulassung. In Deutschland und ganz Europa kann voraussichtlich am 27. Dezember mit den Impfungen gestartet werden. Genbasiert bedeutet, dass der Impfstoff den Körper anregt, selbst Antikörper gegen das Virus zu bilden. Die Verträglichkeit des Impfstoffes sei in einer klinischen Studie an 44.000 Freiwilligen erprobt worden, erläutert Türeci. Sie verweist auch darauf, dass bei den bisher 140.000 Geimpften in Großbritannien der Impfstoff sich als so verträglich erweise, wie die Studie dies gezeigt habe.

Schwere Nebenwirkungen bei Impfungen in USA und Großbritannien

Aus den USA und Großbritannien hingegen gibt es bereits Berichte von mehreren Fällen, bei denen kurz nach der Impfung schwere allergische Reaktionen aufgetreten sind. Die „New York Times“ berichtet von einer Frau aus Alaska, die eine schwere allergische Reaktion erlitt, nachdem sie mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft wurde. Wie die New York Times berichtet, waren bei ihr zehn Minuten nach der Impfung Atemnot, Hautausschlag und Herzrasen aufgetreten. Nachdem eine erste Behandlung die Symptome nur kurzfristig lindern konnte, musste die Frau auf die Intensivstation eingeliefert werden. Dort hatte sich ihr Zustand stabilisiert. Eine weitere Person, die im gleichen Krankenhaus geimpft wurde, wurde offenbar mit weniger schweren allergischen Symptomen in der Notaufnahme behandelt, aber danach entlassen.

In der vergangenen Woche war es in Großbritannien ebenfalls zu akuten allergischen Reaktionen bei zwei Mitarbeitern des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS gekommen. Beide schienen bereits zuvor eine Neigung zu solchen Reaktionen zu haben. Bei der Frau aus Alaska soll das aber nicht der Fall gewesen sein.

In Partnerschaft mit dem Arzneimittelriesen Pfizer wird Biontech den Impfstoff vertreiben. Ugur kündigte an, dass noch in diesem Jahr Hunderttausende Impfdosen an alle 27 EU-Staaten verteilt werden können. In Deutschland wurden mittlerweile rund 400 Impfzentren eingerichtet. Aus dem Stand werden sie aber nicht einsatzfähig sein. „Nach der Zulassung des Impfstoffs brauchen wir vier, fünf Tage, um die Impfzentren aus ihrem aktuellen Standby-Modus hochzufahren“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Diese Zeit brauche es, damit unter anderem die Dienstpläne für das Personal aufgestellt werden könnten und damit die Logistik anrollen könne. Die ersten Impfdosen werden in Deutschland wahrscheinlich nicht in den eingerichteten Zentren verimpft. „Wir gehen im Moment davon aus, dass erst einmal vor allem mobile Impfteams in Alten- und Pflegeeinrichtungen fahren, um dort besonders gefährdete Menschen zu impfen“, betonte Dedy.

Video
Corona: Biden will sich öffentlich impfen lassen
1:28 min
Für die Impfdiskussion in den USA ist es ein wichtiges Signal: Der gewählte US-Präsident Joe Biden will sich öffentlich impfen lassen.  © Reuters

Hausärzte besorgt über reguläre Versorgung

Dem Gesundheitswesen steht mit den Massenimpfungen der nächste Stresstest bevor. Bislang haben sich schon rund 10.000 Ärztinnen und Ärzte gemeldet, die bereit sind, die Impfungen gegen Covid-19 vorzunehmen. Der Hausärzteverband geht davon aus, dass ein Großteil davon aus ihren Reihen kommt. „Trotz der hohen Bedeutung der Impfungen für die Bevölkerung darf die reguläre Versorgung der Patientinnen und Patienten dabei nicht auf der Strecke bleiben“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk. Er betonte: „Das wird eine große Herausforderung, gerade weil bereits viele Praxen an der Belastungsgrenze arbeiten.“

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen