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  • Impfkampagne: Wäre eine Impflotterie auch in Deutschland denkbar?

Belohnung für den Piks? Impfen ist keine Lotterie

  • Die Impfkampagne lahmt – nur mit Aufklärung alleine können die Skeptiker nicht erreicht werden.
  • Brauchen wir staatliches Impfglücksspiel wie in den USA? Nein, kommentiert RND-Korrespondent Jan Sternberg.
  • Impfevents kann es gerne geben, die Erreichbarkeit muss im Vordergrund stehen.
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Abbigail Bugenske hat vor ein paar Wochen eine Million Dollar in der Impflotterie ihres Heimatbundesstaats Ohio in den USA gewonnen. Als der Gouverneur die 22-Jährige anrief, glaubte sie zunächst an einen schlechten Scherz.

Werden demnächst auch deutsche Ministerpräsidenten zum Telefon greifen, um deutschen Impflingen Lotteriegewinne zu verkünden? Die Impfkampagne in Deutschland lahmt, ebenso wie in den USA im Frühjahr. Brauchen wir nun auch hierzulande staatliches Glücksspiel, um die Skeptiker dazu zu bringen, ihre Oberarme freizumachen?

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Ständige Impfkommission: Impfung nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche
0:51 min
Mitglieder der Ständigen Impfkommission haben nun ihre Empfehlung für die Altersgruppe ab zwölf Jahren, sofern Vorerkrankungen vorliegen, abgegeben.  © dpa
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Die ersten Politiker wie Saarland-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) wünschen sich Impfgewinnspiele. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen fährt mit dem Impfmobil vors Einkaufszentrum, wer sich den Schuss abholt, bekommt einen Zehn-Euro-Gutschein für die Läden. Sachsen ist Schlusslicht in der Impfkampagne, der Anteil der Skeptiker besonders hoch. Da sind ungewöhnliche Aktionen nötiger als anderswo. Impfen als Event, vor dem Fußballstadion oder dem Einkaufszentrum, mit kleiner Gewinnchance, warum nicht? Das ist Imagearbeit, die auf jeden Fall besser funktioniert als die Plakate des Gesundheitsministeriums. Impfen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen, dafür sind kreative Kooperationen sinnvoll. Und ohnehin: Wir brauchen mehr Impfbusse in Brennpunkten, verbunden mit mehrsprachiger Aufklärung.

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Das Glücksspiel beim Impfen war in den vergangenen Monaten oft ein Geduldsspiel vor überlasteten Telefon-Hotlines und Buchungsseiten. Wer sich jetzt entscheidet, hat die freie Auswahl. Auch das muss besser kommuniziert werden.

Eine staatliche Impflotterie aber würde hierzulande sofort die Neider auf den Plan rufen. Klagen, Kleinreden, Imageschäden wären die Folgen. Wir sind hier nicht in Ohio, auch nicht in Saarbrücken.

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Apropos Ohio: Abbigail Bugenske, die Gewinnerin der „Vax-a-Million“-Lotterie, hat sich nicht wegen der Gewinnchance impfen lassen. Sie wollte nur ihr normales Leben zurück, sagte sie im Interview mit dem Fernsehsender CNN. Diese Aussicht ist nach wie vor für die meisten Gewinn genug.

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