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  • Impfgipfel: Zu wenig Corona-Impfstoff trotz positiver Bilanz der Impfkampagne

Dreh- und Angelpunkt bleibt der knappe Impfstoff

  • Bund und Länder ziehen eine positive Bilanz der Impfkampagne.
  • Die Vakzine sind aber immer noch knapp.
  • Dass auch ungeimpft Urlaub und Schulbetrieb möglich sein sollen, ist ein schwacher Trost, kommentiert Eva Quadbeck.
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Berlin. Das Signal, dass Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahre bereits im Juni geimpft werden können, ist nur zu begrüßen. Auch wenn die Ständige Impfkommission noch zögert, können nun doch Jugendliche gemeinsam mit ihren Eltern sowie Ärztinnen und Ärzten entscheiden, ob sie sich impfen lassen. Für viele Minderjährige gibt es dafür gute Gründe.

Das weniger gute Signal: Die Jugendlichen werden sich genauso gedulden müssen wie alle anderen Menschen ohne Priorisierung, bis sie einen Impftermin ergattern. Vor dem Hintergrund, dass eigentlich alles getan werden soll, um im kommenden Schuljahr wieder einen normalen Unterricht zu gewähren, dürfte in dieser Debatte noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.

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Sollte die Ständige Impfkommission doch noch das Biontech-Vakzin für die ab Zwölfjährigen empfehlen, sollten die Minderjährigen auch bevorzugt geimpft werden.

Es ist schon viel geschehen, aber nicht genug

Die Kanzlerin sowie die Regierungschefinnen und -chefs der Länder haben eine positive Bilanz der bisherigen Impfkampagne gezogen. Es ist in der Tat schon viel geschehen. Aber nicht genug. Dreh- und Angelpunkt dieser Ministerpräsidentenkonferenz war der immer noch knappe Impfstoff, hinter dem sich alle anderen Diskussionspunkte versammeln.

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Impfstoff für Schülerinnen und Schüler? Wenn genug da wäre, könnte man die Impfwilligen im Sommer mit Biontech schützen. Auffrischungen? Wenn es genug Impfstoff gibt, lässt sich das über Hausarztpraxen organisieren. Aufhebung der Priorisierung zum 7. Juni? Medizinisches Personal, das Spritzen setzen kann, gibt es genug. Auch die Organisation steht. Ein knappes Gut bleibt der Impfstoff.

Druck auf die Bundesregierung ist groß

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Dementsprechend groß ist der Druck auf die Bundesregierung, insbesondere auf die Kanzlerin und den Gesundheitsminister. Im zweiten Quartal werden voraussichtlich 17 Millionen Impfdosen weniger geliefert, als es ursprünglich vorgesehen war. Von den fest zugesagten 63 Millionen Impfdosen fehlen mit 33 Millionen noch mehr als die Hälfte, während schon zwei Monate des zweiten Quartals verstrichen sind.

Diese Bilanz ist gemessen an den Verheißungen für das zweite Quartal bescheiden. Und die Botschaft, dass man auch ohne Impfung urlauben kann, ist ein schwacher Trost. Mit Impfung ist so viel mehr möglich.

Beim digitalen Impfpass sieht es schlecht aus

So gut die Nutzung des vorhandenen Impfstoffs organisiert ist, so schlecht sieht es beim digitalen Impfpass auf. Darauf werden viele Geimpfte vermutlich länger warten müssen, als die Pandemie andauert. Auch dies gehört zu den vielen Punkten in der Pandemie, die zu spät angepackt wurden.

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Corona-Lage in Deutschland: Inzidenz sinkt auf 41
1:02 min
Am Donnerstagmorgen meldet das Robert Koch-Institut eine Sieben-Tage-Inzidenz von 41 sowie 6313 Neuinfektionen mit dem Coronavirus.  © dpa

Es ist ein Segen, dass die Corona-Inzidenzwerte inzwischen bundesweit sinken. Verantwortlich dürfte die Mischung aus der nach langem Zaudern eingesetzten Notbremse, aus Impfungen und aus der Jahreszeit sein.

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Die aktuell entspannte Lage erleichtert für Bund und Länder das Krisenmanagement und überdeckt, dass die Regierungschefinnen und -chefs im Umfang mit der Pandemie nicht wieder haben Tritt fassen können.

Die unrühmliche Sitzung, in der die Osterruhe über Nacht erfunden wurde und zwei Tage später wieder zurückgenommen werden musste, wirkt noch nach. Die peinliche Ministerpräsidentenkonferenz von damals hat das Misstrauen zwischen Union und SPD vertieft. Nun kommt noch der Wahlkampf hinzu, der die Kooperation über die Parteigrenzen hinweg erst recht erschwert.

Die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer in Bund und Ländern eint, dass sie von der Stimmung in der Bevölkerung abhängig sind. Und die Stimmung der Wahlberechtigten wiederum hängt maßgeblich vom raschen Erfolg der Impfkampagne und dem Ende der Pandemie ab. Die Regierung muss ihr Versprechen einlösen, bis zum Ende des Sommers allen Impfwilligen ein Angebot zu machen.

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