Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Impfgipfel bei Merkel – Realismus und keine Wunder

Kanzlerin Angela Merkel nach dem Impfgipfel.

Berlin. Der Impfgipfel von Bund, Ländern, der EU und Pharmafirmen ist zwar mit Blick auf den schleppenden Beginn der Impfungen ohne greifbare Ergebnisse geblieben, allerdings hat der zuvor aufgebaute Druck der Politik auf die Unternehmen Wirkung gezeigt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mehrere Pharmaunternehmen kündigten am Montag bereits vor dem Gipfel eine Erhöhung der Liefermengen für Europa und damit auch für Deutschland an. Nach einer neuen Prognose des Bundesgesundheitsministeriums sollen die ausgelieferten Impfstoffmengen auch dadurch in den kommenden Monaten spürbar steigen.

Das Ziel, mehr Zuverlässigkeit bei den Lieferangaben der Hersteller zu erhalten, wurde allerdings nicht erreicht. Vereinbart wurde aber die Erarbeitung eines nationalen Impfplans, um Ländern und Kommunen die Impfplanung zu erleichtern.

„Mehr Planbarkeit“

Merkel sagte nach den mehr als fünfstündigen Beratungen, besonders für die Länder sei ein „höchstes Maß an Planbarkeit“ wichtig. „Das Impfen ist ein großer Teil des Weges aus der Pandemie“, sagte sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der nationale Impfplan, den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zusammen mit den Ländern erarbeiten soll, werde dabei helfen, dass sich die Länder bei ihrem Einladungsmanagement besser auf die zu erwartenden Liefermengen einstellen könnten.

Merkel: Haben jetzt Berechenbarkeit bei Impfdosen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihr Versprechen erneuert, bis zum Ende des Sommers jedem Impfwilligen ein Angebot machen zu können.

Dieser Impfplan kann allerdings nicht sehr genau sein. Merkel und Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) äußerten vielmehr Verständnis für die Aussagen der Hersteller, wonach diese weiterhin keine genauen Angaben über längerfristige Liefertermine machen könnten, da es bei der Produktion zu viele Unwägbarkeiten gebe. Den Herstellern sei sehr klar gemacht worden, dass jede voraussagbare Woche gut sei, sagte Merkel.

Es sei aber auch verständlich, dass die Unternehmen nicht mehr zusagen wollten, als angesichts komplexer Prozesse redlich sei, sage Merkel. Ein Unternehmensvertreter wurde von Teilnehmern mit der Aussage zitiert, man habe auch keine Lust, wieder von der Politik öffentlich als Buhmann hingestellt zu werden, wenn eine Zusage nicht eingehalten werden könne.

„Keine Wunder“

Merkel sagte, aufgrund der Unsicherheiten werde man bei dem Impfplan auch „modellieren“ müssen. „Ich glaube, wir haben heute da auch ein Stück Realismus reinbringen können. Weil Wunder werden da jetzt nicht passieren“, sagte sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Kanzlerin wiederholte nach dem Gipfel ihre Aussage, wonach jedem Bürger bis zum Ende des Sommers – also bis zum Ende des dritten Quartals im September – ein Impfangebot gemacht werden könne Das gelte auch dann, wenn es keine weiteren Zulassungen gebe und es damit bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca bleibe.

Nach einer Übersicht des Gesundheitsministeriums werden unter diesem Bedingungen im laufenden ersten Quartal insgesamt 18,3 Millionen Impfdosen erwartet, im zweiten Quartal voraussichtlich 63,1 Millionen Dosen und im dritten Quartal 95,2 Millionen Dosen. Das würde tatsächlich reichen, die gesamte Bevölkerung – ohne Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre – zweimal zu impfen.

Wie entsteht ein Impfstoff?

Nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird unnachgiebig geforscht. Innerhalb von nur einem Jahr war bereits der erste Kandidat in der Zulassungsphase.

Erhalten die Hersteller Curevac und Johnson&Johnson wie erwartet bis Mai auch eine Zulassung, erhöht sich die Liefermenge laut Gesundheitsministerium bis Ende September um weitere 45 Millionen Dosen.

Mehr Lieferungen

Bereits vor dem Gipfel hatte der Hersteller Biontech angekündigt, im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die Europäische Union auszuliefern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch der Pharmakonzern Astrazeneca will nun doch mehr Impfstoff liefern. Im ersten Quartal kämen neun Millionen Dosen hinzu, insgesamt seien es also 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. Der Hersteller hatte vor gut einer Woche mitgeteilt, im ersten Quartal nur 31 Millionen statt 80 Millionen Dosen zu liefern.

Die Pharmariese Bayer und die Biotechnologiefirma Curevac kündigten zudem eine Erweiterung ihrer Anfang Januar geschlossenen Kooperation an. Konkret will Bayer 2022 rund 160 Millionen Dosen des Impfstoffes von Curevac herstellen. Angestrebt wird ein Start bereits Ende 2021.

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) kritisierte in der Videoschalte unter anderem Mecklenburgs Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD), es sei zu wenig und zu spät in die Produktion von Impfstoffen investiert worden.

Die Unternehmen wiesen das zurück. Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting sagte den Angaben zufolge, auch mit mehr Geld hätte man die Produktion nicht viel früher noch stärker hochfahren können.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Grünen übten scharfe Kritik an den Ergebnissen des Gipfels. Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem RND, nötig sei eine dauerhafte konzertierte Aktion, um die Impfstoffproduktion zu beschleunigen. „Der Markt richtet es gerade nicht allein“, sagte er. Die Bundesregierung muss jetzt sofort eine Task Force gründen. „Es braucht jetzt die Impf-Bazooka“, sagte er.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.