Impfdebatte in der Endlosschleife

  • Wie geht es weiter, wenn Herbst ist und immer noch nicht genug Leute gegen das Virus geimpft sind?
  • Die Debatte dreht die nächste Runde.
  • Armin Laschet lässt sich eine Hintertür offen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

eine untote Debatte läuft durchs Regierungsviertel. Wiederbelebt hat sie gestern Merkels Kanzleramtsminister Helge Braun, als er sagte: „Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte.“

In diesem kurzen Satz geht es um nicht weniger als den Kern der kompletten Corona-Strategie für Herbst und Winter:

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  • Wie lassen sich möglichst viele von einer Impfung überzeugen?
  • Und welche Folgen gibt es für jene, die sich nicht überzeugen lassen?

Armin Laschet, der vom Herbst an gern der Chef des Kanzleramts­ministers wäre, hat den Fokus gestern anders gelegt: „Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen“, entgegnete er. Was viele aber vielleicht überlesen haben, ist der folgende Satz, der im ZDF-Sommerinteview wenig später fiel: „Wenn wir dann im Herbst sehen, die Impfquote ist immer noch viel zu niedrig, finde ich, muss man dann weiter nachdenken. Aber nicht jetzt.“

„Hintertür“ nennt man so etwas. Und es ist schwer vorstellbar, dass ein Kanzler Laschet sie nicht nutzen würde, wenn er gegen Jahresende vor der Entscheidung stehen würde.

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Seine Vorsicht erklärt sich mit der Bedeutung der Frage nach dem richtigen Druck auf Impfunwillige. „Erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff“, erkennt mein Kollege Tobias Peter in seinem Kommentar. „Ein überschaubares Maß an Druck ist in einer so bedrohlichen Lage für die Gesellschaft zulässig“, meint er.

Braun hatte zu Protokoll gegeben, dass Ungeimpfte im Herbst womöglich nicht mehr in Discos feiern oder in Fußballstadien jubeln dürften – nicht einmal nach einem negativen Test. SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach sieht das ähnlich. Bald werde es keine andere Chance geben, „als den Zutritt zu Räumen, wo viele Leute eng zusammen­kommen, auf Genesene und Geimpfte zu beschränken“.

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Als Geimpfter oder Geimpfte fragt man sich, wer wirklich noch daran glaubt, dass wir eine ausreichende Impfquote erreichen werden, um das Virus und seine Mutanten ein für alle Mal einzudämmen. Dass der Punkt kommen wird, an dem die Entscheidung gegen eine Impfung individuelle Folgen haben wird, ist abzusehen.

Bis dahin wird sicher noch das ein oder andere Mal darüber diskutiert. Aber irgendwann wird Merkels Nachfolger oder ihre Nachfolgerin darüber mitentscheiden müssen. Die Argumente liegen auf dem Tisch. Nicht erst seit gestern.

Zitat des Tages

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14.15 Uhr: Hockey-Gruppenphase der Frauen – Deutschland trifft auf Indien

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Wer heute wichtig wird

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Ihr Christian Palm

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