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Impeachment-Prozess gegen Trump gestartet - unerbittliche Fronten

  • Die Demokraten versuchen erbittert, Einfluss auf den Ablauf des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Trump zu nehmen.
  • Doch im Senat sind ihnen die Hände gebunden.
  • So könnte der Prozess rasch und ohne neue Zeugen enden.
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Washington. Überschattet von Streit zwischen den politischen Lagern hat der inhaltliche Teil des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump begonnen. Der Senat kam dafür am Dienstag zusammen. Auf dem Programm stand die Verabschiedung der Regeln für das Verfahren. Ein Vorschlag des führenden Republikaners in der Kammer, Mitch McConnell, hatte bei den Demokraten für Empörung gesorgt - unter anderem, weil es keine Garantie dafür gibt, dass neue Zeugen gehört werden.

McConnell habe den Prozess bewusst so entworfen, um die Wahrheit vor dem Senat und dem amerikanischen Volk zu verbergen, erklärte die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Er wisse, dass das Fehlverhalten des Präsidenten nicht zu verteidigen sei und eine Amtsenthebung nötig mache. Sie sprach von Vertuschung.

Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, machte McConnell am Dienstag wegen des geplanten Vorgehens ebenfalls schwere Vorhaltungen. Die Resolution sei eine "nationale Schande" - sollte McConnell seinen Willen bekommen, werde dies der "womöglich düsterste Moment" in der Geschichte des Senates. Schumer kündigte an, Änderungsanträge einzubringen.

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Resolution bis kurz vor der Sitzung überarbeitet

Die vorbereitete Resolution wurde aber offenbar kurz vor Beginn der Sitzung am Dienstag überarbeitet. Sie hatte zunächst für die Eröffnungsplädoyers Marathonsitzungen von bis zu zwölf Stunden pro Tag vorgesehen. Damit wollten die Republikaner dafür sorgen, dass sich das Verfahren "in der Dunkelheit der Nacht" abspiele, hatte Schumer kritisiert.

Minderheitenführer Chuck Schumer von den Demokraten. © Quelle: imago images/UPI Photo

Eine neue Fassung der Resolution sah vor, dass die Anklagevertreter und Verteidiger jeweils 24 Stunden auf bis zu drei - statt zwei - Tage verteilt für ihre Eröffnungsplädoyers bekommen.

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So funktioniert das Impeachment-Verfahren
1:33 min
Die Demokraten im US-Kongress haben ein formelles Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump eingeleitet.  © RND

In dem Verfahren gegen Trump, das einem Gerichtsprozess ähnelt, nehmen die 100 Senatoren die Rolle von Geschworenen ein. McConnell sagte, die Resolution gewährleiste einen fairen Prozess. Über Zeugen solle erst später entschieden werden. Die Mehrheit für die Resolution stehe, und es gebe keinen Grund für den Widerstand der Demokraten gegen das Verfahren.

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Die Demokraten fordern, dass der Senat neue Zeugen hört und weitere Dokumente anfordert, die Trump belasten könnten. In der Frage gibt es seit Wochen Streit. Doch den Demokraten sind die Hände gebunden: Die Republikaner halten die Mehrheit im Senat und stehen geschlossen zusammen. Wenn das so bleibt, können sie das Vorgehen bestimmen.

Demokraten: Trump hat seine Macht missbraucht

Die Demokraten beschuldigen Trump des Machtmissbrauchs und der Behinderung der Ermittlungen des US-Repräsentantenhauses. Er soll den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Ermittlungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden gedrängt haben, um die US-Präsidentschaftswahl 2020 zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Sie sehen es als erwiesen an, dass Trump von der Ankündigung solcher Ermittlungen ein Treffen mit Selenskyj im Weißen Haus und die Freigabe von Militärhilfe für die Ukraine abhängig gemacht habe. Als das herausgekommen sei, habe Trump alles daran gesetzt, die Ermittlungen des Repräsentantenhauses zu blockieren.

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JOE BIDEN: Der demokratische Präsidentschaftsbewerber sieht Amerika in einem "Kampf um die Seele dieser Nation" und will Trump deswegen bei der US-Wahl 2020 herausfordern. Umfragen sehen im ehemaligen Senator und Vizepräsidenten den derzeit aussichtsreichsten Gegner Trumps, auch wenn der 76-Jährige bei Auftritten zuletzt immer wieder schwächelte. Trump bezeichnet ihn als "Sleepy Joe" - als "schläfrigen Joe". Unter Trumps Vorgänger Barack Obama war Biden von 2009 bis 2017 Vizepräsident.  @ Quelle: imago images / ZUMA Press

Seine Verteidiger argumentieren hingegen, Trump habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Sie dringen darauf, dass der Senat die Anklage gegen ihn rasch abweist. "Annahmen, Vermutungen und Spekulationen auf Grundlage von Hörensagen" seien das einzige, auf das sich die Demokraten beriefen.

Verteidiger erklärten komplette Anklage für ungültig

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Am Montag erklärten die Verteidiger praktisch die komplette Anklage für ungültig: Die Anklagepunkte seien nicht nur "dünn" und unspezifisch, sondern auch verfassungswidrig. Etwas bloß als Machtmissbrauch zu bezeichnen, "das reicht nicht aus", hieß es von Personen, die mit Trumps Rechtsteam zusammenarbeiten. "Es muss ein Verstoß gegen geltendes Recht vorliegen." Das Vorgehen der Demokraten könne das Präsidentenamt nachhaltig beschädigen und die Gewaltenteilung untergraben.

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Impeachment: Trumps Verteidiger kanzeln Anklage ab
1:16 min
Noch vor Beginn des offiziellen Amtsenthebungsverfahrens lehnen Trumps Anwälte die Anklagepunkte ab.  © dpa

Die US-Verfassung nennt als Gründe für ein Impeachment "Verrat, Bestechung oder andere schwere Verbrechen und Vergehen" - eine nähere Definition gibt es nicht. Machtmissbrauch sei sehr wohl ein Vorwurf, der ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertige, erklärten die Anklagevertreter. Für die Gründerväter sei Machtmissbrauch der "Inbegriff eines Verhaltens" gewesen, das mit einem Impeachment geahndet werden müsse. Trumps Fehlverhalten sei nicht zu verteidigen.

RND/cle/dpa