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Impeachment-Anhörung: Per Twitter pöbelt Trump wie ein Mafiapate

  • Die Anhörung der Ex-Ukraine-Botschafterin Marie Yovanovitch vor dem US-Kongress entwickelt sich zu einem denkwürdigen Ereignis.
  • Das liegt nicht nur an den Vorwürfen gegen Donald Trump, sondern auch am Verhalten des Präsidenten selbst.
  • Während die Sitzung noch läuft, greift Trump zum Handy und beschimpft die Zeugin.
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Washington. Die Frau spricht mit leiser Stimme. Das Mikrofon im Sitzungssaal 1100 des Longworth-Kongressgebäudes muss lauter gestellt werden. Marie Yovanovitch wurde im April offenbar auf Weisung von US-Präsident Donald Trump abrupt als Botschafterin in der Ukraine abgelöst. Nun soll sie dem Impeachment-Ausschuss Rede und Antwort stehen. Auf großen TV-Schirmen im Saal wird ein Auszug aus Trumps Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gezeigt: „Diese Frau ist bad news“, sagte der US-Präsident.

„Was haben Sie empfunden, als Sie das gehört haben?“, fragt der Ausschussvorsitzende Adam Schiff. „Ich war geschockt“, antwortet Yovanovitch. Und nach einer Pause setzt sie hinzu: „Ich war am Boden zerstört.“ Etwas später erklärte Trump in dem Telefonat, die Ex-Botschafterin werde einiges durchmachen. „Haben Sie das als Bedrohung empfunden?“, fragt Schiff. „Ja“, lautet die Antwort.

Für einen Moment ist man nicht sicher, ob man wirklich im ehrwürdigen Kongress der Vereinigten Staaten oder in einem Vorstadtkino sitzt, in dem der Mafiafilm „Der Pate“ gezeigt wird. Die Geschichte von Yovanovitch, die nach 33 untadeligen Jahren im diplomatischen Dienst abrupt abberufen wurde, obwohl das State Department ihr noch kurz vorher eine Verlängerung ihrer Amtszeit in Aussicht gestellt hatte, wurde in den vergangenen Wochen schon erzählt.

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Der Präsident greift zum Handy

Offenbar stand sie der neuen Ukraine-Politik des Weißen Hauses im Weg, die von den „Drei Amigos“ um Trump-Anwalt Rudy Giuliani bestimmt wurde und weniger die Unterstützung des Landes gegen Russland als die Unterstützung einer Verleumdungskampagne gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden zum Ziel hatte.

Doch es wird noch surrealer an diesem Freitagmorgen. Während nämlich Yovanovitch vor dem Ausschuss aussagt, twittert Trump im Weißen Haus und greift die Diplomatin scharf an. „Überall, wo Marie Yovanovitch hingegangen ist, ging es den Bach herunter. Sie hat in Somalia begonnen. Was ist daraus geworden?“, stichelt der Präsident.

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Wenige Minuten später unterbricht Schiff die laufende Befragung und weist darauf hin, dass sich Trump gerade geäußert habe. Plötzlich wird Geschichte in Realtime geschrieben. Viel spricht dafür, dass die Demokraten den Tweet später als weiteren Beleg für die versuchte Justizbehinderung durch den Regierungschef interpretieren wollen.

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Was sie zu dem Vorhalt sage, will Schiff von Yovanovitch wissen. Leider habe sie nicht die Macht, alle Konflikte der Welt zu lösen, antwortet die Diplomatin erst leicht ironisch. Doch ihre ruhige Fassade ist brüchig. „Was bedeutet das für Sie?“, hakt Schiff nach. „Das ist sehr beunruhigend“, antwortet die Zeugin mit dünner Stimme.