Im Corona-Krisenmodus: Wie Berlins Politiker Ostern feiern

  • Ein Osterfest wie dieses hat wohl noch keiner erlebt.
  • Besuche bei Verwandten, Spaziergänge mit Freunden oder das Osterfeuer - in diesem Jahr undenkbar.
  • Auch Politiker, die die Corona-Krise managen sollen, müssen umdenken.
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Berlin. Ausgangsbeschränkungen statt Auslandsreise oder Auszeit an der Ostsee - Ostern steht für die Berliner in diesem Jahr im Zeichen der Corona-Krise, auch für die Politiker. Anders als sonst sind Verwandtenbesuche und Treffen mit Freunden zum Brunchen oder Kaffeetrinken nicht drin. Das Osterprogramm hat angesichts weiter steigender Infektionszahlen enge Grenzen. “Ich werde mit meinem Krisenstab zusammen im Einsatz bleiben, aber ich freue mich sehr darauf, mit meiner Mutter zu telefonieren”, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zu ihren Plänen für die Ostertage. “Dank Videotelefon können wir uns zum Glück sehen.”

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Auch aus Sicht von Finanzsenator Matthias Kollatz ist es diesmal ein besonderes Osterfest. "Es findet unter Bedingungen statt, die uns allen viel abverlangen", sagt der SPD-Politiker. "Trotzdem freue ich mich auf die Aussicht, etwas freie Zeit zu haben." Mit seiner Partnerin und seinem kleinen Sohn will er die gemeinsame Zeit nutzen - für Eiersuchen im Innenhof des Hauses zum Beispiel und fürs Spazieren gehen.

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"Vielleicht schaffe ich es auch, ein bisschen Sport zu machen. Außerdem freue ich mich darauf, endlich mal wieder am Stück lesen zu können", so der Finanzsenator. "Ich habe mir für die Feiertage die Lektüre von Dror Mishanis "Drei" vorgenommen." Aus Sicht des Senators ein guter Krimi des israelischen Schriftstellers.

CDU-Fraktionschef hadert mit Besuch bei 93-jähriger Mutter

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger steht wie so viele andere Berliner vor der Gewissensfrage, ob er seine Mutter besuchen soll. Sie lebt in Fulda und ist gerade 93 Jahre alt geworden. “Ich ringe mit mir jeden Tag, es zerreißt mir das Herz, sie nicht persönlich sprechen und sie in den Arm nehmen zu können”, sagt er. Bisher habe er während der Corona-Krise jede körperliche Nähe zu ihr vermieden.

Überlegungen, sie mit Maske und unter strikter Einhaltung des Mindestabstands zu besuchen, hat Dregger immer wieder verworfen. Gesundheitsschutz vor allem für die ältere Generation habe für ihn weiter höchste Priorität. Davon abgesehen hoffe er noch auf die Gelegenheit, mit seiner Familie an den Feiertagen zu einem Gebet in die Kirche gehen zu können. Viele Kirchen sind in Corona-Zeiten geöffnet, allerdings finden dort keine Gottesdienste statt.

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Digital, klassisch oder romantisch: So machen Ostergrüße eine Freude
1:42 min
Freunde und Familie kommen nicht zu Besuch, nicht mal den Gottesdienst kann man besuchen - in diesem Jahr freut sich jeder über einen herzlichen Ostergruß.  © RND/Marie Schiller

Linke-Vorsitzende feiert Ostern per Videoschalte

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Die Linke-Vorsitzende Katina Schubert will den Kontakt zu Verwandten per Videoschalte halten. "Ich hoffe, dass es die Zeit geben wird, tatsächlich einmal ein bisschen durchzuatmen, viel spazieren zu gehen, Krimis zu lesen und den Garten schön zu machen, was halt so geht unter den Bedingungen von Kontaktarmut", sagt sie über ihre Osterpläne.

"Aber wer weiß, so richtig planen kann man zu den jetzigen Zeiten ja nicht. Auf jeden Fall werden wir wieder viel videotelefonieren mit der Familie, die wir sonst besuchen würden." Lesen steht ebenfalls auf dem Programm - Sozialsenatorin Elke Breitenbach habe ihr drei Krimis zukommen lassen. "Die würde ich gerne über Ostern schaffen, aber ohne Leistungsdruck."

Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreise der Liebsten

Auch bei den beiden Berliner Fraktionsvorsitzenden der Grünen ist das Osterprogramm diesmal überschaubar und konzentriert sich auf den engeren Kreis der Familie: Silke Gebel hat vor, mit ihrem Mann und ihren drei Kindern Ostereier im Kleingarten zu suchen und dann dort Unkraut zu jäten. Antje Kapek will mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern ebenfalls Ostereier suchen und dann ein Osterfrühstück machen. Die Lektürepläne sehen etwas anders aus als bei der Linke-Vorsitzenden: Kapek will mit ihren Kindern "Harry Potter" lesen.

FDP-Fraktionschef: “Niemand, der politische Verantwortung trägt, kann dieses Fest unbeschwert begehen”

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja hat für Ostern umgeplant: "Eigentlich ist dieses Fest für mich immer die Gelegenheit, im Kreise der Familie Zeit zu verbringen. Ich werde mit meiner Tochter Ostereier suchen, aber natürlich kann niemand, der politische Verantwortung trägt, dieses Fest unbeschwert begehen", sagt er.

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"In Gedanken werde ich bei all denen sein, die unter der Corona-Krise besonders zu leiden haben - den Kranken, ihren Angehörigen und allen, die mit ihrer Arbeit diese Gesellschaft am Leben erhalten." Die Politik müsse jetzt einen präzisen Fahrplan erstellen, wie die Stadt und die Wirtschaft schnell wieder auf die Beine kommen können. "Jeder Einzelne von uns hat Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen - deswegen wird dieses Osterfest ein besonders stilles."

RND/dpa

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