Ihr Globuli-Gläubigen, zahlt bitte selbst!

Viele Krankenkassen übernehmen anteilig die Kosten für homöopathische Mittel. Dabei ist die Wohlfühl-Medizin weitgehend wirkungslos – und das Geld der Beitragszahler könnte anderswo sinnvoller eingesetzt werden, kommentiert Christian Burmeister.

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Berlin. Die Homöopathie gibt es seit mehr als 200 Jahren – aber bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Globuli jenseits eines möglichen Placebo-Effekts eine Wirkung haben. Wer sich hingegen mit Augenproblemen plagt und eine Brille auf die Nase setzt, merkt innerhalb weniger Sekunden den eindeutigen Effekt. Wieso zahlen viele Krankenkassen also Globuli, aber in der Regel keinen Cent für eine Brille?

In Frankreich erstatten die Krankenkassen ab 2021 die Kosten für Homöopathie nicht mehr. In Großbritannien ist es schon heute so. Ein solcher Schritt ist auch im deutschen Gesundheitssystem überfällig. Sogar die Kassenärztliche Bundesvereinigung will es inzwischen nicht mehr verstehen, warum eine teure, gen Erdmittelpunkt geschüttelte Zuckerlösung weiter von der Solidargemeinschaft gezahlt werden soll.

Sanfte Heilung vs. „böse“ Pharma-Riesen

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Die Homöopathie erfreut sich vor allem deshalb großer Beliebtheit, weil sie eine „sanfte“ Heilung verspricht im Gegensatz zur bösen Pharma-Industrie, die mit ihren Chemiehämmern um sich wirft. Dass es die „Schul-Medizin“ und nicht die Homöopathie ist, die seit Jahrzehnten die Lebenserwartung der Menschen immer weiter steigen lässt, wird dabei meist ignoriert.

Es kann nicht sein, dass Kassenpatienten über ihre Beiträge gezwungen sind, für Arzneimittel zu zahlen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Damit hat die Homöopathie eine nicht zu rechtfertigende Sonderstellung. Andere Präparate werden ständig auf ihre Wirksamkeit hin geprüft und fliegen im Zweifel aus den Leistungskatalogen der Kassen.

Das Geld der Versicherten, das in die Homöopathie fließt wäre anderswo sinnvoller angelegt: beispielsweise im Kampf gegen Krankenhaus-Keime oder in der Antibiotika-Forschung. Deshalb: Wer Globuli schlucken will, soll das gerne weiter tun – aber dann auch selbst dafür bezahlen.

Von Christian Burmeister/RND