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Ibiza-Affäre: Protokolle zeigen, wie panisch Strache telefonierte

  • In der Ibiza-Affäre sind Telefon- und Chatprotokolle von Heinz-Christian Strache aufgetaucht.
  • Sie zeigen, dass der damalige österreichische Vizekanzler hektisch telefonierte, bevor das kompromittierende Video öffentlich wurde.
  • Offenbar versuchte Strache auch, belastende Unterlagen beiseitezuschaffen.
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Wien. Unmittelbar vor Bekanntwerden der Ibiza-Affäre in Österreich hat der damalige Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hektisch telefoniert und SMS-Nachrichten verschickt. Das belegen Telefonprotokolle, die dem österreichischen Magazin „Profil“ vorliegen und über die die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) und der „Spiegel“ berichten.

Die Protokolle betreffen den 15. Mai 2019, jenen Tag, an dem „SZ“ und „Spiegel“ einen Katalog von elf Fragen zu einem Treffen mit einer mutmaßlichen russischen Oligarchennichte auf Ibiza an Strache schickten. Laut „SZ“ stammen die Telefondaten aus der sogenannten Rufdatenrückerfassung, die von der Soko Ibiza im Zuge ihrer Ermittlungen angefordert worden waren.

Aus dem Protokoll geht hervor, dass Strache bereits 15 Minuten nach Erhalt der Anfrage von „SZ“ und „Spiegel“ bei Johann Gudenus anrief, jenem Mann, der mit ihm zusammen auf den Ibiza-Videos zu sehen ist. Das Telefonat dauerte zehn Sekunden. Insgesamt, so heißt es, habe Strache viermal versucht, Gudenus zu erreichen, es sei jedoch kein weiteres Gespräch zustande gekommen.

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Anrufe bei Milliardär Benko und Waffenhändler Glock

Kur danach telefonierte Strache mit Prominenten, die er in dem Ibiza-Video als FPÖ-Spender benannt hatte. Milliardär René Benko sowie die Waffenfabrikanten Glock. Außerdem versuchte er mehrmals, Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zu erreichen.

Laut Profil gibt es auch ein Chatprotokoll, in dem Strache am 16. Mai, einen Tag vor Veröffentlichung des Ibiza-Videos, einen Wiener Notar kontaktiert. „Hast du einen Safe in deinem Büro, wo ich heikle Unterlagen lagern kann?“, fragt er laut dem Magazin den Juristen Harald Stefan, einen Parteifreund, der ebenfalls für die FPÖ im Parlament sitzt. Ein „größerer Akt“ sei das, soll Strache geschrieben haben. Der Notar antwortete demnach: „Den kann ich gern verwahren. Wann?“

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Heinz-Christian Strache hat seine politische Karriere für beendet erklärt. Er strebe keine politischen Positionen mehr an, sagte er auf der Pressekonferenz.  © dpa
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Notar Stefan gab später an, in der Sache nichts mehr von Strache gehört zu haben. Die Staatsanwaltschaft fand bei einer Durchsuchung am 24. Oktober keine Unterlagen.

In dem heimlich aufgenommenen Ibiza-Video aus dem Sommer 2017 wirkte Strache im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchennichte anfällig für Korruption. Einen Tag nach der Veröffentlichung des Videos im Mai trat er von allen Ämtern zurück, bestritt aber die Vorwürfe. An der Ibiza-Affäre zerbrach im Mai 2019 die österreichische Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ.

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ani/RND