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„Der Tag“

Hybris in der Wüste, Hybris im Sumpf

Ein Bild, das um die Welt ging. Der damalige US-Präsident Donald Trump (rechts) und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi (links). Mit dabei ist der saudische König Salman.

Ein Bild, das um die Welt ging. Der damalige US-Präsident Donald Trump (rechts) und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi (links). Mit dabei ist der saudische König Salman.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

dass Länder ihre Hauptstädte auf dem Reißbrett planen, ist kein neues Phänomen. Abuja (Nigeria), Brasília (Brasilien), Islamabad (Pakistan) – die Liste ist lang. Und sie enthält keineswegs nur Entwicklungs- oder Schwellenländer. Auch Australiens Canberra oder die US-Hauptstadt Washington, D. C., sind Planstädte.

Dass bei den Planungen die Verhältnisse an Ort und Stelle, der Lebenswert der neuen Städte, nicht immer an erster Stelle der Überlegungen stehen, ist ebenfalls nicht untypisch. Washington, D. C., ist das beste Beispiel. Die Stadt entstand um 1800 mitten im Sumpfland am Potomac. Eine Tatsache, die das Stadtbild über Jahre und das Klima bis heute prägt. Und auch „drain the swamp“ (den Sumpf trockenlegen), der Spruch, mit dem Donald Trump im Wahlkampf sein Streiten gegen die „Korruption“ in Washington, D. C., verkaufte, ist ein bewusstes Wortspiel.

Träume eines Pharaos 2.0

Die Hybris, mit der Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi gerade seine neue Hauptstadt plant, scheint aber unübertroffen. Mehr als 60 Milliarden Euro soll die geplante 6,5-Millionen-Stadt mitten in der Wüste vor Kairo kosten.

663 Krankenhäuser, 1250 Moscheen, 2000 Schulen, 40.000 Hotelzimmer, 1,1 Millionen Wohnungen – dazu ein Disney-Freizeitpark, viermal so groß wie der in Kalifornien, und ein internationaler Flughafen, größer als London-Heathrow. Die Stadtteile verbinden soll ein Park, doppelt so groß wie New Yorks Central Park. Dazu ein künstlicher Fluss, 35 Kilometer lang – obwohl weit und breit keine natürliche Wasserquelle vorhanden ist.

Ausländische Besucherinnen und Besucher sind auf der Riesenbaustelle unerwünscht, wie Patrick Hoffmann feststellen musste. Ein kurzer Spaziergang im geplanten Regierungsviertel wird jäh gestoppt von einem Mann in dunklem Anzug und mit schwarzer Sonnenbrille. Dennoch gelingt Hoffmann eine eindrückliche Beschreibung des Großprojekts im Wüstensand, bei dem unklar ist, wer dort überhaupt leben soll. Jeder dritte Ägypter lebt von weniger als einem Dollar am Tag – die anvisierten Wohnungspreise sind für einen großen Teil der Bevölkerung unerreichbar.

Das Geld für die neue Hauptstadt kommt übrigens zu großen Teilen aus China. Und es ist nicht mal das einzige Großprojekt Ägyptens.

Gesetzesbruch und doch kein Schaden?

FBI findet Dokumente der Kategorie „Top Secret“ bei Donald Trump

Den Angaben zufolge seien bei der Durchsuchung des Anwesens in dieser Woche elf als vertraulich gekennzeichnete Dokumentensätze sichergestellt worden.

Apropos Hybris: In den USA hat der Generalstaats­anwalt den Durchsuchungsbefehl für die Villa des Ex-US-Präsidenten Donald Trump freigegeben. Auch die Klassifizierung der bei Trump gefundenen Dokumente ist öffentlich einsehbar.

Mit dabei sind Schriftstücke, die von den Behörden als „Top Secret“ eingestuft wurden. Ihre Mitnahme aus dem Weißen Haus verstößt gleich gegen mehrere gesetzliche Regelungen in den USA. Selbst seine Anwälte arbeiten offenbar nicht sauber. Ein Trump-Vertreter soll falsche Angaben über den Verbleib von Geheimdokumenten gemacht haben. Die Fundstücke der Durchsuchung vom vergangenen Montag widerlegen seine Angaben.

Und dennoch ist noch keineswegs gesagt, dass dies Donald Trump wirklich schaden wird. Bereits jetzt ist die mediale Schlacht um die Bedeutung der Ermittlungen und der Durchsuchungs­ergebnisse entbrannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Fakten in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Gerade in den USA und gerade, wenn Donald Trump involviert ist.

Der Tag

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Zitat des Tages

Wir warnen die Amerikaner vor den nachteiligen Folgen solcher Maßnahmen, die die bilateralen Beziehungen dauerhaft schädigen werden.

Alexander Dartschiew,

Abteilungsleiter für Nordamerika im russischen Außenministerium, droht mit dem Abbruch aller Beziehungen zu den USA.

 

Leseempfehlungen

Satanische Verse: Durch seinen Roman „Die satanischen Verse“ wurde Salman Rushdie bei religiösen Fanatikern zum meistgehassten Autor. Doch geht es dem bei einem Messerattentat schwer verletzten Schriftsteller nicht um Gotteslästerung, sondern um Aufklärung. Gerade deshalb sehen Fundamentalisten in ihm eine Bedrohung, schreibt Stefan Stosch.

Schwere Jahre: Die Pubertät beginnt nicht erst in dem Moment, von dem an Bartflaum, Körperbehaarung und Pickel sprießen: Tatsächlich zeichnet sie sich oft schon in der Grundschule ab. Pubertätsexperte und Kabarettist Matthias Jung verrät, welche Signale es gibt, warum die Phase so wichtig für die Eltern-Kind-Beziehung ist und wie das Auskommen mit dem renitenten Nachwuchs gelingt (+).

 

Aus unserem Netzwerk: Koffersuche am Flughafen

Noch nie war die Wahrscheinlichkeit so hoch, dass das Gepäck beim Flug verloren geht, wie diesen Sommer. Auch am Flughafen Hannover herrscht diesbezüglich Chaos. Nun soll eine neue Servicestelle helfen – über die dürfen Reisende selbst nach dem verschollenen Koffer suchen, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

 

Wer heute wichtig wird

Wer ist der stärkste Mann Deutschlands? Das ist heute wieder die Frage in Gera. Im vergangenen Jahr hat Dennis Kohlruss den Strong-Man-Titel gewonnen.

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Paul Berten

 

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