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Wachsender Hunger: Müller fordert mehr Geld für Uno-Ernährungsprogramm

  • Die Zahl der Hungernden weltweit steigt, insbesondere wegen explodierender Nahrungsmittelpreise infolge der Pandemie und politischer Krisen.
  • Doch das Uno-Welternährungsprogramm bekommt nicht ausreichend Geld.
  • Entwicklungsminister Müller mahnt die Staatengemeinschaft, die Lücke in Milliardenhöhe zu schließen.
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Berlin. Angesichts der weltweit wachsenden Zahl von Hungernden, insbesondere durch steigende Nahrungsmittelpreise, hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, die milliardenschweren Finanzlöcher beim Welternährungsprogramm der Uno zu schließen. „Das Welternährungsprogramm, für Millionen Menschen die letzte Rettung vor dem Verhungern, hat einen Bedarf von 15 Milliarden US-Dollar – davon haben die Staaten aber gerade einmal die Hälfte bereitgestellt“, sagte Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das dürfen wir nicht hinnehmen“, mahnte der CSU-Politiker.

Deutschland zahlt rund 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr

Müller sagte, Deutschland gehe als zweitgrößter Geber für das Welternährungsprogramm (WFP) schon heute voran. Nach Angaben des Ministeriums überwies Deutschland im vergangenen Jahr an das WFP die bisherige Rekordsumme von 1,056 Milliarden Euro. Das waren rund 200 Millionen Euro mehr als 2019.

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Zahl der Hungernden auf der Welt steigt stärker an
1:22 min
Kriege, Dürren, Plagen und die Corona-Pandemie begünstigen Elend, Hunger, Armut und grassierende Krankheiten in der Welt. Experten warnen vor dem Wachstum.  © Reuters

Der Entwicklungsminister betonte, nicht nur die Pandemie lasse die Nahrungsmittelpreise steigen. Andere Krisen, wie der Klimawandel und politische Konflikte, verstärkten diese Entwicklung.

Gründe für Preisanstieg sind vielfältig – Müller spricht von „Polypandemie“

„So verbinden sich Corona, der Klimawandel und Konflikte immer mehr zu einer Polypandemie“, so Müller. Es müsse jetzt nicht nur darum gehen, die Pandemie zu besiegen. Es seien auch Investitionen in die Ernährungssicherung notwendig, in eine nachhaltige Landwirtschaft und eine funktionierende ländliche Entwicklung, forderte der Entwicklungsminister.

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Was wächst hier noch? Ein Landarbeiter im Süden von Madagaskar. © Quelle: WFP

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen hatte zuvor wegen gestiegener Nahrungsmittelpreise vor einem Mangel an Essen für Millionen von Menschen gewarnt. „Wir haben bereits Konflikte, Klima und Covid-19, die zusammenarbeiten, um mehr Menschen in Hunger und Elend zu treiben. Jetzt haben sich die Nahrungsmittelpreise dem tödlichen Trio angeschlossen“, sagte Chefökonom der Organisation, Arif Husain, in Rom.

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WFP geht im Jahr 2021 von 40 Prozent mehr Hungernden aus

Den größten Preisanstieg registrierten die WFP-Experten im Nahen Osten. In Syrien ist dem WFP-Marktmonitor zufolge der Durchschnittspreis für Speiseöl von März bis Mai um 58 Prozent im Vergleich zu den drei vorangegangenen Monaten geklettert. Im Libanon, wo eine schwere Wirtschaftskrise herrscht, stieg der durchschnittliche Preis für Weizenmehl in diesem Zeitraum um 50 Prozent.

Auch in vielen afrikanischen Staaten sowie in Ländern Südamerikas stiegen die Preise für Nahrung kräftig. Das WFP geht von 270 Millionen Menschen aus, die 2021 akut an Hunger leiden oder davon stark gefährdet sein werden. Das entspräche einem Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Bedford-Strohm: Jeder Mensch unendlich kostbar

„Dass wir es noch immer nicht geschafft haben, den Hunger auf der Welt zu überwinden, obwohl genügend Nahrungsmittel für alle zur Verfügung stünden, gehört für mich zu den größten moralischen Skandalen unserer Zeit“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Jeder Mensch ist geschaffen zum Bilde Gottes. Und deswegen ist auch jeder Mensch unendlich kostbar. Wir müssen den Kampf gegen den weltweiten Hunger verstärken. Wir alle können viel dazu beitragen, indem wir fair einkaufen und Verantwortung in globalen Lieferketten übernehmen. Diese Verantwortung tragen Unternehmen, die Politik, aber auch alle Verbraucherinnen und Verbraucher.“ Nur dann bekämen Menschen weltweit faire Chancen darauf, von den Löhnen ihrer Arbeit auch ihre Familien ernähren zu können, so Bedford-Strohm.

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