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Hunderte Fälle von Diskriminierung gegen Sinti und Roma in Berlin

  • Die Dokumentationsstelle Antiziganismus meldet Hunderte diskriminierende Vorfälle gegen Sinti und Roma in Berlin seit 2015.
  • Im vergangenen Jahr sei die Zahl zwar leicht zurück gegangen.
  • Die Dokumentationsstelle und der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt sprechen dennoch von einem “besorgniserregend hohen Niveau”.
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Berlin. Die Zahl antiziganistischer Vorfälle in Berlin ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Besonders bei Behörden, auf der Straße und im Alltag erlebten zugewanderte Roma aus Rumänien, Bulgarien und den Westbalkanstaaten immer wieder Rassismus und Diskriminierung, sagte Georgi Ivanov von der Dokumentationsstelle Antiziganismus (Dosta) des Vereins Amaro Foro am Dienstag in Berlin. Unter dem Begriff Antiziganismus versteht man die Feindschaft gegenüber Sinti und Roma.

Die Dokumentationsstelle, die ab 2014 aufgebaut wurde, nennt zwischen 2015 und 2018 insgesamt 588 entsprechende Vorfälle, davon 161 im vergangenen Jahr. Die Mehrheit (61 Prozent) erlebten die Betroffenen demnach auf Ämtern (216 Fälle) oder im Alltag und im öffentlichen Raum (140 Fälle). An dritter Stelle rangierte mit 60 Fällen der verwehrte Zugang zu Bildung.

Diskriminierung durch Behörden

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So sei einer Roma-Familie aus Serbien von einer Sachbearbeiterin auf dem Sozialamt gesagt worden: "Ich will deine Unterlagen nicht sehen, ich will mit Zigeunern nichts zu tun haben." In einem anderen Fall hätte sich das Sozialamt trotz eines Gerichtsbeschlusses geweigert, die Kosten für die Unterbringung einer obdachlosen Mutter mit Kindern zu übernehmen und sie aufgefordert, nach Rumänien zurückzukehren.

Drei Frauen in langen Röcken sei von Sicherheitsmitarbeitern der Zugang zu einem U-Bahnhof verwehrt worden mit der Begründung, sie wollten betteln und würden die Menschen belästigen. Eine Schulsekretärin hätte in einem weiteren Fall gegenüber einer Sozialarbeiterin, die einen Roma mit seinem Sohn bei der Schulanmeldung begleitete, gesagt, sie solle ihre Taschen zumachen, "da schon mal was geklaut wurde, als Kinder ohne Deutschkenntnisse angemeldet wurden". Einer schwangeren Roma-Frau empfahl eine Ärztin in einem Berliner Krankenhaus laut Angaben der Dokumentationsstelle, sich mit dem Kaiserschnitt gleich sterilisieren zu lassen.

Weiterlesen: Weniger antisemitische Vorfälle in Berlin

Dokumentationsstelle geht von hohem Dunkelfeld aus

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Da von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden müsse, seien die vorgelegten Zahlen nicht repräsentativ, sagte Ivanov. Sie böten aber einen tiefen Einblick in die Funktionsweise rassistischer Abwertungen und Ausschlüsse. "Wir erleben immer mehr, dass Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund unter Generalverdacht zu stehen scheinen, bei den Leistungsbehörden, in Schulen, bei den gesetzlichen Krankenkassen, am Arbeitsplatz oder bei Justiz und Ordnungsbehörden", kritisierte der Amaro Foro-Vorstand.

Einen wichtigen Hintergrund dieser Vorfälle bildeten dabei politische und mediale Debatten, sagte Projektmitarbeiterin Andrea Wierich. Die Hemmschwelle, sich antiziganistisch zu äußern, sei immer geringer.

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Justizsenator spricht von "besorgniserregend hohem Niveau"

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sprach von einem "besorgniserregend hohen Niveau". Keine andere Minderheit sei in Europa so stark von Benachteiligung und Diskriminierung betroffen wie Sinti und Roma. Die Arbeit der Dokumentationsstelle helfe hoffentlich, ein neues Bewusstsein über die Allgegenwärtigkeit des Antiziganismus zu entwickeln. Die Stelle wird von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung gefördert. Bundesweit weist der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma immer wieder auf Diskriminierungsfälle hin.

Lesen Sie auch: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert Sat.1 für Dokumentation

RND/epd

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