Landesminister Aiwanger wirft Grünen „Mobbing gegen Männer“ vor – Kritik von Söder

  • Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) arbeitet sich an den Grünen ab.
  • In einer anderen Sache erhält er Ermahnungen von Regierungschef Söder.
  • Dabei geht es um umstrittene Äußerungen in der Corona-Politik.
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München. Der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, wirft den Grünen mit ihrer Gleichstellungspolitik ein „Mobbing gegen Männer“ vor.

„Bei denen muss man sich schon dafür entschuldigen, ein Mann zu sein. Die Grünen praktizieren keine Gleichberechtigung, sondern Mobbing gegen Männer“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“.

Die Grünen seien zu einer Partei der Intoleranz geworden, so Aiwanger. „Fleischessen verteufeln, kein Autofahren, Klima, Klima, Klima. Wir brauchen jedoch pragmatische Lösungen statt schlechtes Gewissen und Zukunftsangst.“

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Strukturelle Benachteiligung von Frauen abbauen

Um die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Politik abzubauen, schlug Aiwanger vor: „Man kann zum Beispiel die Termine von Parteiveranstaltungen familiengerechter legen und Frauen noch mehr animieren, sich auch für eine Kandidatur bereit zu erklären. Viele Frauen haben mehr auf dem Kasten als Männer, die große Reden schwingen. Nur sind Frauen oftmals zurückhaltender. Sie gehen Auseinandersetzungen oft aus dem Weg und Männer drängen sich vor. Das müssen wir in der Politik berücksichtigen.“

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Man könne Frauen gezielt fördern, aber eine Quote sei isoliert gesehen falsch.

„Alte weiße Männer“ – Rassismus in Reinform

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Den Begriff „alte weiße Männer“, mit dem Kritiker eine aus ihrer Sicht privilegierte Stellung der Bevölkerungsgruppe beanstanden, bezeichnete Aiwanger als „Rassismus in Reinform“. Man dürfe Männern kein schlechtes Gewissen machen, nur weil sie Männer sind. „Das ist Intoleranz gegenüber Männern.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat derweil seinen Vize scharf gerügt und ihn aufgefordert, sich für umstrittene Äußerungen in der Corona-Politik zu entschuldigen. Aiwanger hatte in der Diskussion über möglichen politischen Druck auf Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, zuletzt vor einer „Apartheidsdiskussion“ gewarnt und damit zuletzt schon viel Kritik auch aus der CSU auf sich gezogen.

Söder greift ein

Nun sah sich auch Söder selbst, der zuletzt geschwiegen hatte, zu einer Intervention genötigt: Das seien „verstörende Aussagen“, die für einen stellvertretenden Ministerpräsidenten unangemessen seien, sagte Söder am Samstag auf dem Bezirksparteitag der Oberbayern-CSU in Unterhaching bei München. Aiwanger solle die Wortwahl zurücknehmen und sich dafür entschuldigen, verlangte der Regierungschef.

Aiwanger hatte angesichts der Kritik an seiner Wortwahl schon vor einigen Tagen deutlich gemacht, dass er sich missverstanden fühlt. „Ich habe davor gewarnt, dass wir durch eine unüberlegte Vorgehensweise in der Impfpolitik den Impfgegnern Munition liefern und in eine Apartheidsdiskussion geraten“, erklärte er. Er habe damit nicht sagen wollen, dass Unterschiede zwischen Geimpften und Nichtgeimpften mit der Apartheid verglichen werden könnten.

Die Apartheidspolitik war ein international weitgehend geächtetes Vorgehen der weißen Bevölkerungsminderheit vor allem gegen die schwarze Mehrheit in Südafrika, aber auch gegen andere Ethnien.

RND/dpa

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