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G7-Gipfel im eigenen Golfresort dürfte Trump finanziell gelegen kommen

  • US-Präsident Donald Trump will den nächsten G7-Gipfel in sein Golfresort nach Miami holen.
  • Das käme ihm wohl gerade recht. Denn das Hotel kämpft mit wirtschaftlichen Problemen.
  • Der Protest fällt deutlich aus.
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Washington. Im Sommer ist es unerträglich schwül und heiß. Nachmittags entladen sich kräftige Gewitter. Manchmal zieht auch ein Hurrikan vorbei. Doch für Donald Trump ist das Doral-Resort in Miami trotzdem perfekt. „Es ist die beste Wahl“, schwärmte der US-Präsident beim G7-Gipfel in Biarritz: „Es ist ein großartiger Ort.“ Deshalb solle dort 2020 der nächste Gipfel stattfinden.

„Ich liebe die Lage dieses Hotels“, schwärmte er gleich in zwei Pressekonferenzen. Der Flughafen sei nah, die Anlage riesig, die Szenerie großartig: „Wir können da alles machen, was gebraucht wird.“

„Das Doral steht im Feuer“

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Ein paar kleine Details freilich verschwieg Trump. Das ungünstige Sommerwetter ist noch der kleinste Haken. Das Resort mit seinen 643 Zimmern gehört nämlich zufälligerweise ihm, und die Anlage scheint unter finanziellen Problemen zu leiden. Derzeit verramscht sie ihre Zimmer für 127 Dollar die Nacht. „Das Doral steht im Feuer“, hatte Trumps Sohn Eric im vergangenen Jahr gestanden. Ein Berater der Trump-Organisation meldete den lokalen Behörden, das Resort bleibe deutlich „hinter den Erwartungen zurück“.

Darauf deuten auch die Geschäftszahlen hin, die „Washington Post“ und „New York Times“ ausgegraben haben. Zwar liefert die Anlage mit rund 50 Millionen Dollar immer noch den größten Umsatzbatzen zu Trumps Geschäftsimperium. Das Betriebsergebnis fiel aber von 13,8 Millionen Dollar im Jahr 2015 auf 4,3 Millionen Dollar zwei Jahre später.

Regelmäßige Gäste berichteten den Zeitungen, dass das Fitnesscenter und der Golfplatz deutlich weniger besucht sind als früher. Außerdem gibt es nach Informationen der Nachrichtenagentur AP eine lange Liste von Mitgliedern, die ausgetreten sind und seit Jahren auf die Rückzahlung ihrer Kaution warten.

G7-Gipfel käme gerade recht

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Da käme ein Mammutereignis wie ein G7-Gipfel wohl gerade recht. Zwar hat sich Trump mit der Übernahme der Präsidentschaft aus dem Betrieb seiner Hotels zurückgezogen und verpflichtet, die mit ausländischen Regierungen erzielten Gewinne zu spenden, doch ist er weiterhin Eigentümer, und bei der Berechnung des Profits gibt es reichlich Spielräume. „Ich will damit kein Geld machen“, versichert Trump. Das kann man glauben oder nicht.

Ethikexperten in den USA jedenfalls sehen in der Verquickung von Amts- und Geschäftsinteressen einen eklatanten Verstoß gegen die sogenannte Nebenerwerbsklausel in der US-Verfassung, die Präsidenten die Annahme von ausländischen Zuwendungen verbietet. „Das ist ein Ethikverstoß hoch zwei“, sagte Kathleen Clark von der Washington School of Law in St. Louis.

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„Trump nutzt sein Amt, um seine Taschen zu füllen“

„Das ist unvereinbar mit dem Geist und dem Buchstaben der Verfassung“, protestierte auch der Ethik-Experte Deepak Gupta in der „New York Times“. „Trump nutzt sein Amt, um seine Taschen auf Kosten des amerikanischen Volkes und unseres Ansehens in der Welt zu füllen“, empörte sich der demokratische Senator Ron Wyden.

Ob der Protest der Verbündeten genauso laut ausfällt, wird sich zeigen. Zumindest die deutsche Kanzlerin Angela Merkel befindet sich in einem Dilemma: Trump hatte das Resort 2012 nämlich für 125 Millionen Dollar mit einem Kredit der Deutschen Bank gekauft. Laut AP war die Anlage Ende des vorigen Jahres noch mit zwei Hypotheken über 75 Millionen Dollar belastet.

RND/Karl Doemens