Hongkonger Demonstranten singen für die Demokratie

  • In Hongkong demonstrieren seit Monaten viele Menschen für die Demokratie.
  • Immer wieder kommt es dabei zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, China sind die Proteste ein Dorn im Auge.
  • Doch die Demokratiebewegung lässt sich nicht unterkriegen und greift nun zu kreativen Mitteln.
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Hongkong. Nach monatelangen Protesten gegen die politische Führung Hongkongs suchen die Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungszone nach neuen Formen des kreativen Widerstands. Tausende versammelten sich am Mittwochabend den dritten Tag in Folge in verschiedenen Einkaufszentren der Metropole und stimmten spontan das Protestlied "Glory to Hongkong" an. Anders als bei einigen Straßenprotesten in letzter Zeit blieb es dabei friedlich.

Von wem "Glory to Hong Kong" stammt, ist nicht bekannt, doch seit das Lied Ende August erstmals bei einer Kundgebung erklang, wurde es schnell zur Hymne der Protestbewegung. Der Songtext handelt von der Selbstverpflichtung der Aktivisten, weiter auf demokratische Freiheiten zu pochen - auch wenn die Hongkonger Regierung unlängst ein Gesetz zur Auslieferung Verdächtiger an Festlandchina kassiert hat, das die Proteste überhaupt erst ausgelöst hatte.

"Glory to Hongkong"

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Im Einkaufszentrum New Town Plaza im Bezirk Sha Tin schwärmten rund 2000 Menschen in mehrere Stockwerke aus, skandierten Parolen und sangen dann leise "Glory to Hongkong", etliche weinten und reckten dabei ihre Hände in die Höhe. Viele blickten auf ihre Handys, um von dort den Text abzulesen. Zu sehen waren Familien mit kleinen Kindern, Studenten und Rentner, und die meisten hatten keine Schutzmasken, wie sie die Demonstranten auf den Straßen üblicherweise tragen. Das Einkaufszentrum ist direkt mit einer U-Bahn-Station verbunden, wo die Polizei am vergangenen Sonntag Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt hatte, nachdem einige von ihnen randaliert hatten.

Die örtlichen Medien zeigten Aufnahmen von solchen Gesangseinlagen in mindestens sieben anderen Einkaufszentren sowie außerhalb einer U-Bahn-Station. Die Treffen wurden über Online-Aufrufe organisiert. Polizei war nicht zu sehen und die Sänger zerstreuten sich nach dem Lied wieder friedlich.

Neben "Glory to Hongkong" sangen die Demonstranten in den vergangenen Monaten auch das christliche Lied "Sing Hallelujah to the Lord" und "Do You Hear the People Sing?" aus dem Musical "Les Misérables", in der Originalversion "À la volonté du peuple".

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Hongkonger Protestbewegung hat inoffizielle Hymne
1:04 min
Es begann als Werk eines unbekannten Komponisten im Internet - nun ist es die inoffizielle Hymne der Protestbewegung in Hongkong.  © AFP
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Parallel dazu wollen die Demonstranten ihre regulären Straßenproteste fortsetzen, stoßen dabei aber immer wieder auf Widerstand der Behörden. Eine für Sonntag geplante Großkundgebung wurde verboten, aus Sicherheitsbedenken, wie es am Donnerstag von der Polizei hieß. Die Protestbewegung kündigte an, dagegen Protest einzulegen. Auch eine Demonstration am 31. August war von der Polizei verboten worden, aber es marschierten dennoch Tausende durch die Stadt. Am Abend kam es zu Ausschreitungen.

Die Demonstranten wollen nach der Rücknahme des Auslieferungsgesetzes unter anderem erreichen, dass sie die politische Führung Hongkongs direkt wählen können, ohne Vorgaben aus Peking. Am Donnerstag versammelten sich in einem Einkaufszentrum im Zentrum auch mehrere hundert Gegendemonstranten. Sie sangen die chinesische Nationalhymne und schwenkten die chinesische Flagge.

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RND/AP