Hongkonger Aktivist Joshua Wong zwischenzeitlich festgenommen

  • Er gilt als einer der führenden Köpfe der Hongkonger Demokratiebewegung. Nach Angaben auf seinem Twitter-Account war er nun festgenommen worden.
  • Inzwischen befindet er sich wieder auf freiem Fuß, wie er dem RND bestätigte.
  • Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin sieht in der Verhaftung dennoch einen Rechtsbruch und ruft die Bundesregierung zum Handeln auf.
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Hongkong. Der Hongkonger Aktivist Joshua Wong ist zwischenzeitlich festgenommen worden. Wie es auf seinem Twitter-Account heißt, sei dies geschehen, als er sich auf der Zentralen Polizeistation gemeldet habe. Die Festnahme steht demnach im Zusammenhang mit einem Protest im vergangenen Oktober, bei dem er gegen das damals geltende Vermummungsverbot verstoßen haben soll.

Inzwischen befindet er sich wieder auf freiem Fuß. Wong bestätigte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die Freilassung. Er müsse sich in einer Woche vor Gericht verantworten, fügte er hinzu. Seine Vertrauten sagten zudem, er wolle später vor dem Polizei-Hauptquartier in Hongkong Fragen beantworten.

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China hatte Ende Juni ein hoch umstrittenes Sicherheitsgesetz für Hongkong verabschiedet. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die China als subversiv, separatistisch oder terroristisch ansieht. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff in Hongkongs Autonomie und gibt Chinas Staatssicherheit weitreichende Vollmachten.

Hongkongs demokratische Opposition geht davon aus, dass das Gesetz auf sie abzielt. Mehrere bekannte Anhänger der Protestbewegung waren bereits vor einigen Wochen festgenommen und später gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Andere prominente Anhänger der Demokratiebewegung haben Hongkong vorsorglich verlassen.

Video
Videobotschaft von Wong nach kurzzeitiger Festnahme
1:27 min
Der Hongkonger Aktivist Joshua Wong ist zwischenzeitlich festgenommen worden. Am Donnerstag meldete er sich per Videobotschaft.  © RND

Jürgen Trittin fordert Deutschland zum Handeln auf

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Der grüne Bundestagsabgeordnete und Außenpolitiker Jürgen Trittin nannte die Festnahme von Joshua Wong einen “weiteren Schlag ins Gesicht der Demokratiebewegung in Hongkong”.

“Es ist klar, worum es geht: um Einschüchterung und Repression”, sagte Trittin dem RND. Erneut sei das von China entwickelte und völkerrechtlich verbindliche Prinzip “Ein Land - Zwei Systeme” von Peking mit Füßen getreten worden, so der Grüne. “Es geht nicht um Recht, sondern um das Recht des Stärkeren. Die fortgesetzten Repressionen brauchen eine klare europäische Antwort. Deutschland hat in seiner Ratspräsidentschaft dafür eine klare Verantwortung”, mahnte Trittin.

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Im vergangenen Jahr hatte es große Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegen den zunehmenden Einfluss Pekings gegeben.

Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China war Hongkong autonom mit eigenen Freiheitsrechten regiert worden. Aus Sicht von Kritikern bedeutet das Staatssicherheitsgesetz das Ende des seit 1997 verfolgten Grundsatzes “ein Land, zwei Systeme”.

RND/das/dpa/jps/sgey

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