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Werbung für Konversionstherapie? Grüne zeigt Bund katholischer Ärzte an

  • Grünen-Politikerin Ulle Schauws hat am Freitag Strafanzeige gegen den Bund Katholischer Ärzte (BKÄ) gestellt.
  • Ihr Vorwurf: Der BKÄ werbe auf seiner Homepage offen für Konversionstherapie.
  • Der Leiter der Ärzteinitiative, Gero Winkelmann, will nichts davon wissen.
Sabrina Lösch
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Berlin. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen-Fraktion Ulle Schauws hat Strafanzeige gegen den Bund Katholischer Ärzte (BKÄ) gestellt. Außerdem verfasste Schauws einen Brief an die Bundesärztekammer und das Bundesgesundheitsministerium mit dem Ziel, berufsrechtliche Schritte gegen die Ärzteinitiative und insbesondere Gero Winkelmann einzuleiten. “Wir haben nun ein Gesetz, das solche lebensgefährlichen Therapien verbietet”, sagte Schauws dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Im Mai hatte der Bundestag das Verbot von Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten gegen Homosexualität beschlossen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wird den Fall untersuchen, sobald er dort offiziell eingegangen ist. Bis zum Dienstagnachmittag war dies noch nicht der Fall, teilte Sprecher Stefan Stöhr dem RND mit.

Schauws betonte, in ihrer Position sehe sie sich in der Verantwortung, alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung zu schützen. “Es macht mich fassungslos, dass es immer noch Ärzte gibt, die es wagen, Menschen öffentlich zu diskriminieren.”

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Auf Twitter schrieb Ulle Schauws am Freitag, dass der BKÄ “Heilung durch Konversionsbehandlungen anpreist” und “auf widerwärtigste Weise LGBTIQ als ‘Leidende’ mit ‘psychischem Defizit’ verunglimpft”. Außerdem wirft die Politikerin dem BKÄ vor, Homosexualität als “Erkrankung” und “psychisches Defizit” bezeichnet zu haben. Inzwischen sind solche Formulierungen auf der Homepage nicht mehr auffindbar, dem RND liegen jedoch Screenshots der Homepage vom 9. September vor, die das belegen (unter anderem Screenshot 3).

Demnach rief der BKÄ bis vor Kurzem auf seiner Homepage auf, ein “Netzwerk Hilfe bei Homosexualität” zu gründen und suchte aktiv nach Therapeuten zur “Behandlung bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen” (Screenshot 1 und 2).

Screenshots der Homepage vom Bund Katholischer Ärzte am 9. September 2020. © Quelle: Screenshot
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Screenshot der Homepage vom Bund Katholischer Ärzte vom 9. September 2020.
Screenshot der Homepage des Bundes Katholischer Ärzte vom 9. September 2020. © Quelle: Screenshot
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Gero Winkelmann, Leiter und Initiator des Katholischen Ärztebundes wollte sich auf RND-Anfrage nicht ohne Rechtsbeistand äußern. Auch seinen Anwalt möchte er nicht zu Wort kommen lassen, solange dem BKÄ die Strafanzeige nicht vorliege. “Wir warten und beten dafür, dass die Wahrheit gesagt wird", sagte Winkelmann und verwies auf die “Aktualisierungen” auf der Homepage der Initiative.

Online hat der BKÄ hingegen bereits auf die Strafanzeige reagiert. “Wir können nicht schweigen. Strafandrohungen ändern die ganze Situation nicht,” heißt es auf der Homepage. Ulle Schauws' Vorwurf, Werbung für Konversionstherapien zu betreiben, verneint der Bund Katholischer Ärzte.

Für Schauws zeigt die Anzeige damit bereits erste Erfolge. “Offensichtlich hat die Strafanzeige vom letzten Freitag Wirkung gezeigt und der BKÄ distanziert sich nun von den sogenannten Konversionsbehandlungen, für die sie noch bis zum letzten Wochenende geworben hat”, sagt sie. “Für mich zeigt das, dass der jahrelange Kampf mit dieser Scharlatanerie erste Erfolgte zeigt, aber sicher noch nicht zu Ende ist.”

Dennoch finden sich auf der Homepage weiter Formulierungen wie diese: “Der BKÄ ist aufmerksam und widersetzt sich politischen und gesellschaftlichen Strömungen, die die Homosexualität verharmlosen und deren Folgen nicht wahr haben wollen.” Außerdem behandle der Arbeitskreis Homosexualität “das brisante Thema Homosexualität aus ärztlich-christlicher Sicht”. Gerechtfertigt wird der Arbeitskreis unter anderem mit dieser Aussage: “Analsex wird auch in der Homöopathie als pathologisch und heilbar betrachtet”.

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Der Weltärztebund hatte bereits 2013 Konversionstherapien als Menschenrechtsverletzung bezeichnet und sie als mit ärztlichem Handeln unvereinbar erklärt, heißt es auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums. Sämtliche bekannte Studien verdeutlichten, dass die sexuelle Orientierung mit derartigen Behandlungen nicht verändert werden könne. Wissenschaftlich nachgewiesen seien dagegen mögliche Gesundheitsschäden durch solche Therapien, teilt das Ministerium weiter mit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zudem klargestellt, Homosexualität sei ebenso wie Transsexualität keine Krankheit.

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