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  • Hohe Corona-Infektionszahl bei Lehrern: Gewerkschaft gibt Ländern Schuld

Gewerkschaft gibt Ländern Schuld an hohen Infektionszahlen unter Lehrern

  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht den Bundesländern Vorwürfe in der Corona-Bekämpfung an Schulen.
  • Die Landesregierungen trügen die Schuld an der hohen Infektionszahl unter Lehrern, sagte GEW-Vorsitzende Malis Tepe nach Beratungen der Kultusministerkonferenz.
  • Die Kultusminister wollen die Schulen weiter so lange wie möglich offen halten.
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Berlin/Mainz. Nach den Beratungen der Kultusminister an diesem Donnerstag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Landesregierungen die Schuld an erhöhten Infektionszahlen unter Lehrern und an absehbaren Schulschließungen gegeben. Sie sei „enttäuscht und verärgert, dass die Kultusministerinnen und -minister nicht den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Leopoldina gefolgt sind und rechtzeitig auf Wechselunterricht umgestellt haben”, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Nun müssen Schulen geschlossen und offenbar auch die Weihnachtsferien verlängert werden. Mit anderen Worten: Jetzt zahlen die Lehrkräfte sowie die Schülerinnen und Schüler die Rechnung”, kritisierte Tepe. „Das Recht auf Bildung wird eingeschränkt. Das trifft ganz besonders die Kinder und Jugendlichen, die ohnehin schon benachteiligt sind.”

Minister wollen Schulen in Corona-Pandemie offen halten

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In der Beratung hielt die Mehrheit der Ministerrunde an der Linie fest, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Teilnehmerkreise. Ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht soll es in einzelnen Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen geben. Die letzte Entscheidung für weitere Maßnahmen zum Schulunterricht soll dem nach nicht bei den Bildungsministern liegen, sondern der Ministerpräsidentenkonferenz vorbehalten sein.

Die GEW-Chefin forderte die Kultusministerien auf, für einen besseren Gesundheits- und Infektionsschutz zu sorgen und zu ermöglichen, dass die Abstands- und Lüftungsregeln auch in den Schulen eingehalten werden. „Der Infektionstand bei Lehrkräften ist alarmierend”, so Tepe. So liege der Inzidenzwert in Sachsen mehr als dreimal so hoch wie in der Bevölkerung im Freistaat insgesamt. „Die Lehrkräfte müssen jetzt die Zeit bekommen, den Unterricht für verschiedene Szenarien vorzubereiten, damit die Schule im Januar weitergehen kann – vom Präsenz- bis zum Distanzunterricht.”

Gewerkschaft spricht von alarmierendem Infektionsstand bei Lehrern

Auch die digitale Infrastruktur der Schulen müsse verbessert und IT-Administratoren eingestellt werden, forderte die Lehrergewerkschaft. „Die Kultusministerien müssen sich von ihrer Fixierung auf Prüfungen und Tests sowie das Durchpauken von Stoffplänen lösen”, sagte GEW-Chefin Tepe dem RND. „Für Abschlussklassen müssen die Anforderungen neu definiert werden. Der Druck, der auf den Schülerinnen und Schülern lastet, muss reduziert werden.”

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Die Kultusminister hatten nach den Sommerferien mit Blick auf die Erfahrungen der Schulschließungen im Frühjahr immer wieder betont, den Präsenzunterricht möglichst aufrechterhalten zu wollen. Diese Linie gerät nun zunehmend in die Kritik. An diesem Donnerstag berieten die Landesminister in einer Videokonferenz auch über die Corona-Maßnahmen vor Ort. In Sachsen wurden wegen der hohen Infektionszahlen bereits für die kommende Woche wieder Schulschließungen wie im März angekündigt. Die Mehrheit der Ministerrunde vertrete weiter die Linie, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.

Mehr wissenschaftliche Expertise in der Bildungspolitik

Auf der Tagesordnung der zweitägigen Videokonferenz der Kultusminister unter dem Vorsitz der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) standen auch Vorbereitungen für die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz: Ursprünglich als Bildungsrat geplant, soll diese Kommission mit Bildungswissenschaftlern besetzt werden, die die künftige Gestaltung der Bildungspolitik der Länder mit wissenschaftlicher Expertise begleiten sollen.

Außerdem wollten sich die Teilnehmer der KMK-Sitzung mit dem Bedarf der Einstellung von Lehrern bis 2020 befassen und dazu Modellrechnungen der Länder betrachten. Schließlich sollte auch die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zur KMK-Präsidentin für das kommende Jahr gewählt werden.

RND/qua/sgey/dpa

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