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  • Hofreiter in der Kritik nach Äußerungen zu Einfamilienhäusern

Nein zu Einfamilienhäusern? Hofreiter-Interview löst Kritik aus

  • Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat den Bau von immer mehr Einfamilienhäusern kritisiert.
  • Sie seien ökologisch problematisch und oft auch keine Wertanlage.
  • Der Städte- und Gemeindebund warnt hingegen vor Verboten, der Hauseigentümerverband ebenso.
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Berlin. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, lehnt politischen Druck auf Besitzer von Einfamilienhäusern oder Menschen, die eines bauen wollen, ab. „Wir sollten den Menschen nicht mehr Vorschriften machen als unbedingt nötig”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ein Verbot von Einfamilienhäusern ist ein falsches Signal.

Dies gilt umso mehr, als wir eine zunehmende Tendenz feststellen, dass die Menschen aus den Ballungsräumen heraus wieder mehr in die ländlichen Regionen wollen. Gerade für Familien mit Kindern ist das Einfamilienhaus eine wichtige Perspektive.”

Eigentümerverband kritisiert Grüne

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Der Präsident des Hauseigentümerverbandes Haus & Grund Deutschland, Kai Warnecke, sagte dem RND: „Das Einfamilienhaus ist der Traum von über 80 Prozent aller Menschen in diesem Land. Ein Traum, der aus Sicht von Haus & Grund keiner bleiben, sondern in Erfüllung gehen soll.“ Aber immer mehr Politiker der Grünen stellten das Einfamilienhaus infrage und verböten es sogar, wie zum Beispiel in Hamburg. „Diese ideologiegetriebene Politik ist der falsche Weg, denn ein Einfamilienhaus kann sehr wohl energieeffizient und altersgerecht sein”, sagte Warnecke weiter. „Deshalb sollte das Einfamilienhaus eine Zukunft haben.”

Beide reagierten damit auf jüngste Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter. Er hatte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” gesagt: „Einparteienhäuser verbrauchen viel Fläche, viele Baustoffe, viel Energie, sie sorgen für Zersiedelung und damit auch für noch mehr Verkehr.” In Städten gebe es außerdem „gigantische Wohnungsnot”, in anderen Regionen dagegen rausche der Wert von Häusern „in den Keller”. Der Grünen-Politiker warnt daher davor, in manchen Regionen auf Immobilien als Altersvorsorge zu setzen. „Das Haus als Rentengarantie ist dort ein gefährlicher Mythos.”

Um zu verhindern, dass neue Baugebiete in ländlichen Regionen vor allem an Ortsrändern entstehen, forderte Hofreiter mehr Rechte für Kommunen. „Ich finde es richtig, dass die Gemeinde im Notfall auch enteignen darf, wenn Besitzverhältnisse unklar sind oder sich Erbengemeinschaften streiten und deshalb ein Dorfkern verödet oder Wohnraum nicht geschaffen werden kann”, sagte er.

Das Baukindergeld der Bundesregierung sei falsch; es sei ein Fehler, „das Besitzen von Wohnraum so unkonditioniert staatlich zu finanzieren”. Stattdessen solle der Staat Steuergeld verwenden, „um bei den Mieten Abhilfe zu schaffen”. Ein Verbot von Einfamilienhäusern hatte Hofreiter aber nicht gefordert.

In Hamburg ist der Bau neuer Einfamilienhäuser teilweise verboten. Der Leiter des Bezirks Hamburg-Nord, Michael Werner-Boelz (Grüne), hatte bei seinem Amtsantritt im Februar 2020 erklärt, kein neues Einfamilienhaus in seinem Bezirk mehr zulassen zu wollen.

Hofreiters Äußerungen waren bereits bei Union und FDP auf Kritik gestoßen. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, sagte in Anspielung auf Debatten wie über den Veggie Day: „Da ist sie wieder, die Verbotspartei.”

Der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, unterstützte Hofreiter hingegen. “Man muss den Flächenverbrauch reduzieren, aus sozialen Gründen und aus Gründen des Klimaschutzes”, sagte er dem RND. “Deshalb können wir mit den Einfamilienhäusern nicht so weiter machen wie bisher. Wir sollten stattdessen in den Städten verdichten und Grundstücke so bebauen, dass mehr Wohnungen rauskommen – vor allem mehr bezahlbare Wohnungen.”

Die Zahl der Einfamilienhäuser in Deutschland lag 2016 bei 12,5 Millionen; neuere Angaben sprechen von über 15 Millionen.

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