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Hofreiter: Bau von Eigenheimen in bestimmten Gebieten nicht zulassen

  • In Hamburg-Nord hat ein grüner Bezirksamtsleiter entschieden, dass in neuen Bebauungsplänen keine Einfamilienhäuser mehr vorgesehen sind.
  • Grünen-Fraktionschef Hofreiter verteidigt das Vorgehen.
  • Er argumentiert mit der Klimakrise und der wachsenden Wohnungsnot.
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Berlin. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hält es für sinnvoll, in bestimmten Regionen den Bau von Einfamilienhäusern nicht zuzulassen. „Einparteienhäuser verbrauchen viel Fläche, viele Baustoffe, viel Energie, sie sorgen für Zersiedelung und damit auch für noch mehr Verkehr“, sagte Hofreiter dem Magazin „Spiegel“.

Zudem gebe es in den Städten eine „gigantische Wohnungsnot und explodierende Preise“. Andererseits verfielen manche Dörfer. „Um für alle bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müssen die wenigen Flächen, die es gibt, bestmöglich genutzt werden. Das ist eine zentrale soziale Frage, gerade in unseren Großstädten“, betonte der Grünen-Politiker.

Hintergrund der Äußerungen ist die Entscheidung eines grünen Bezirksamtsleiters in Hamburg-Nord, wonach keine Einfamilienhäuser mehr in neuen Bebauungsplänen vorgesehen sind.

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Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Hofreiter sagte, in Hamburg koste ein allein stehendes Haus im Schnitt über 800.000 Euro. „Wenn Kommunalpolitiker sagen, wir wollen uns darum bemühen, dass normale Menschen mit einem Durchschnittseinkommen sich künftig auch eine Wohnung leisten können, kann man das diskreditieren, aber ich finde, da blickt man sehr herab auf Menschen mit normalem Gehalt“, sagte Hofreiter zu der Entscheidung seines Parteikollegen.

Hofreiter fragte: „Wie viele Einfamilienhäuser stehen in Berlin-Mitte?“ – und gab die Antwort selbst: „Kaum eines.“ Als er Gemeinderat in Sauerlach gewesen sei, habe man im Ortskern ein Gebiet ohne Einfamilienhäuser ausgewiesen. Bürgermeister sei ein CSU-Mann gewesen. „Deswegen jetzt zu sagen, die CSU habe das Einfamilienhaus verboten, wäre albern“, verteidigte sich Hofreiter.

Mehr Rechte für Kommunen

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Der Grünen-Fraktionschef plädiert dafür, den Kommunen mehr Rechte zu geben, um sinnvoll mit Bauland umzugehen. „Aktuell ist es sehr leicht, am Ortsrand neue Baugebiete auszuweisen, und schwer, das im Zentrum zu tun, selbst wenn dort viel leer steht“, sagte er. „So entstehen Donut-Dörfer, außen prall, innen hohl, mit Siedlungen am Rand und einer kaputten Tankstelle als traurigem Rest im Kern“, meinte der Grünen-Politiker. Daran hat aber kein Gemeinderat Interesse. „Viele Bürgermeister, auch aus der CDU oder der CSU, sagen mir, sie brauchen mehr Rechte.“

Kritik an den Äußerungen kam unter anderem von der SPD. „Die Grünen sind an Populismus und Scheinheiligkeit wieder einmal nicht zu überbieten“, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol dem „Spiegel“. Natürlich brauche es mehr Innenentwicklung und Nachverdichtung in Städten und Gemeinden, anstatt auf die grüne Wiese auszuweichen.

Bartol kritisierte aber, dass Hofreiter auf Bundesebene „populistisch die vollständige Abkehr vom Einfamilienhaus“ fordere, während das grün regierte Baden-Württemberg einer der Spitzenreiter dabei sei, den schnellen Bau von Einfamilienhäusern im Außenbereich zu ermöglichen. Zudem habe Hessens grüner Bauminister Tarek Al-Wazir im Bundesrat gegen die Erleichterung von Baugeboten gestimmt.

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