Hoffnungsschimmer für die ganze Welt

  • In Deutschland endet am Montag die Impfpriorisierung, ein nächster Schritt in Richtung Herdenimmunität.
  • Der Kampf gegen Corona aber lässt sich nur weltweit gewinnen. Noch gibt es in den armen Ländern nur sehr wenig Impfstoff, doch die Hilfe des Westens läuft jetzt an.
  • Wir haben viel nachzuholen, kommentiert Jörg Kallmeyer
|
Anzeige
Anzeige

Deutschland macht am Montag einen großen Schritt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie: Die Bevorzugung von Älteren und Vorerkrankten beim Impfen fällt weg. Ab Montag ist jeder dran, der will. Theoretisch jedenfalls. Der Impfstoff ist weiter knapp. Es könnte wieder ein großes Durcheinander beim Anmelden geben, die Wartelisten werden immer länger. Und dennoch: Wer die Priorisierung aufheben kann, steht – weltweit betrachtet – auf der Seite der Privilegierten. In Deutschland wird bald die Hälfte der Bevölkerung die erste Impfung haben, in großen Ländern auf der armen Seite der Welt gibt es eine Quote von nicht einmal 3 oder 4 Prozent.

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die Teilung der Welt in Arm und Reich in diesem Fall auch für die Privilegierten gefährlich werden könnte. Was nutzt eine Herdenimmunität in Europa, wenn das Virus ein paar Tausend Kilometer entfernt immer weiter mutiert, dann irgendwann als besonders gefährliche Variante bei uns auftaucht und den Impfschutz aushebelt?

Der Westen hat viel wiedergutzumachen

Es ist also durchaus viel Eigennutz im Spiel, wenn sich die reiche Welt jetzt generös zeigt. Die USA haben lange Zeit Impfstoffe gehortet, doch jetzt – in Zeiten des eigenen Überflusses – spendet US-Präsident Joe Biden fast 80 Millionen Dosen. Wie dies geschehen soll, lässt aufhorchen: Biden verteilt seine Spende nicht an politische Freunde, sondern steckt den größten Teil ins internationale Covax-Programm. Diese Initiative geht zurück auf die von Donald Trump so verschmähte Weltgesundheitsorganisation WHO und will vor allem für eine gerechte Verteilung der Vakzine in aller Welt sorgen. Sie kämpft nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen Ungleichheit, gegen Korruption und politische Vetternwirtschaft.

Sollte es ausgerechnet in der Corona-Krise, in der so viel Egoismus zutage getreten ist, am Ende eine Rückkehr zu gemeinsamen internationalen Problemlösungen geben? Covax weckt jedenfalls Hoffnungen. In dieser Woche sind bei einer Geberkonferenz der westlichen Staaten zusätzliche 2,4 Milliarden für das internationale Impfprogramm zusammengekommen. Bisher hat der Westen zwar Geld in das Projekt gesteckt, zugleich aber den Covax-Verantwortlichen die Impfstoffe vor der Nase weggekauft. Nun will Deutschland bis zum Jahresende 30 Millionen Impfdosen abgeben. Die nahende Vollversorgung macht es möglich.

Der Westen hat einiges nachzuholen – und wiedergutzumachen. Viel zu lange hat man es China überlassen, in vielen Teilen der Welt den Retter zu spielen und dabei seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss auszubauen. Der Westen sollte jetzt mit aller Kraft gegenhalten. Es muss darum gehen, Menschen, ganzen Staaten zu helfen. Ohne Gegenleistung.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen