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  • Hochwasserkatastrophe – Laschet in der Kritik: „Sie werden es bei der Wahl merken“

Bei Besuch im Hochwassergebiet: Betroffene werfen Laschet Versagen vor

  • NRW-Ministerpräsident und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat am Montag erneut das Hochwassergebiet aufgesucht.
  • Diesmal sprach er mit Betroffenen in Swisttal.
  • Dabei bekam der Kanzlerkandidat der Union viele Vorwürfe zu hören.
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Swisttal-Odendorf/Berlin. Bei einem Ortsbesuch im Hochwassergebiet von Swisttal im Rhein-Erft-Kreis ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schwer unter Beschuss geraten. Beim Gang des Unionskanzlerkandidaten durch die zerstörten Straßen entlud sich am Montag, zweieinhalb Wochen nach Beginn der Unwetterkatastrophe, der Ärger vieler Anwohner über fehlende Hilfe vor Ort.

Bislang habe er weder Hilfe von der Landesregierung noch von der örtlichen Verwaltung gesehen, klagte ein Mann. Stattdessen hätten junge Leute beim Aufräumen geholfen. Auch ein anderer Mann schimpfte über „riesengroße Versager“ und drohte – auch in Laschets Richtung: „Sie werden es bei der Wahl merken.“ Am 26. September ist Bundestagswahl.

Eine aufgebrachte Frau fragte den Ministerpräsidenten: „Haben Sie schon mal eine Woche im Schlamm gebuddelt?“ Und ein Mann beklagte eine Verunsicherung der Bevölkerung in der Unwetternacht durch falsche Warnungen vor einem angeblich bevorstehenden Bruch der Steinbachtalsperre über Facebook. Dies wäre zu verhindern gewesen, wenn die Gemeinde aktuelle Informationen auf ihrer Seite gehabt hätte, sagte er. Dies habe es aber nicht gegeben – auch keine Alarmierung. Inzwischen hat Latschet reagiert und gibt sich verständnisvoll: “Ich wäre auch aufgewühlt”, sagte er.

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„Wir brauchen schnelle Lösungen“

Patrick Richelt, Vorstand eines Kindergartens in Swisttal-Heimerzheim, klagte: „Infrastruktur im Dorf haben wir nicht mehr. Alle kleinen Geschäfte, alle Familienunternehmen im Dorf – das ist alles abgesoffen. Wir haben keine Schule mehr.“ Laschet müsse jetzt konkrete Hilfe ankündigen. „Er muss. Wir müssen in die Pötte kommen. Nicht das übliche Genehmigungsverfahren von zig Monaten. Wir brauchen schnelle Lösungen“, sagte Richelt.

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Laschet sagte, es gebe eine Menge Aufgaben. Es sei sehr berechtigt, dass die Betroffenen nach Worten nun auch Taten erwarten. „Wir haben gesagt, wir brauchen schnelle Soforthilfe.“ Das müsse möglich sein. Entweder überwiesen oder, wenn es nicht anders möglich sei, mit Bargeld. Bund und Land arbeiteten auf Hochtouren am Wiederaufbau.

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Laschet würdigt Einsatz der Helfer

Laschet versicherte mehrfach, er sei vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Ziel sei es, noch einmal zu hören, woran es hakt, sagte er. Er wolle später einen größeren Zeitplan nennen. Überall habe er gehört, welches große ehrenamtliche Engagement da war, als die Not am größten war.

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Er dankte allen, die sich engagiert haben, und würdigte ihren Einsatz. Mit Blick auf die schwer getroffene Schule in Swisstal sagte Laschet, die Kinder hätten es verdient, „dass wir alles tun“. Sie dürften nicht auseinandergerissen werden, wenn in zwei Wochen der Schulstart anstehe. Doch die technischen Voraussetzungen dafür müssten erst geschaffen werden. Das gehe nicht in „ein, zwei Tagen“. Er appellierte zudem an die Betroffenen, durchzuhalten.

Sondersitzungen des Landtags in NRW

Der nordrhein-westfälische Landtag soll indes nächste Woche zu zwei Sondersitzungen zusammentreten. In einem am Montag übermittelten Brief an Landtagspräsident André Kuper, der der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf vorliegt, schrieb Laschet, die Landesregierung mache von ihrem Recht Gebrauch, eine unverzügliche Einberufung des Landtags zu beantragen.

„Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung und des Leids, das die Unwetterkatastrophe vom Juli über unser Land gebracht hat, rege ich einen gemeinsamen Gedenkakt von Landesregierung und Landtag an“, begründete Laschet seinen Vorstoß. Für ein erstes Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe biete sich der 9. August an. Dazu sollten auch Vertreter der zahlreichen Hilfsorganisationen als Gäste eingeladen werden, schrieb Laschet.

Am 10. August könne dann über die weitere Bewältigung der Hochwasserkatastrophe beraten werden. Er wolle den Landtag im Vorfeld der anstehenden Beratungen der Länderregierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterrichten.

RND/dpa/cz

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