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  • Hochwasserkatastrophe: Armin Laschet besucht überflutete Orte und sichert Hilfe zu

Laschet vor Ort im Hochwassergebiet: „Dramatische Lage“

  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich im besonders betroffenen Altena persönlich einen Überblick über die Hochwasserkatastrophe verschafft.
  • Er sprach von einer „dramatischen Lage“.
  • Viele Spitzenpolitiker reagierten erschüttert.
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Berlin/Altena. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat das vorausschauende Handeln der Verantwortlichen in Hagen während der Hochwasserkatastrophe gelobt. In Hagen seien schon Vorbereitungen für den Krisenstab getroffen worden, als noch die Sonne schien, sagte der CDU-Bundesvorsitzende am Donnerstag bei einem Ortsbesuch. So habe eine größere Katastrophe verhindert werden können. Der schnelle unbürokratische Einsatz der Bundeswehr habe dabei maßgeblich geholfen. Einen genauen Überblick über die landesweite Opferzahl gebe es noch nicht.

Zuvor hatte sich der Unionskanzlerkandidat bereits ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet Altena gemacht und von einer „dramatischen Lage“ gesprochen. „Bild Live“ sagte er, die Stadt sei ganz besonders vom Hochwasser betroffen. In der letzten Nacht hätten sich zusätzlich zu den Schäden, die es ohnehin schon gegeben habe, große Schlammmassen in die Stadt bewegt.

Laschet betonte die Notwendigkeit von zügiger Hilfe. Er habe mit vielen Anwohnern gesprochen, die über Nacht alles verloren hätten. „Es ist jetzt wichtig, dass schnelle Hilfe hierherkommt“, sagte Laschet. Es würden immer noch Menschen vermisst. Für die Suche nach ihnen seien Hubschrauber im Einsatz.

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Mit Blick auf den Feuerwehrmann, der nach der Rettung eines Mannes aus einem überfluteten Stadtteil ins Wasser gestürzt und abgetrieben war, sprach Laschet von einem „traurigen Fall“. Auch den Tod eines weiteren Feuerwehrmanns beklagte er.

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Unwetter: Mehrere Tote – Dutzende Menschen vermisst
1:17 min
Auch in der Nacht und am Donnerstag kämpften Rettungskräfte weiterhin gegen Wassermassen.  © Reuters

Laschet sichert Hilfe zu

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Laschet versprach umfassende Hilfe vom Land Nordrhein-Westfalen. „Wir tun jetzt alles als Land, um zu helfen.“ Aus dem ganzen Land seien Helfer nach Altena angereist, „um denen zur Seite zu stehen, die hier vor Ort kämpfen“. Krisenstäbe würden koordiniert, was vor Ort laut Laschet „sehr gut“ funktioniert. „Und wir werden auch recht zügig mit der gesamten Landesregierung überlegen, wie man auch den Regionen nach der Behebung der unmittelbaren Schäden auch auf Dauer helfen kann.“

Die Höhe der notwendigen Hilfen konnte Laschet noch nicht genau beziffern. Für Freitagmorgen habe er eine Sondersitzung des Landeskabinetts einberufen. „Wir werden die Kommunen und Betroffenen nicht alleinlassen“, sagte er. Das Land sei in dieser Situation solidarisch.

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Neben Altena war die Ruhrgebietsstadt Hagen mit rund 180.000 Einwohnern nach den heftigen Regenfällen in der Nacht zum Mittwoch von Überflutungen besonders schwer betroffen. Ein Altenheim musste evakuiert werden. Stadtteile waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Teilweise waren Autos von den Wassermassen fortgespült worden. Hagen wird von den Flüssen Ennepe, Ruhr, Lenne und Volme durchflossen.

Die Bundeswehr unterstützt die Hilfs- und Aufräumarbeiten unter anderem mit einem Pionierpanzer des Typs „Dachs“. Auch in Rheinland-Pfalz war es zu katastrophalen Überflutungen gekommen. Im Ort Schuld in der Eifel wurden in der Nacht zum Donnerstag vier Häuser komplett und zwei weitere zur Hälfte weggespült. 50 bis 70 Menschen werden nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums vermisst. Länderübergreifend gibt es bereits 20 bestätigte Todesfälle.

Dreyer: „Es ist wirklich verheerend“

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Weitere Gebäude in der Katastrophenregion seien vom Einsturz bedroht. „So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Mainz.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich bestürzt. „Mein tiefes Mitgefühl gilt den Verstorbenen und ihren Angehörigen“, erklärte Steinmeier am Donnerstag. „In Gedanken bin ich bei den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die in Not sind, die ihr Hab und Gut und manche von ihnen auch ihr Dach über dem Kopf verloren haben.“ Steinmeier dankte auch allen Einsatzkräften, Helferinnen und Helfern, „die unermüdlich im Einsatz sind, die zum Teil ihr Leben riskieren, um den Menschen in dieser gefährlichen Situation zur Seite zu stehen“.

Merkel erschüttert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich ebenso erschüttert und dankte den Helfern. „Ich bin erschüttert über die Katastrophe, die so viele Menschen in den Hochwassergebieten durchleiden müssen“, erklärte Merkel laut einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag. „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten. Den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen.“

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zeigte sich tief betroffen von den dramatischen Unwetterfolgen. „Deutschland trägt heute Trauer“, sagte er am Donnerstag am Rande der Landesgruppenklausur im oberbayerischen Kloster Seeon. „Die Zahl der Opfer ist erschütternd, das Leid der Menschen macht uns traurig.“ Dobrindt betonte: „Wir stehen fest an der Seite derer, die schwere Verluste erlitten haben.“ Zugleich dankte er allen Helfern und Rettungskräften, die pausenlos im Einsatz seien. „Unser Land steht in diesen schweren Stunden fest zusammen“, sagte er.

Bedford-Strohm gedenkt der Opfer

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gedachte der Opfer. „Ich denke sehr an alle Menschen, die in diesen Tagen von den schlimmen Regenfällen und den daraus erwachsenden Fluten betroffen sind“, schrieb Bedford-Strohm am Donnerstag bei Facebook. Menschen seien in den Fluten gestorben, darunter auch helfende Feuerwehrleute. Viele Menschen würden noch vermisst.

„Das Wasser, das viele in der Trockenheit ersehnt haben, ist jetzt zum Unheil geworden“, schrieb der bayerische Landesbischof und oberste Repräsentant der deutschen Protestanten. Die Wetterextreme richteten große materielle Schäden an. „Aber was noch viel schlimmer ist, sie sind zur Ursache von großem menschlichen Leid geworden“, schrieb er.

Baerbock nimmt Anteil

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nahm ebenfalls Anteil am Leid der Betroffenen. „Meine Gedanken sind heute bei den Menschen im Westen und Osten Deutschlands, deren Straßen und Häuser durch #Starkregen überschwemmt werden“, schrieb sie bei Twitter.

Wegen der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kehrt die Grünen-Kanzlerkandidatin vorzeitig aus dem Urlaub zurück. „Das zerstörerische Ausmaß der Überschwemmungen ist erschütternd“, teilte die Parteivorsitzende in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung mit. „Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Menschen, die um Angehörige trauern, sich um Vermisste sorgen und um Verletzte kümmern.“

Als „unglaubliche Leistung“ würdigte die Grünen-Chefin die Arbeit der Rettungskräfte. Gleichzeitig betonte Baerbock, wie wichtig nun die Unterstützung von Bund und Ländern sei: „Den Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, weil ihr Hab und Gut, ihre Häuser einfach weggeschwemmt wurden, muss nun schnell und unbürokratisch geholfen werden.“

Scholz fordert schnelle Hilfe

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz äußerte Mitgefühl und forderte schnelle Hilfe. „Die Meldungen zum #Hochwasser alarmieren und schockieren. Jetzt geht es um schnelle Hilfe. Mein großer Dank geht an die Einsatzkräfte, die ihr Leben riskieren. Mein Mitgefühl gilt den Vermissten und Verstorbenen, ihren Angehörigen sowie allen, deren Häuser überschwemmt sind“, schrieb er bei Twitter.

Inzwischen hat auch er seinen Urlaub unterbrochen, um ins Hochwassergebiet in Rheinland-Pfalz zu reisen. Noch am Donnerstag wolle sich der Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet machen, wie das Ministerium in Berlin auf Anfrage mitteilte.

„Die Menschen im Katastrophengebiet sind in Not, die Schäden sind immens“, erklärte Scholz. „Da muss der Bund mit anpacken.“ Er werde alles dafür tun, dass der Bund finanzielle Hilfe leiste.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Ländern Hilfe zugesagt und den Opfern ihr Mitgefühl ausgesprochen. „Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer der verheerenden Überschwemmungen in Belgien, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden sowie bei denen, die ihr Zuhause verloren haben“, hieß es in einem Tweet von der Leyens am Donnerstag. „Die EU ist bereit zu helfen.“ Betroffene Länder könnten den Katastrophenschutzmechanismus der EU in Anspruch nehmen.

FDP-Chef Christian Lindner forderte schnelle Unterstützung des Bundes für die Opfer der Unwetterkatastrophe. „Dafür kann der Bundesfinanzminister den Aufbauhilfefonds neu aktivieren, der nach der Flut 2013 gebildet wurde. Damit stünden erprobte und bereits eingeführte Instrumente bereit, die schnell und unkompliziert wirken können“, sagte Lindner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Sollte dafür ein Beschluss des Deutschen Bundestages nötig sein, so wäre die FDP jederzeit zu einer Sondersitzung bereit.“

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sieht angesichts der dramatischen Hochwasserlage im Westen Deutschlands den Bund in der Pflicht. „Schnelle Hilfe für die betroffenen Menschen und eine zügige Wiederherstellung der Infrastruktur müssen im Vordergrund stehen“, sagte die Fraktionschefin am Donnerstag.

RND/cz/dpa

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