• Startseite
  • Politik
  • Hochrechnung Bundestagswahl: SPD kurz vor Wahlsieg - Jamaika oder Ampel wahrscheinlich

SPD kurz vor Wahlsieg - Jamaika oder Ampel wahrscheinlich

  • Laut den aktuellen Hochrechnungen zur Bundestags­wahl ist die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten derzeit stärkste Kraft.
  • Die Union mit CDU-Chef Armin Laschet an der Spitze fährt das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein.
  • Dennoch kündigen sowohl Scholz, als auch Laschet an, eine Regierung anführen zu wollen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Nach der Bundestagswahl erheben sowohl SPD, als auch Union Anspruch aufs Kanzleramt. Das Wahlergebnis sei „ein großer Erfolg“ für die SPD, sagte deren Kanzlerkandidat Olaf Scholz am Abend. Klar sei, dass so viele Bürger ihr Kreuz bei seiner Partei gemacht haben, weil sie ihn als Bundeskanzler wollten, so Scholz. „Die SPD hat den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird“, sagte auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Abend.

Laut den Hochrechnungen ist neben den Dreierbündnissen von SPD oder Union mit Liberalen und Grünen auch eine Fortsetzung der großen Koalition möglich. Die neueste Hoch­rechnung um 23.21 Uhr zur Bundestagswahl der ARD (Infratest Dimap) sieht die SPD knapp vor der Union:

  • Die SPD verbesserte ihr Ergebnis von der vorherigen Bundes­tags­wahl vor vier Jahren deutlich und erreicht nun 25,8 Prozent.
  • Die CDU/CSU verzeichnet klare Einbußen und kommt auf 24,1 Prozent. Es wäre das schlechteste Ergebnis bei einer Bundes­tagswahl für die Union.
  • Die Grünen können gegenüber 2017 stark zulegen, landen aber nur auf Platz drei mit 14,6 Prozent der Stimmen.
  • Die FDP verbessert sich erneut und erreicht 11,5 Prozent.
  • Die AfD erreicht 10,5 Prozent der Stimmen.
  • Die Linke liegt bei 4,9 Prozent.
  • Sonstige kommen gemeinsam auf 8,6 Prozent.
Anzeige

Wie Konkurrent Scholz hatte auch CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet angekündigt, eine Regierungskoalition unter seiner Führung bilden zu wollen. „Wir als Union haben von unseren Wählern einen klaren Auftrag erhalten. Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung“, sagte Laschet bereits nach ersten Hochrechnungen. „Deshalb werden wir alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden.“ Er strebe nun eine „Zukunftskoalition“ aus Union, Grünen und FDP an.

Historische Bundestagswahl

Anzeige

Schon jetzt gilt die Bundestagswahl von diesem Jahr als historisch: Nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die zur Wiederwahl nicht erneut angetreten war, waren am Sonntag knapp 60,4 Millionen Deutsche aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen, der über den nächsten Bundes­kanzler bestimmen wird. Die Wahlbeteiligung fiel etwas schlechter aus als vor vier Jahren, wobei der Anteil der Briefwähler mit über 40 Prozent auf Rekordhöhe lag.

In den bundesweit rund 60.000 Wahllokalen war der Zulauf denn auch etwas geringer als vor vier Jahren. Bis zum Nachmittag lag die Wahl­beteiligung etwa 5 Prozentpunkte unter dem Wert von 2017. Rein statistisch nahmen in diesem Jahr etwa 2,8 Millionen Bürgerinnen und Bürger erstmals an einer Bundestags­wahl teil. Insgesamt standen 47 Parteien zur Auswahl.

+++ Der Liveblog zur Bundestagswahl mit allen News und Entwicklungen +++

Die Wahlgewinner sind dabei SPD, Grüne und FDP, die ihre Ergebnisse im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl klar verbessern konnten. „Die SPD ist wieder da“, betonte SPD-Generalsekretär Klingbeil. Umfragen zufolge hat die Partei vor allem von ihrem Kanzlerkandidaten profitiert: Dem bisherigen Vizekanzler Olaf Scholz schrieben die Wähler hohe Kompetenz und die Befähigung zu, Deutschland als Bundeskanzler zu regieren. Davon profitierte die SPD im Laufe des Wahlkampfs immer stärker, sodass sie sich von Umfragewerten um die 15 Prozent im Januar dieses Jahres bis auf über 25 Prozent in der Wahlwoche hatte verbessern können

Großer Verlierer ist dagegen die Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet, dem bisherigen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westphalen. Sie büßte gegenüber 2017 erneut deutlich ein und fiel auf das schlechteste Ergebnis seit ihrem Bestehen. „Die Verluste sind herb zur letzten Wahl. Das ist bitter“, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak - betonte aber, wie auch CSU-Generalsekretär Markus Blume, die Möglichkeit einer „bürgerlichen Koalition“ mit FDP und Grünen.

Hauptstadt Radar Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Für die Grünen fiel die Wahl zwiespältig aus: Zwar verfehlten sie deutlich ihr Ziel, mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin stärkste Kraft im Bundestag zu werden. Allerdings konnten sie ihr Ergebnis von 2017 kräftig verbessern, wurden klar drittstärkste Partei und können nun darauf hoffen, an einer künftigen Bundesregierung beteiligt zu sein. Grünen-Co-Chef Robert Habeck ließ dabei am Abend offen, ob seine Partei eine Koalition mit SPD oder Union bevorzugen würden. „Wir wollen regieren“, sagte er. Zwar gebe es „die SPD-Nähe“, aber eine „eigene politische Stärke“ sei auch ein Bündnis mit FDP unter Führung der Union möglich, so der Grüne.

FDP legt zu

Bei der FDP war der Jubel dagegen uneingeschränkt groß. Generalsekretär Volker Wissing betonte, die FDP habe zum zweiten Mal in Folge ein zweistelliges Ergebnis erzielt. „Das hat es noch nie gegeben“. Zu möglichen Koalitionen wollte er sich nicht äußern. Parteichef Christian Lindner sagte, er wolle nun mit allen demokratischen Parteien verhandeln. Bei einer Jamaika-Koalition mit Union und Grünen gebe es aber die „größte inhaltlichen Übereinstimmungen“.

Für die Linke wurde der Abend zur Zitterpartie: Mit deutlichen Einbußen musste sie zunächst bangen, durch Überwinden der 5-Prozent-Hürde oder das Erreichen von drei Direktmandaten erneut in den Bundestag zu gelangen. Eine rot-rot-grüne Bundesregierung war damit rechnerisch nicht mehr möglich.

Anzeige

Aus der Bundestagswahl im Jahr 2017 waren CDU und CSU mit 32,9 Prozent als stärkste Kraft hervorgegangen. Die SPD kam mit 20,5 Prozent auf ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegszeit, die AfD wurde damals mit 12,6 Prozent drittstärkste Kraft. Dahinter folgten FDP (10,7 Prozent), Linke (9,2) und Grüne mit 8,9 Prozent.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde parallel zur Bundestagswahl außerdem ein neuer Landtag gewählt. Hier konnte die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die bislang mit der CDU regiert hat, ihre Stellung als stärkste Kraft weiter ausbauen. AfD, CDU und Linke erlitten starke Verluste. Neben Schwarz-Rot könnte Schwesig nun auch eine rot-rote Koalition bilden.

Wahlchaos in Berlin

Im Land Berlin fanden - teils mit Verzögerungen und Pannen in den Wahllokalen - gleich mehrere Abstimmungen statt: Auch das Abgeordnetenhaus wurde gewählt, das über den Nachfolger von Michael Müller (SPD) als Regierenden Bürgermeister bestimmt, der nicht erneut antrat. Laut ersten Hochrechnungen konnte SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey ihre Favoritenrolle nicht verwandeln und lag am Abend mit der Grünen-Spitzenfrau Bettina Jarasch zunächst fast auf Augenhöhe.

Außerdem wurde in Berlin über die 12 Bezirksparlamente sowie über ein Volksbegehren abgestimmt, der eine Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen mit mehr als 3000 Wohnungen fordert. Bei den Wahlen war es am Sonntag vor zahlreichen Wahllokalen in der ganzen Stadt zu langen Warteschlangen und etlichen Pannen gekommen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen