Lauterbach will Hitzeschutzplan noch diesen Sommer umsetzen: Das sind die Maßnahmen
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Zwei Frauen schützen am Rheinufer in der Altstadt von Köln mit einem Regenschirm vor der Sonne.
© Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
Berlin. Neue Schutzangebote gegen Hitzewellen sollen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bereits in den nächsten Wochen an den Start kommen. „Wir wollen diesen Sommer schon schützend wirken“, sagte der SPD-Politiker am Montag in Berlin vor Beratungen über einen nationalen Hitzeschutzplan mit Vertretern von Pflegebranche, Ärzteschaft, Kommunen und weiteren Experten.
Als erstes Angebot soll bald ein gemeinsam mit der Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität entwickeltes Portal „hitzeService für Kommunen“ online gehen. Dort können sich Kommunen über Hitzeschutz-Maßnahmen informieren.
Der Hitzeschutzplan sieht vor, das Warnsystem des Deutschen Wetterdiensts (DWD) standardmäßig zu nutzen. Die Länder sollen prüfen, ob bei bestimmten Warnstufen des DWD entsprechende Akutmaßnahmen verpflichtend sein sollen. Das Robert Koch-Institut soll dem Konzept zufolge den Zeitraum zwischen Juni und September 2023 hinsichtlich Übersterblichkeit durch Hitze statistisch auswerten. Bei Bedarf wolle das Gesundheitsministerium gemeinsam mit anderen Bundesministerien eine Interministerielle Arbeitsgruppe einberufen, die den Beitrag des Bundes zum Hitzeschutz gestalten solle, hieß es.
Lauterbach erläuterte, in der Vergangenheit seien jedes Jahr Tausende Menschen an Hitze gestorben. Dies betreffe nicht nur ältere Menschen, sondern etwa auch Schwangere, chronisch Kranke und Obdachlose. „Das ist keine akzeptable Situation.“ Menschen könnten gerettet werden, wenn es einen Hitzeschutzplan etwa nach Vorbild Frankreichs gäbe.
Hausärzte sollen gefährdete Patienten ansprechen
Im Blick stehen unter anderem Warnungen vor Beginn von Hitzewellen, machte Lauterbach deutlich. Genutzt werden könnten Radio, Fernsehen oder Benachrichtigungen per Handy. Denkbar sei auch, Menschen direkt über Pflegedienste anzusprechen. Hausärztinnen und -ärzte sollen bei Hitzewellen Kontakt zu gefährdeten Menschen aufnehmen. Außerdem ist eine bundeseinheitliche Empfehlung für Hitzeschutzpläne in Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten vorgesehen.
Der Minister betonte: „Da geht es nicht um Verbote, sondern es geht darum, den Einzelnen zu schützen.“ Auf dem neuen Infoportal für die Kommunen sind Hinweise zu mehreren Themen zu finden - zum Beispiel zur Kommunikation von Hitzewarnungen, zu Hitzevorsorge in sensiblen Einrichtungen wie Pflegeheimen oder zu Stadtplänen mit „kühlen Orten“.
Mehr Trinkwasserspender in den Städten
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sagte, die Folgen der Klimakrise seien in Deutschland und Europa angekommen. „Deshalb ist es notwendig, dass wir uns um den Schutz der Bevölkerung in veränderten Klimazeiten kümmern.“ Wichtiger würden auch die Trinkwasserversorgung und eine Abkühlung der Städte durch mehr Grün und mehr Schatten. Es sei zum Beispiel bereits eine gesetzliche Grundlage geschaffen worden, damit Kommunen mehr Trinkwasserspender bauen könnten.
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Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, begrüßte Lauterbachs Pläne. Die AOK und andere gesetzlichen Krankenkassen seien bereit, Kommunen bei der Umsetzung zu unterstützen. Wichtig sei, die Bevölkerung besser über die Risiken der Erderwärmung zu informieren. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gab zu bedenken, dass viele Klinikgebäude in Deutschland alt seien. Klimagerechte Modernisierung sei zwar notwendig, aber nicht zum Nulltarif zu haben, sagte DKG-Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß: „Die Krankenhäuser benötigen ein umfassendes Investitionsprogramm, um mit dem Klimawandel umgehen zu können.“
2022 starben 4500 Menschen hitzebedingt
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek begrüßte die Pläne, für die es „allerhöchste Zeit“ sei. Lauterbach müsse dabei die Länder einbinden. „Hitzeaktionspläne sind nur dann effizient, wenn sie auf die Situation vor Ort angepasst sind“, sagte der CSU-Politiker. Die Bundesregierung müsse die Kommunen auch finanziell unterstützen. „Gesundheitsschutz kostet, aber das muss es uns wert sein.“
Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sprach sich auch für konkrete Verhaltensvorschläge aus. Geprüft werden sollten etwa der Einsatz kostenlosen Trinkwassers oder das Einrichten von Schutzräumen. Grünen-Chefin Ricarda Lang unterstützte die Pläne. „Hitze ist die größte akute Gesundheitsgefahr, die sich aus der Klimakrise ergibt“, sagte sie. Bürgerinnen und Bürger müssten geschützt werden, etwa durch mehr Grün und Wasserspeicher in Städten.
Nach früheren Angaben der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, der Bundesärztekammer und des Deutschen Pflegerats starben 2022 insgesamt 4500 Menschen hitzebedingt. Im Jahr 2018 mit einem besonders heißen Sommer seien es sogar 8700 Hitzetote gewesen.
RND/dpa/epd
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